CDU und FDP kritisieren Vorstoß der Kultusministerin Hilfe für Brennpunktschulen

Hannover. 20 zusätzliche Sozialpädagogen sollen die angespannte Situation an niedersächsischen Schulen in sozialen Brennpunkten entschärfen helfen. Man wolle die Lehrer dort in ihrem schwierigen Job besser unterstützen, erklärte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) in Hannover.
28.07.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Hilfe für Brennpunktschulen
Von Peter Mlodoch

Hannover. 20 zusätzliche Sozialpädagogen sollen die angespannte Situation an niedersächsischen Schulen in sozialen Brennpunkten entschärfen helfen. Man wolle die Lehrer dort in ihrem schwierigen Job besser unterstützen, erklärte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) in Hannover. Konflikt- und Gewaltprävention, Mittel gegen das Schwänzen sowie Hilfe bei der Integration gehören zu den Aufgaben der neuen Fachkräfte. Von einem „Akt der Hilflosigkeit“ und einem „peinlichen Witz“ sprachen CDU und FDP. Die 20 Stellen reichten bei weitem nicht aus.

Mit einem öffentlichen Hilferuf hatten sich vor drei Monaten Lehrer und Eltern der Grundschule Mühlenberg im Südwesten Hannovers an die Behörden gewandt und ein Klima der „Verrohung und Gewalt“ beklagt. Wenn mehr als 90 Prozent der Schüler Ausländer seien, lasse sich eine Schule im herkömmlichen Sinne kaum noch realisieren, lautete die Kritik. Jetzt gehört Mühlenberg zusammen mit einem anderen Bezirk in Hannovers Norden zu den Profiteuren der zum neuen Schuljahr 2017/18 startenden Initiative. Allein fünf Sozialpädagogen sind für die Landeshauptstadt vorgesehen. Jeweils drei sollen nach Braunschweig und Salzgitter gehen, jeweils zwei nach Delmenhorst, Wilhelmshaven und nach Hildesheim-Nord, jenem Stadtteil, der als Hochburg radikaler Salafisten in die Schlagzeilen geraten war.

Als soziale Brennpunkte hat das Ministerium aber nicht nur die größeren Städte identifiziert. Auf der Liste steht auch das Quartier Neustadt der 13 000-Einwohner-Stadt Quakenbrück (Landkreis Osnabrück). Hier führt laut Heiligenstadt eine starke Gruppe muslimischer Griechen zu Integrationsproblemen. In der 9800-Seelen-Gemeinde Emmerthal im Weserbergland, Standort des Atomkraftwerks Grohnde, bereitet danach im Ortsteil Amelgatzen ein hoher Anteil bulgarischer Roma Sorgen. Bei der Auswahl der betroffenen Brennpunkte hat das Kultusressort gemeinsam mit der Landesschulbehörde statistische Daten wie Arbeitslosenquote, Zahl der Sozialhilfeempfänger und Migrantenanteil ausgewertet. Außerdem zog es Erkenntnisse der Akteure vor Ort heran.

Derzeit arbeiten an niedersächsischen Schulen 875 sozialpädagogische Kräfte. Noch 2015 gab es nur 207 Vollzeiteinheiten. Die seitdem rund 550 neu ausgeschriebenen Stellen habe man „nahezu vollständig“ besetzen können, berichtete Heiligenstadt. Die Ministerin zeigte sich denn auch zuversichtlich, für die 20 zusätzlichen Brennpunktjobs schnell geeignete Bewerber zu finden. „Diese ersetzen aber nicht die kommunalen Jugendhilfen“, betonte die Ressortchefin.

„Das ist noch nicht mal ein Tröpfchen auf dem heißen Stein“, kritisierte FDP-Schulexperte Björn Försterling die Initiative. Insgesamt müssten 2000 Schulen des Landes ohne Sozialpädagogen auskommen. Rot-Grün habe seit 2013 zahlreiche funktionierende Programme mit freien Trägern abgebaut und bestehende Strukturen zerschlagen, bemängelte CDU-Fraktionsvize Jörg Hillmer.

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