Stillgelegte Lagerstätte wird untersucht In Steimbke soll wieder Öl sprudeln

Ab 2018 könnte in der Nachbarschaft von Nienburg in der Samtgemeinde Steimbke nach dann fast einem Vierteljahrhundert Pause erneut Erdöl gefördert werden. Dabei haben manche Anwohner gemischte Gefühle.
14.12.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
In Steimbke soll wieder Öl sprudeln
Von Martin Wein

Ab 2018 könnte in der Nachbarschaft von Nienburg in der Samtgemeinde Steimbke nach dann fast einem Vierteljahrhundert Pause erneut Erdöl gefördert werden. Dabei haben manche Anwohner gemischte Gefühle.

Die Esel sollen wieder nicken im Suderbruch bei Rodewald. Geht es nach dem Erdöl- und Erdgas-Produzenten Wintershall, so könnte ab 2018 in der Nachbarschaft von Nienburg in der Samtgemeinde Steimbke nach dann fast einem Vierteljahrhundert Pause erneut Erdöl gefördert werden. Während Vertreter der Lokalpolitik sich freuen, haben manche Anwohner gemischte Gefühle. Die Nachricht fällt schließlich zusammen mit Berichten über eine signifikant erhöhte Blutkrebsrate in der Nachbarschaft der alten Bohrlöcher.

Schon von 1949 bis 1994 hatte der damalige Konzessionsnehmer BEB gut 3,4 Millionen Barrel Erdöl aus dem Boden von Roderwald geholt, den Betrieb dann aber aus Wirtschaftlichkeitsgründen eingestellt und die Bohrlöcher verschlossen. „Wir gehen aktuell davon aus, dass wir in den nächsten 25 Jahren mit verbesserter Technik noch gut eine Million Barrel dort fördern können“, erklärt Wintershall-Pressesprecher Mark Krümpel. Seit Mitte November lässt das Unternehmen – eine vollständige Tochter des BASF-Konzerns – ein erstes Probeloch auf dem zwölf Quadratkilometer großen Förderfeld bohren. 15 Meter in der Stunde frisst sich der Bohrmeißel seither jeden Werktag in den Grund und ist inzwischen nicht mehr weit von der geplanten Solltiefe von 2400 Metern entfernt.

Drei Erdöl führende Schichten soll das Bohrgerät dabei durchdringen. Noch vor Weihnachten sollen die Arbeiten abgeschlossen werden. Dann werden die 30 Arbeiter den 300 Tonnen schweren Bohrturm zerlegen und um 15 Meter verschieben. Schließlich soll nach den Feiertagen ein zweites Loch 1500 Meter tief eingebracht und dann 400 Meter weit in einen waagerechten Querschacht abgelenkt werden. So erhofft sich Wintershall weitaus präzisere Aussagen über die zu erwartenden Erdölmengen. Ob in Roderwald tatsächlich gefördert wird, möchte das Unternehmen dann aber erst nach einem sechsmonatigen Testbetrieb zusammen mit dem Energiekonzern ExxonMobil entscheiden, der von BEB die andere Hälfte der Lizenz erworben hat. Frühestens 2018 könnte es losgehen. „Davon würde man dann kaum noch etwas sehen“, sagt Pressemann Krümpel. „Die Pferdekopfpumpen fallen fast nicht auf“.

>> Kommentar über Erdölförderung <<

In Niedersachsen fördert Wintershall seit 1987 gemeinsam mit RWE Dea Erdöl vor allem auf dem Offshore-Feld Mittelplate sieben Kilometer vor der Küste Cuxhavens. In der Umgebung sind vier neue Bohrlöcher geplant. Auf dem Festland ist man seit sieben Jahrzehnten in Emlichheim im Emsland aktiv. Hier werden gar 30 neue Bohrungen projektiert, um die Förderung noch Jahrzehnte fortzusetzen. Nun soll Rodewald hinzukommen, wo Wintershall mit 50 Prozent der Anteile die Betriebsführerschaft übernehmen würde.Das Unternehmen ist in Niedersachsen Exot.

Niedriger Ölpreis reduziert die Zahl der Interessenten

Alle anderen Interessenten haben angesichts des stark gesunkenen Ölpreises in den letzten Jahren ihre Pläne ad acta gelegt, alte Ölfelder zu reaktivieren. Auch neue Bohrungen blieben erfolglos. Ein kanadisches Unternehmen gab sogar entnervt alle Konzessionen zurück. „Wir verfolgen eine langfristige Perspektive“, sagt Krümpel. Mit moderner Bohrtechnik sei eben mehr aus dem Boden zu holen als früher – und zu geringeren Kosten. Dabei betont Krümpel ausdrücklich, dass man anders als die Kanadier in Rodewald nicht an die umstrittene Fracking-Technologie denke. Vielmehr solle mit ausgereiften traditionellen Methoden gefördert werden.

Doch auch in anderer Hinsicht droht Ungemach. Erst im Sommer war bekannt geworden, dass in den 1990er-Jahren rund um das Rodewalder Förderfeld allein fünf Anwohner im Alter unter 40 Jahren an Leukämie erkrankten. Statistisch betrachtet hätte es allenfalls einer sein sollen. Dioxinhaltige Benzoldämpfe aus der damaligen Förderung stehen als Verursacher der Erkrankung im Verdacht.

Könnte also eine neue Gesundheitsgefahr entstehen, während Wintershall die Anlagen mit idyllischen Fotos von Förderpumpen mitten in Feldern von Sonnenblumen oder in Weinbergen bewirbt? Samtgemeindebürgermeister Knut Hallmann winkt ab: „Wir machen uns wegen der neuen Bohrung keine Sorgen“, sagt er. Schließlich würden die benzolhaltigen Gase heute abgefangen und verbrannt, so Hallmann.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+