Einfach mal raus: Im Jagdschloss Clemenswerth residierte Kurfürst Clemens August / Anlage bezaubert Besucher mit barockem Charme Italienische Lebenskunst im Emsland

Clemenswerth. "Auch ich in Arkadien!" befand Goethe einst, als er "das Land, wo die Zitronen blühn" bereiste. Ein Stück italienischer Lebenskunst findet sich unvermutet im emsländischen Sögel. "Auch wir in Arkadien" kommt es einem in den Sinn, wenn man sich vom barocken Charme der verwunschenen Anlage rund um das Jagdschloss Clemenswerth bezaubern lässt.
12.08.2011, 05:00
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Von sigrid schuer

Clemenswerth. "Auch ich in Arkadien!" befand Goethe einst, als er "das Land, wo die Zitronen blühn" bereiste. Ein Stück italienischer Lebenskunst findet sich unvermutet im emsländischen Sögel. "Auch wir in Arkadien" kommt es einem in den Sinn, wenn man sich vom barocken Charme der verwunschenen Anlage rund um das Jagdschloss Clemenswerth bezaubern lässt.

Der hektische Alltag ist wie weggewischt, lässt man den Blick über die großzügig angelegten Alleen schweifen, die bis zum Horizont reichen. Der weitläufige Schloss-Parcours lässt sich auf ausgedehnten Spaziergängen bis zur Schlossteich-Anlage und zum Marstall erkunden. Im Sonnenlicht leuchtet ein goldener Engel auf der Kapellenspitze des Kapuzinerklosters. Nicht umsonst wird die Schlosskirche in Clemenswerth wegen ihrer italienisch anmutenden, sinnlichen Pracht oft als nördlichste Rokoko-Kapelle Bayerns tituliert. An dem mit Stukkaturen verzierten Plafond des Kirchleins tummeln sich pausbäckige Putti. Hier konnte sich Clemens August in die Fürstenloge zurückziehen. Im Jahr 1741 berief der kunstsinnige Kurfürst den Kapuzinerorden nach Clemenswerth.

Die Patres sind auch heute noch seelsorgerisch im Emsland tätig. Entschleunigung war bereits Mitte des 18. Jahrhunderts ein Thema, als sich Clemens August die oktagonal konzipierte Anlage in den Jahren von 1737 bis 1747 von seinem Münsteraner Architekten Johann Conrad Schlaun erbauen ließ. Clemens August, der als ein Sohn des sogenannten "Blauen Kurfürsten" Max II. Emanuel von Bayern in Rom Theologie studiert und gleich als fünffacher Bischof eine glänzende Karriere gemacht hatte, wurde 1732 zum Hochmeister des Deutschen Ordens gekürt.

Gern zog er sich auch in die Gloriette, das Gartenhäuschen am Ende des arkadischen Klostergartens zurück, dort befindet sich auch das mehrstöckige Klostergebäude. In der Eremitage, vor der eine Sonnenuhr mit einer Christusfigur steht, die schwer an der Last des Kreuzes zu tragen hat, suchte der "Sonnenfürst" Ruhe und Entspannung von den Verpflichtungen seiner verantwortungsvollen Position.

Herzstück der achteckigen Anlage ist das architektonische Kleinod des Jagdschlosses. In dem mit verschiedenfarbigen Marmor-Intarsien, flämischen Tapisserien, französischen Seidentapeten, Barockstühlchen, Kupferstichen und Gemälden der Wittelsbacher reich dekorierten Rundsaal fühlt man sich mitten in das höfische Leben des 18. Jahrhunderts hineinversetzt. Am 15. September gastiert das Musikfest Bremen erneut im Jagdschloss. Das Capriccio Stravagante Trio spielt ein "Concert Royal". Die acht Pavillons, die das barocke Juwel wie eine kostbare Fassung einrahmen, sind nach den Bistümern des Kurfürsten benannt: Osnabrück, Hildesheim, Paderborn, Münster, Köln und des Deutsch-ordensitzes Mergentheim.

Im Pavillon Hildesheim sind Jagdkostüme des 18. Jahrhunderts, Jagdgewehre und Kupferstiche ausgestellt. Im Pavillon Paderborn ist eine reiche Sammlung von Straßburger Fayencen zu bewundern. Vor dem Schlosskeller kann man unter Sonnenschirmen die sommerliche Ruhe bei historischen Speisen, wie dem "Clemens-August-Brot" zum feinen "Süppchen mit Kapuzinerkresse", die vom neuen Maitre de la cuisine, Bernhard Kurlemann, kredenzt werden, in vollen Zügen genießen. Die romantische Schloss-Anlage ist ein perfekter Ort, um den Bund fürs Leben zu besiegeln. Für Erwachsene und Kinder werden ferner Entdecker-und Schatzsucher-Touren rund um Schloss Clemenswerth angeboten. Am 27. August steigt ab 17 Uhr ein "kleines Sommerfest im großen Park" mit internationalen Kleinkünstlern, die auf 20 Bühnen auftreten. Am Ende soll ein barockes

Brilant-Feuerwerk in den nächtlichen Himmel aufsteigen.

Morgen lesen Sie: Ein Ausflug in die Südheide zum Mühlenmuseum in Gifhorn.

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