Niedersachsen

Grundwasser schwer belastet

Hannover. Gülle und Festmist aus der Viehhaltung sowie Gärreste aus Biogasanlagen verunreinigen das Grundwasser in Niedersachsen. 60 Prozent sind mit Nitrat belastet. Vor allem im Nordwesten des Landes sind viele Felder überdüngt.
24.10.2013, 04:00
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Von Peter Mlodoch
Grundwasser schwer belastet

Zurzeit ein alltäglicher Anblick: Gülleausbringung auf Felder, die allerdings die Mengen kaum aufnehmen können. Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) stellte gestern den Nährstoffbericht mit aktuellen Daten zum Einsatz von Gülle, Kot und Gärresten vor.

dpa

Gülle und Festmist aus der Viehhaltung sowie Gärreste aus Biogasanlagen verunreinigen das Grundwasser in Niedersachsen. 60 Prozent sind mit Nitrat belastet. Vor allem im Nordwesten des Landes sind viele Felder überdüngt. „Wir müssen umgehend handeln“, erklärte Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) gestern bei der Vorstellung des ersten Nährstoffberichts in Hannover.

2,6 Millionen Rinder, 10,8 Millionen Schweine und 103 Millionen Stück Geflügel in Niedersachsen produzieren reichlich Hinterlassenschaften: 38,7 Millionen Tonnen Gülle und 8,1 Millionen Festmist. Dazu fallen 9,9 Millionen Tonnen pflanzlicher Gärreste aus Biogasanlagen an. Das Zeug muss entsorgt werden, es eignet sich aber als Wirtschaftsdünger in der Landwirtschaft, kann und wird also auf die Felder aufgebracht. Allerdings sind Aufkommen und Bedarf höchst unterschiedlich verteilt.

So beträgt der Nährstoffanfall laut Nährstoffbericht in Niedersachsen durchschnittlich 119 Kilogramm Stickstoff und 60 Kilogramm Phosphat pro Jahr und Hektar. In der Region Weser-Ems mit den vielen Massenställen sind es dagegen 192 und 103 Kilogramm – weit mehr als auf den Böden erlaubt. Weil aber der Abtransport etwa in die Ackerbauregionen im Osten Niedersachsens teuer ist, bleiben – so der Verdacht – große Mengen Gülle und Mist vor Ort, die Felder werden überdüngt, Nitrat und Phosphat geraten in die Gewässer; 60 Prozent davon gelten landesweit als verunreinigt. „Niedersachsen muss sein Grundwasser vor nicht sachgerechter Überdüngung schützen“, sagte Minister Meyer, der innovative Lösungen für Aufbereitung und Transporte, eine flächenangepasste Tierhaltung und eine Verschärfung der Düngeverordnung fordert. Nach Jahren des Rückgangs steige die Schadstoffbelastung wieder an; neben Malta habe sich Deutschland deshalb eine Rüge der EU-Kommission eingefangen.

„Es besteht durchweg Einigkeit in der Erkenntnis, dass dringend etwas passieren muss“, betonte auch der Präsident der Landwirtschaftskammer, Arendt Meyer zu Wehdel. Die Landvolkverbände Cloppenburg, Oldenburg und Emsland erklärten, dass sie kein Interesse an überdüngten Böden hätten, warnten jedoch gleichzeitig vor einer pauschalen Verurteilung der Agrarbetriebe.

Laut Nährstoffbericht, dem bundesweit ersten seiner Art, haben nach Einführung der Meldepflicht durch Meyers Vorgänger Gert Lindemann (CDU) im Juli 2012 in Niedersachsen 10388 Betriebe in 120000 Einzeltranchen die Abgabe von Wirtschaftsdünger einschließlich der Art und Menge, des Transporteurs sowie der Adressen von 17878 Empfängern dokumentiert. Insgesamt 15,6 Millionen Tonnen Gülle und Mist gingen so auf die Reise – ein Großteil vom Westen in den Osten Niedersachsens, aber auch in andere Bundesländer oder in die thermische Verwertung, sprich Verbrennung.

Es gab allerdings auch Importe aus Holland: 1,4 Millionen Tonnen flossen von dort nach Nordrhein-Westfalen und immerhin noch 100000 Tonnen nach Niedersachsen. Längst hat sich ein florierender Gülle-Tourismus mit Händlern, Vermittlern und Transporteuren entwickelt. Diesen wollen Ministerium und Kammer nicht einschränken, sondern in geordnetere Bahnen lenken. So müsse man darüber nachdenken, ob Lastwagen mit Futtermitteln aus dem Osten für den Westen des Landes auf dem Rückweg nicht Dünger mitnehmen könnten, meinte Meyer. Innovationen seien auch bei der technischen Aufbereitung der tierischen Hinterlassenschaften notwendig. Noch besser sei es jedoch, Ställe dort zu bauen, wo auch genügend Felder für die Aufnahme des Düngers vorhanden seien. „Wir brauchen eine flächenangepasste Tierhaltung“, erklärte der Minister. Das Land werde dafür Anreize schaffen, allerdings nicht industrielle Megaställe fördern. Vom Bund forderte Meyer, endlich die angekündigte Verschärfung der Düngeverordnung umzusetzen.

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