Impfkampagne gegen Coronavirus

Niedersachsen drückt aufs Tempo - Prio 3 startet

Alle Impfberechtigten der Prioritätsgruppe 3 können sich in den nächsten Wochen für eine Corona-Schutzimpfung anmelden. Auch in sozialen Brennpunkten sollen Impfaktionen starten.
06.05.2021, 17:11
Lesedauer: 3 Min
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Von dpa
Niedersachsen drückt aufs Tempo - Prio 3 startet

In Niedersachsen kommen demnächst auch Personen der Prioritätsgruppe 3 bei der Impfung zum Zuge.

Julian Stratenschulte/dpa

Die Impfkampagne gegen das Coronavirus nimmt in Niedersachsen mit der schrittweisen Öffnung für alle Berechtigten der Prioritätsgruppe 3 weiter Fahrt auf. Bis Ende Mai können sich weitere rund 3,2 Millionen Menschen für einen Impftermin anmelden, kündigte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) am Donnerstag in Hannover an. In fünf großen Betrieben sollen ab Montag Impfungen durch die Betriebsärzte erprobt werden, außerdem können Kommunen Impfungen in sozialen Brennpunkten organisieren. Fast ein Drittel aller Niedersachsen, am Mittwoch waren es 31,4 Prozent, haben inzwischen mindestens eine Impfung erhalten, 7,5 Prozent sind schon vollständig geimpft. Mehr als 500 000 Menschen stehen derzeit auf der Warteliste.

Ab 10. Mai

Von Beginn kommender Woche an können sich zunächst Menschen über 60 Jahre sowie Impfberechtigte mit Vorerkrankungen und besonderen Gefährdungen für eine Impfung anmelden. Dazu zählen die ärztlich bescheinigte Gefahr, dass bei einer Infektion ein schwerer oder tödlicher Verlauf droht oder der Umstand, dass aufgrund der Arbeits- oder Lebensumstände ein deutlich erhöhtes Corona-Infektionsrisiko droht. Außerdem können bis zu zwei enge Kontaktpersonen von pflegebedürftigen Menschen, die nicht in einer Einrichtung leben, geimpft werden.

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Ab 17. Mai

In zwei Wochen können sich Beschäftigte in exponierten Berufen wie etwa dem Lebensmittelhandel für Impfungen vormerken lassen. Dazu kommen Beschäftigte in relevanten Positionen bei Regierungen, Verwaltungen, Polizei, Zoll, Justiz, Hilfsorganisationen und Medien.

Ab 31. Mai

Ende des Monats erfolgt der dritte und letzte Öffnungsschritt vor der vollständigen Aufhebung der Priorisierung für eine Corona-Impfung. Anmelden können sich dann Hochschulbeschäftigte, Wahlhelfer und Beschäftigte der sogenannten kritischen Infrastruktur. Dazu zählen etwa die Ernährungswirtschaft, das Apothekenwesen und die Pharmawirtschaft, Telekommunikationsunternehmen sowie der Transportbereich.

Berechtigungsnachweis

Die Beschäftigten der jeweiligen Berufsgruppen müssen sich ihre Impfberechtigung von ihrem Arbeitgeber bescheinigen lassen. Der erforderliche Vordruck kann im Internet heruntergeladen werden (http://dpaq.de/PPNLj). Mit jedem Öffnungsschritt wird das Formular aktualisiert und die dann zugelassenen Berufe werden aufgelistet. Das heißt, dass das Formular sich nicht bereits im Voraus vor dem jeweiligen Öffnungsschritt bearbeiten lässt.

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Modellprojekte mit Betriebsärzten

Vor der bundesweiten Einbindung der Betriebsärzte in die Impfkampagne ab 7. Juni sollen in fünf niedersächsischen Unternehmen vom kommenden Montag an Modellversuche starten. Dies sind Volkswagen in Wolfsburg mit einem eigenen Impfzentrum, die Salzgitter AG in Kooperation mit dem Impfzentrum Salzgitter, Rossmann und Rewe in Kooperation mit dem Impfzentrum Hannover sowie Satorius in Kooperation mit dem Impfzentrum Göttingen. Insgesamt stehen 11.700 Biontech/Pfizer-Dosen zur Verfügung, die Betriebsärzte müssen sich während der Modellversuche an die Priorisierung halten. VW will ab der dritten Maiwoche an den niedersächsischen Standorten mit rund 5000 Dosen impfen.

Soziale Brennpunkte

Mit der Öffnung der Impfberechtigung für Menschen in schwierigen Wohn- und Lebensverhältnissen können die örtlichen Impfzentren ab Montag Impfaktionen in bestimmten Quartieren mit großen sozialen Herausforderungen und einem damit einhergehenden erhöhten Infektionsgeschehen starten. Die Auswahl der Quartiere erfolgt vor Ort zusammen mit den Gesundheitsämtern.

Mehrsprachigkeit

Die Einstiegsseite des Impfportals soll jetzt mehrsprachig gestaltet werden, um Menschen besser zu orientieren, die nicht gut Deutsch können. Außerdem ist mehrsprachiges Informationsmaterial in der Mache, sagte Behrens. In zwei Monaten werde in allen Sprachen und allen Quartieren für eine Impfung geworben.

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Schülerinnen und Schüler

Niedersachsen ist bestrebt, Schülerinnen und Schüler zügig gegen das Coronavirus zu impfen. „Ich bin schon daran interessiert, die 12- bis 18-Jährigen schnell in die Impfkampagne hereinzuziehen“, sagte Ministerin Behrens. Insgesamt handele es sich um etwa 450.000 junge Menschen. Der Hersteller Biontech/Pfizer hat in den USA und Europa die Zulassung seines Impfstoffes für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren bereits beantragt.

Studierende

Für Studentinnen und Studenten ist bislang keine Sonderregelung für die Corona-Impfung geplant, lediglich die Hochschulbeschäftigten können sich bereits anmelden. Das präzisierte die Ministerin auf Nachfrage.

Astrazeneca

Eine bundesweite Freigabe des viel diskutierten Impfstoffes von Astrazeneca für Impfwillige allen Alters würde Ministerin Behrens begrüßen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wollte darüber am Donnerstag mit seinen Länderkollegen beraten. Große Vorräte von Astrazeneca lagerten allerdings nicht in Niedersachsen, sagte Behrens, im Moment seien 35.000 Dosen vorhanden. Bei der Akzeptanz des Impfstoffes gebe es keine Probleme.

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