Pottwale werden nach Wilhelmshaven gebracht

Im Schlepptau zur letzten Reise

Die verendeten Pottwale von Wangerooge werden nach Wihelmshaven gebracht. Ein hartes Stück Arbeit, das mit dem Mittagshochwasser an diesem Freitag vollbracht werden soll. 2017 könnte ein Wal dann als präpariertes Skelett zurückkehren.
15.01.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Im Schlepptau zur letzten Reise
Von Justus Randt
Im Schlepptau zur letzten Reise

Rund 50 Meter weit musste einer der zwei toten Pottwale von Wangerooge über den Strand ans Wasser gezogen werden. Am Freitag sollen die Kadaver nach Wilhelmshaven gebracht werden.

dpa

Die verendeten Pottwale von Wangerooge werden nach Wihelmshaven gebracht. Ein hartes Stück Arbeit, das mit dem Mittagshochwasser an diesem Freitag vollbracht werden soll. 2017 könnte ein Wal dann wieder als präpariertes Skelett zurückkehren.

Bürgermeister Dirk Lindner hat die Attraktion schon vor Augen: Ein Pottwalskelett vor dem Nationalparkhaus der Insel Wangerooge. „Im Februar oder März 2017 könnte der Wal zurück sein“, sagt er. Erst einmal müssen die Kadaver der zwei mächtigen Meeressäuger vom Ost-Strand der Insel verschwinden, wo sie vor einer Wochen tot angespült worden waren. Ein hartes Stück Arbeit, das mit dem Mittagshochwasser an diesem Freitag vollbracht werden soll. Am Ende sollen die beiden knapp 12 und 13 Meter langen Leichen in Wilhelmshaven landen.

Am Donnerstag waren Nationalparkverwaltung Wattenmeer, Mellumrat, Kurverwaltung und Feuerwehr damit beschäftigt, die Bergung vorzubereiten. „Wir haben die Tiere mit Hilfe von zwei Kettenbaggern in Position gebracht, und ihnen die Seitenflossen abgeschnitten“, sagt Lindner. Für zarte Seelen ist die letzte irdische Etappe der Pottwale nichts: In den Tagen zuvor waren ihnen bereits die Kiefer abgesägt worden, um das Elfenbein ihrer Zähne vor Trophäenjägern in Sicherheit zu bringen. Damit die verwesenden Leiber nicht bersten, und Faulgase entweichen können, waren sie aufgeschnitten worden.

Die Aufgabe übernahm ein niederländischer Experte namens Aart Walen. Der ist auch Präparator, und Bürgermeister Lindner erwartet kommende Woche einen genauen Kostenvoranschlag von ihm. Zwischen 50 000 und 70 000 Euro, schätzt er, müsse die Inselgemeinde für das hergerichtete Pottwalskelett aufbringen. Das Umweltministerium habe bereits seine Zustimmung signalisiert.

Zunächst aber muss „Wal 2“, wie Lindner den Favoriten der Wangerooger nennt, entfleischt werden – nachdem er zusammen mit „Wal 1“ den Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven erreicht hat. Mit dem Freitagmittag-Hochwasser sollen die Kadaver von Schleppern vorsichtig ins Wasser gezogen werden. Dann beginnt ihre letzte Reise – die gegen 19 Uhr in Wilhelmshaven enden soll, wie Lindner sagt. Das niedersächsische Umweltministerium geht vorsichtig von einer Ankunft am späten Freitagabend oder frühen Sonnabendmorgen aus.

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Insgesamt zwölf junge Pottwalbullen sind seit der vergangenen Woche an der Küste tot angespült worden oder gestrandet und verendet. Der bisher letzte dieser ungewöhnlichen Unglücksserie wurde Donnerstag vor der niederländischen Insel Texel gefunden – nachdem dort bereits fünf Pottwale verendet waren. Zwei wurden vor Helgoland entdeckt, einer bei Büsum und einer in der Außenweser auf dem Südeversand zwischen Dorumersiel und Mellum. Warum die Jungtiere die Orientierung verloren und sich in die Nordsee verirrt haben, können auch Experten wie Michael Dähne vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund nicht zuverlässig beantworten.

Möglicherweise wollten die Jungbullen, was bei Pottwalen nicht unüblich wäre, gemeinsam südliche Gewässer ansteuern. Ob das so war, will Ursula Siebert herausfinden. „Eine Obduktion soll ergeben, ob die Tiere krank waren und wie es ihnen ging“, sagt die Professorin am Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

Auf Nordstrand waren Siebert und rund 30 Helfer am Donnerstag damit beschäftigt, den zwei Helgoländer Kadavern Proben zu entnehmen. „Wir versuchen, alle Tiere der Gruppe zu untersuchen, auch die von Texel“, sagt Siebert. Bis Aufschluss über das Schicksal der Wale zu erwarten ist, könnten vier Wochen ins Land gehen. Das bei der Insel Trischen vor Büsum gestrandete Tier war Donnerstagnachmittag auf dem Weg nach Nordstrand, die „Odin“, ein Schiff des schleswig-holsteinischen Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz sollte den Wal dort nachts anlanden.

Experten untersuchen einen Walkadaver auf Texel.

Experten untersuchen einen Walkadaver auf Texel.

Foto: action press

Der Pottwal vom Südeversand war Donnerstag von Mitarbeitern der Nationalparkverwaltung, der Uni Oldenburg und durch einen Tierarzt des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) untersucht worden. Nach zweistündiger Fahrt mit dem Boot von Hooksiel aus mussten die Experten sich anderthalb Kilometer weit zu Fuß durchs Watt zu dem stark verwesten Wal durchkämpfen. „Wie es im Moment aussieht, wird das Tier dort liegen gelassen“, sagt Laves-Sprecherin Hiltrud Schrandt. Olaf Meyer von der Außenstelle Blexen des Wasser- und Schifffahrtsamtes Bremerhaven bestätigt, dass der Wal fernab der Bundeswasserstraße liege und keine Gefahr darstelle.

Während der Wangerooger „Wal 2“ zur Präparation vorbereitet werden soll, geht Thomas Groß davon aus, dass „Wal 2“ im Jade-Weser-Port „relativ ungestört“ zerlegt werden kann. Der Geschäftsführer der Oldenburger Fleischmehlfabrik in Friesoythe rechnet mit insgesamt 50 Tonnen Walresten, die in seinem Betrieb zu Mehl, das verbrannt wird, und zu Fett als Bestandteil von Biodiesel verarbeitet werden.

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