Belm/Bremerhaven Immer mehr Migranten wohnen in den eigenen vier Wänden

Bremerhaven·Belm. Jede dritte Person mit Migrationshintergrund wohnt in Deutschland in den eigenen vier Wänden. Bei den hier lebenden Italienern liegt die Eigentumsquote bei 36,4 Prozent, bei Türken und Griechen jeweils bei 26,8 Prozent, bei Polen bei 19,3 Prozent.
14.04.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Joachim Göres

Jede dritte Person mit Migrationshintergrund wohnt in Deutschland in den eigenen vier Wänden. Bei den hier lebenden Italienern liegt die Eigentumsquote bei 36,4 Prozent, bei Türken und Griechen jeweils bei 26,8 Prozent, bei Polen bei 19,3 Prozent. Aussiedler und eingebürgerte Zuwanderer erreichen mit knapp 39 Prozent höhere Werte – der Abstand zu den Deutschen ohne Migrationserfahrung (Eigentumsquote: 55,1 Prozent) bleibt aber groß. Zahlen, die das Deutsche Institut für Urbanistik im Rahmen des Projektes „Wohneigentum als Chance für Stadtentwicklung und Integration“ vorgelegt hat. Es hat in zehn Städten die Motivation für den Hauskauf von Migranten untersucht.

In Bremerhaven hat die städtische Wohnungsgesellschaft Stäwog im Gebiet Grünhöfe Blocks aus den 50er-Jahren abgerissen. Ein russlanddeutscher Bauträger hat dort Häuser gebaut und vor allem russlanddeutsche und türkische Käufer gefunden, die von den niedrigen Immobilienpreisen in der mit Bevölkerungsrückgang kämpfenden Stadt profitierten. Familien mit türkischen Wurzeln konnten durch den Kauf ihre bisher oft beengte Wohnsituation verbessern. Sie waren froh, in dem ihnen als Mieter bereits bekannten Viertel bleiben zu können, sodass beispielsweise die Kinder nicht die Schule wechseln müssen. Der hohe Leerstand in Grünhöfe konnte reduziert, das Image der Gegend verbessert werden.

Auch im 13 500 Einwohner zählenden Belm bei Osnabrück leben immer weniger Menschen. In der einstigen NATO-Siedlung Powe standen lange viele Wohnungen in den fünf- und achtstöckigen Häusern leer. Mit dem Einsatz von Städtebauförderungsmittel und einer speziellen Beratung für Migranten konnten vor allem Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion und türkische Familien als Käufer von Eigentumswohnungen in Powe gewonnen werden. Trotz der erhöhten Lärmbelastung durch den Verkehr gilt Powe bei ihnen als beliebter Wohnstandort – wegen der guten Verkehrsanbindung und zahlreicher Geschäfte und Treffpunkte. Gerade Haushalte mit geringem Einkommen konnten sich angesichts günstiger Kaufpreise ihren Wunsch nach einer eigenen Wohnung erfüllen. Für Aussiedler mit höherem Verdienst ist Powe vielfach eine Durchgangsstation, sie ziehen weiter in andere Stadtteile und bauen oder kaufen sich dort ihr Eigenheim. In Powe, wo der Migrantenanteil bei 70 Prozent liegt, sind die neuen Eigentümer zum stabilisierenden Element geworden. Der Leerstand wurde beseitigt, die Fluktuation bei den Einwohner sinkt. Die Armutsquote bei den übrigen 30 Prozent der Einwohner von Powe ist deutlich höher als bei den Menschen mit Migrationshintergrund.

In anderen untersuchten Städten tauchen noch weitere Kaufmotive auf. Bei Zwangsversteigerungen fühlen sich Migranten als Käufer nicht benachteiligt – im Gegensatz zur Wohnungssuche als Mieter. Auch ist der Wunsch groß, Mehrfamilienhäuser zu erwerben, in denen alle Mitglieder der Großfamilie unterkommen können. Zudem sind Immobilien mit hohem Sanierungsbedarf beliebt, da sie nicht so teuer sind und durch Eigenarbeit die Höhe des nötigen Bankkredits in Grenzen gehalten werden kann. Die Autoren der Studie sehen vor allem in Regionen mit hohen Grundstückspreisen große Probleme für Migranten und andere Gruppen mit einem unterdurchschnittlichen Einkommen, Wohneigentum zu erwerben – sie haben laut Studie nur dann eine Chance, wenn Kommunen Bauland unter dem Marktpreis verkaufen. Angesichts der Zunahme der Wohneigentumsquote bei Migranten zwischen 2001 und 2011 ziehen sie ein positives Fazit: „So ist zu beobachten, dass mit der Wohneigentumsbildung die Identifizierung der Wohneigentümer mit der Nachbarschaft und dem Quartier gefestigt wird. Gegenseitige Anerkennung und Akzeptanz zwischen den Wohneigentümern – egal welchen Migrationshintergrunds – steigen.“

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