Minister: Verbreitung über Internet Jugendliche und Antisemitismus

Hannover. Vor der Verbreitung von Judenhass unter jungen Leuten über das Internet hat Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) gewarnt. Rechtsextremisten bedienten sich verstärkt moderner Medien, um ihr Gedankengut in die Köpfe von jungen Menschen zu bringen, sagte Pistorius am Mittwoch in Hannover bei einer Tagung des Verfassungsschutzes zu neuen Tendenzen im Antisemitismus.
10.07.2014, 00:00
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Vor der Verbreitung von Judenhass unter jungen Leuten über das Internet hat Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) gewarnt. Rechtsextremisten bedienten sich verstärkt moderner Medien, um ihr Gedankengut in die Köpfe von jungen Menschen zu bringen, sagte Pistorius am Mittwoch in Hannover bei einer Tagung des Verfassungsschutzes zu neuen Tendenzen im Antisemitismus.

Nicht immer seien judenverachtende Einstellungen von Rechtsextremisten gleich als solche zu erkennen, etwa wenn sie verklausuliert in Musik steckten, sagte der Minister. Von den Experten wird beobachtet, dass die plumpe Leugnung des Holocausts durch Neonazis einem Relativieren und Aufrechnen deutscher Schuld mit Kriegszerstörungen in Deutschland weicht. Dies sei etwa in den antijüdischen Positionen der NPD zu beobachten, so der Rechtsextremismusexperte des niedersächsischen Verfassungsschutzes, Wolfgang Freter.

Eine zunehmende Judenfeindlichkeit schwappe auch aus arabischen Ländern über dortige TV-Sender nach Niedersachsen und beeinflusse Jugendliche mit Wurzeln im Nahen Osten, sagte Pistorius. Deswegen dürfe Muslimen aber nicht pauschal Judenfeindlichkeit unterstellt werden. Wie die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor erklärte, ist der Nahostkonflikt einer der Hauptgründe für muslimische Feindseligkeiten gegenüber Juden in Deutschland. Diese nutzten Islamfeinde und rechtskonservative Kreise dann für ihre Interessen. Muslimische Jugendliche sähen sich häufig wegen Gewalt, die ihren Familien in der Heimat angetan wurde, selbst als Opfer und hätten dadurch einen anderen Umgang mit Juden und Judentum, sagte Kaddor. „Immer noch sind judenfeindliche Einstellungen in erschreckendem Umfang vorhanden“, sagte Verfassungsschutzpräsidentin Maren Brandenburger. Das antisemitische Potenzial, so erklärte der Politologe Armin Pfahl-Traughber, liege nach Umfragen bei etwa 20 Prozent der Bevölkerung, die antijüdische Aversionen meist aber nur im privaten Umfeld äußerten.

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