Schulen in Niedersachsen Inklusion mit Anlaufschwierigkeiten

Hannover. Eltern von behinderten Kindern kämpfen seit Jahren darum, dass ihr Nachwuchs normale Schulen besuchen darf. Die UN hat Deutschland verpflichtet, dies zu ermöglichen. In Niedersachsen müssen die Eltern aber wohl noch ein Jahr länger darauf warten.
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Hannover. Eltern von behinderten Kindern kämpfen seit Jahren darum, dass ihr Nachwuchs normale Schulen besuchen darf. Die UN hat Deutschland dazu verpflichtet, dies zu ermöglichen. In Niedersachsen müssen die Eltern aber wohl noch ein Jahr länger darauf warten als sie dachten.

Der Start des flächendeckenden gemeinsamen Schulunterrichts von behinderten und nichtbehinderten Kindern wird in Niedersachsen möglicherweise erneut verschoben. Es gebe ernsthafte Überlegungen, den Termin nicht zu überstürzen, sagte Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) am Mittwoch in Celle.

Ursprünglich sollten bereits zum Schuljahr 2012/2013 die Förderschulen für Grundschüler mit Lernschwierigkeiten abgeschafft werden. Dies könne aber Probleme bei den Anmeldungen der Erstklässler im kommenden Februar geben, sagte Althusmann bei der Herbsttagung des Verbandes der niedersächsischen Schulleiter in Celle. An den weiterführenden Schulen soll die sogenannte Inklusion ohnehin erst 2013/2014 eingeführt werden.

"Wir werden ein differenziertes Förderschulsystem behalten", kündigte der Minister an. So sollen die Sonderschulen mit Ausnahme der Förderschule für lernschwache Erst- bis Viertklässler beibehalten werden. Die Eltern behinderter Kinder müssten Wahlmöglichkeiten haben, betonte der Minister.

Einigen Eltern sei es lieber, wenn zum Beispiel ihr Kind mit Lernschwierigkeiten in einer Förderschule den Hauptschulabschluss machen könne.

Der Gesetzentwurf zur sogenannten Inklusion soll im November Thema im Landtag sein. Die Bundesländer sind nach einer UN-Konvention verpflichtet, für Chancengleichheit von Schülern mit Handicaps im Bildungssystem zu sorgen.

Nach den Worten des Ministers werden für die Einführung des gemeinsamen Unterrichts im ersten Jahr rund 185 zusätzliche Lehrerstellen benötigt. Bis zum Jahr 2019 sollen knapp 1000 Stellen geschaffen werden, die Kosten dafür belaufen sich auf mehr als 40 Millionen Euro.

Althusmann betonte, dass die Integration von beeinträchtigten Kindern besonders an vielen niedersächsischen Grundschulen schon eine Selbstverständlichkeit sei. "Im Landkreis Uelzen gibt es schon gar keine Förderschule mehr."

Der Vorsitzende des Schulleiterverbandes, Thorsten Frenzel-Früh, warf die Frage auf, warum die Inklusion dann nicht schon zum kommenden Schuljahr eingeführt werde. Die Schulen, die Kinder mit besonderem Förderbedarf bereits integriert hätten, könnten Vorbild für andere sein, sagte der Vorsitzende. Auch die FDP-Fraktion im Landtag hatte zuletzt erklärt, sie favorisiere den Start der Inklusion bereits zum kommenden Schuljahr.

Bei ihrer Jahrestagung machten die Schulleiter auch ihrem Ärger Luft, dass die lange versprochene neue Arbeitszeitverordnung abermals auf Eis liegt. Althusmann sagte dazu, der Gesetzentwurf werde nach Kritik lediglich überarbeitet, solle aber bis Anfang kommenden Jahres auf den Weg gebracht werden. Die neue Verordnung soll der Tatsache Rechnung tragen, dass Schulleiter längst ein eigener Beruf mit vielen Management-Aufgaben geworden ist.

(dpa)

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