Celle Gutachten zur Y-Trasse fällt durch

Das Gutachten zu Y-Trasse, das dem „Dialogforum Schiene Nord“ für dessen Tagung am Freitag nur wenige Tage zuvor auf den Tisch gelegt worden war, hat sich als wenig hilfreich erwiesen.
24.04.2015, 18:30
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Gutachten zur Y-Trasse fällt durch
Von Michael Lambek

Das Dialogforum zur Y-Trasse war am Freitag im Celler Kongress-Zentrum „Union“ kaum zusammengetreten, da war die Tagesordnung bereits kaum noch das Papier wert, auf dem sie stand. Die gut 90 Mitglieder des Gremiums lehnten es ab, sich mit einem Gutachten zu befassen, das erst drei Tage zuvor gedruckt worden war.

„Zu wenig Vorbereitungszeit, um überhaupt einigermaßen fundiert darüber reden zu können, unverständlich, unlogisch“, lauteten nur einige Kritikpunkte an dem 70-Seiten-Papier der Freiburger Beratergruppe Verkehr und Umwelt (BVU). Die hatte im Auftrag des Bundesregierung Alternativen zur Y-Trasse begutachtet und war zu dem Ergebnis gekommen, dass die ursprüngliche Y-Trasse besser sei als alle Alternativen (wir berichteten).

Die Kosten- und Nutzenberechnungen der Gutachter seien nicht nachzuvollziehen, weil die Details dahinter fehlten. „Völlig unzureichend, allenfalls ein Einstieg in ein Gutachten“, sagte einer der Forums-Mitglieder. Dazu komme, dass in dem Gutachten Streckenvarianten unabgesprochen verändert worden seien. „Wenn wir den Gutachtern so etwas erlauben, werden wir hier nie fertig“, hieß es.

Der Uelzener Landrat Heiko Blume hatte bereits zu Beginn der Tagung beantragt, die Präsentation des Gutachtens samt Diskussion darüber komplett von der Tagesordnung zu nehmen und auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. „Wir sind hier schließlich nicht beim betreuten Lesen“, sagte er.

So wurde während dieser zweiten Sitzung des Dialogforums erneut thematisiert, was schon vier Wochen zuvor breiten Raum eingenommen hatte: Die Runde forderte externen Sachverstand, einen Experten, mit dessen Hilfe zu Gutachtern, wie denen von BVU, sich Augenhöhe herstellen lässt. „Wir brauchen einen Experten, der uns dabei hilft, die richtigen Fragen zu stellen und die zahlreichen Daten zu verarbeiten, mit denen wir es zu tun bekommen“, forderte etwa die Bürgermeisterin von Bispingen, Sabine Schlüter.

Das niedersächsische Wirtschaftsministerium hatte bereits vor Wochen seine Bereitschaft signalisiert, einen Gutachter zur Verfügung zu stellen, der nur für das Dialogforum arbeiten solle. Aber eine solche Bestellung dauert, und das Vertrauen der Kommunal-, Verbands- und Interessenvertreter zum Land ist nicht sonderlich ausgeprägt. So entschied man am Nachmittag, den Experten zu beauftragen, den die Landkreise Uelzen und Harburg bereits auf eigene Faust und Kosten engagiert hatten. Für die zusätzlichen Kosten soll das Land aufkommen.

Über Erweiterungsmöglichkeiten bei der Schieneninfrastruktur im Raum Bremen, Hannover und Hamburg wurde am Freitag so gut wie nicht gesprochen. Auch vor diesem Hintergrund wurden aus den Reihen der über 90 Teilnehmer Zweifel daran laut, ob die Aufgabe des Dialogforums in dem vergleichsweise engen Zeitkorsett zu erledigen sein wird.

„Sie entscheiden hier selbst, wie Sie mit Ihrer Zeit umgehen“, hatte Moderator Jens Stachowitz am Morgen gesagt, nachdem sich abgezeichnet hatte, dass die Tagesordnung nicht zu halten sein würde. Im November findet die letzte der noch verbleibenden sechs Tagungen statt. Bis dahin sollte eine Empfehlung zu Gunsten einer oder mehrerer Trassenvarianten stehen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+