Partei nimmt Bewerbungen für Parteiämter in Niedersachsen online entgegen / Konflikte mit Koalitionspartner Grünen geht das Führungspersonal aus

Niedersachsens Grünen-Spitze muss sich neu sortieren. Der notwendige Personalwechsel fällt zwar in eine Zeit ohne Wahlkämpfe, aber die Basis erwartet angesichts diverser Konflikte mit dem Koalitionspartner SPD klare Kante von ihrer Parteiführung.
30.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter Mlodoch

Niedersachsens Grünen-Spitze muss sich neu sortieren. Der notwendige Personalwechsel fällt zwar in eine Zeit ohne Wahlkämpfe, aber die Basis erwartet angesichts diverser Konflikte mit dem Koalitionspartner SPD klare Kante von ihrer Parteiführung.

Wer bei Niedersachsens Grünen Karriere machen will, hat es neuerdings recht leicht. Bewerbungen für hohe Parteiämter kann man jetzt auch online abgeben: Ein paar Klicks tätigen, ein Foto einspielen, einige Sätze zu Motivation und Zielen sowie ein paar Angaben zum persönlichen und politischen Leben verfassen – fertig ist die Kandidatur. Doch eine Interessentenschwemme für den Parteitag in Stade hat das moderne Angebot der Landesgeschäftsstelle bisher nicht gerade ausgelöst. Nur zwei Grüne gehen bei der am 21. Februar anstehenden Neuwahl der Doppelspitze ins Rennen: als Amtsinhaberin die Landtagsabgeordnete Meta Janssen-Kucz (53) und als Neuling auf Landesebene der Grünen-Vorsitzende der Region Hannover, Stefan Körner (37). Ohne Gegenkandidat bleibt auch der amtierende Schatzmeister Matthias Wiebe. Nur bei den drei Stellvertretern gibt es vier Bewerber – außer der bisherigen Vize-Frau Sybille Mattfeldt-Kloth (60) allerdings landesweit eher unbeschriebene Blätter wie der Braker Stadtrat Dragos Pancescu (47).

Geht der einst streitlustigen Partei, bei der sich früher die Vertreter der Realo- und Fundi-Flügel mitunter ein heftiges Postengeschachere lieferten, der engagierte Nachwuchs aus? „Das Angebot ist nicht gerade üppig“, gibt ein langjähriges Grünen-Mitglied zu, hofft aber auf weitere Kandidaturen. „Bis Stade ist ja noch eine Weile hin.“

Die Personalnot fällt zwar in eine wahlkampffreie Zeit – die nächsten Urnengänge in Niedersachsen stehen erst im Herbst 2016 bei den Kommunalwahlen an. Aber auf Landesebene läuft es nach der Anfangseuphorie in der Koalition mit der SPD nicht mehr so rund. Zu den Dauerstreitthemen Autobahnneubau und Fracking hat sich in jüngster Zeit die Landwirtschaft gesellt. Der grüne Agrarminister Christian Meyer ist mit seinen Plänen für Raumordnung und Moorschutz bei den Genossen kräftig angeeckt. Auch die Agrarwende geht manchen SPD-Abgeordneten viel zu schnell und einseitig zulasten der konventionellen Tierhalter. Da sehnt sich die grüne Basis nach klarer Kante und einer selbstbewussten Parteispitze.

„Wir stoßen in einigen Bereichen an die Grenzen der Gemeinsamkeit mit unserem Koalitionspartner“, umschreibt der designierte Parteichef Körner blumig die Konflikte mit der SPD. „Um den berechtigten Erwartungen unserer Wähler und auch unserer eigenen Partei gerecht zu werden, müssen wir weiter deutliche grüne Akzente in Niedersachsen setzen“, meint der Regionalbüroleiter der Europa-Abgeordneten Rebecca Harms und nennt neben einer „konsequenten Antiatompolitik“ und „menschlichen Asylpolitik“ insbesondere die umstrittene Agrarwende.

Körner möchte in Stade den bisherigen Landeschef Jan Haude ablösen, der im Januar für seine Parteifreunde völlig überraschend den Rückzug nach vier Jahren an der Grünen-Spitze angekündigt hatte. Er wolle mehr Zeit seinen beiden kleinen Kindern widmen und „beruflich nicht alles auf die Parteipolitik konzentrieren“, erklärte der 33-jährige Stratege, der 2013 maßgeblich den erfolgreichen Landtagswahlkampf gemanagt hatte. Es ist binnen eines Jahres der zweite Aderlass an der Parteispitze. Erst im Mai 2014 war Janssen-Kucz zur Nachfolgerin der jungen Landtagsabgeordneten Julia Willie Hamburg gekürt worden, die ihr Amt wegen einer schweren Herzkrankheit nach der Geburt ihres zweiten Kindes aufgegeben hatte.

„Ich will an Jans gute Arbeit anknüpfen“, sagt Körner im Gespräch mit dem

WESER-KURIER. Wie Haude kommt er aus dem mächtigen Regionsverband Hannover, dem ein Fünftel aller 6000 niedersächsischen Grünen-Mitglieder angehören. Wie Haude gilt der Kandidat als Realo, auch wenn er sich selbst keinem Lager zurechnen möchte. „Das spielt doch schon lang nicht mehr die Rolle wie früher.“

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