Gericht weist Klage des Vaters der getöteten 17-Jährigen auf Schmerzensgeld ab Juristischer Umweg ohne Erfolg

Lüneburg. Der Mord an der 17-jährigen Frederike von Möhlmann bleibt 34 Jahre nach der Tat weiter ungesühnt. Das Landgericht Lüneburg hat die Zivilklage ihres Vaters am Mittwoch abgewiesen.
10.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Wiebke Ramm

Der Mord an der 17-jährigen Frederike von Möhlmann bleibt 34 Jahre nach der Tat weiter ungesühnt. Das Landgericht Lüneburg hat die Zivilklage ihres Vaters am Mittwoch abgewiesen. Ein etwaiger Anspruch auf Schmerzensgeld sei verjährt, verkündete Christa Dopatka, die Vorsitzende Richterin der 2. Zivilkammer. Die vorgesehene Höchstfrist von 30 Jahren sei verstrichen.

Frederikes Vater ist davon überzeugt, dass Ismet H. am 4. November 1981 seine Tochter in einem Waldstück bei Hambühren (Landkreis Celle) vergewaltigt und ermordet hat. Neue DNA-Spuren belasten den mutmaßlichen Täter. Doch der inzwischen 56-jährige H. ist vom Vorwurf des Mordes längst rechtskräftig freigesprochen. Eine Wiederaufnahme des Strafverfahrens ist nur möglich, wenn Ismet H. die Tat gesteht.

Der 72-jährige Vater des Opfers hatte auf den juristischen Umweg über das Zivilgericht

gehofft und Ismet H. wegen des erlittenen Leids auf eine Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 7000 Euro verklagt.

Frederikes Vater und sein Anwalt hatten gehofft, dass Ismet H. vor der Zivilkammer gegen den Vorwurf des Mordes ankämpft. Dann hätten sie ihm seine Täterschaft und damit den Schadensersatzanspruch beweisen wollen. Stattdessen berief sich H. über seinen Anwalt Matthias Waldraff darauf, dass ein Anspruch auf Schmerzensgeld längst verjährt ist. Die 2. Zivilkammer des Landgerichts Lüneburg hat ihm nun recht gegeben.

„Es ist eine richtige Entscheidung“, sagt H.s Anwalt Waldraff nach dem Urteil. „Sie entspricht der aktuellen und eindeutigen Rechtslage.“ Zu der Reaktion seines Mandanten auf das Urteil sagt er nur: „Die Entscheidung hat exakt der Erwartung entsprochen.“

Fredrikes Vater kann innerhalb eines Monats nach Zustellung der Entscheidungvor dem Oberlandesgericht (OLG) Celle Berufung gegen das Urteil einlegen. Von einem anderen Ausgang dort geht der Anwalt des beklagten Ismet H. allerdings nicht aus. Waldraff sagt, er rechne damit, dass das OLG die Berufung ohne mündliche Verhandlung zurückweisen wird.

Frederikes Vater hat bereits im August angekündigt, den Rechtsweg ausschöpfen zu wollen. Das heißt, dass er sich nach einer für ihn womöglich negativen Entscheidung des OLG an den Bundesgerichtshof und schließlich mit einer Verfassungsbeschwerde an das Bundesverfassungsgericht wenden will. Für eine aktuelle Stellungnahme war sein Anwalt Wolfram Schädler nicht zu erreichen.

Dass die Frist für Schmerzensgeldansprüche am 4. November 2011, also 30 Jahre nach dem Mord, verstrichen ist, hält Schädler für ungerecht. Das hat er bereits im August deutlich gemacht. Mord verjährt nicht, daraus resultierende zivilrechtliche Ansprüche aber verjähren nach drei Jahrzehnten. Anwalt Schädler fragt: Wie soll man einen Mörder auf Schmerzensgeld verklagen, wenn man erst nach 30 Jahren weiß, wer es ist?

„Er ist ein großer Kämpfer für künftige Fälle“, sagt Waldraff, der Anwalt von Ismet H. über Frederikes Vater. Denn selbst eine Gesetzesänderung würde nichts an dem Freispruch seines Mandanten ändern, da auch ein neues Gesetz keine rückwirkende Kraft besitze. „Mein Mandant darf nicht geächtet und auch nicht als Mörder bezeichnet werden“, betont Waldraff.

Am Abend des 4. Novembers 1981 wollte Frederike nach einer Chorprobe in Celle als Anhalterin nach Hause fahren, ins wenige Kilometer entfernte Örtchen Oldau. Sie stieg vermutlich ins Auto ihres Mörders. Die 17-Jährige wurde erst vergewaltigt, dann getötet. Vier Tage später wurde Frederikes Leiche gefunden. Reifenspuren am Tatort führten die Polizei zu Ismet H. An Frederikes Kleidung fanden sich auch Faserspuren aus seinem Auto.

1982 wurde Ismet H. vom Landgericht Lüneburg zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und verwies den Fall an das Landgericht Stade. Die Richter dort hatten Zweifel an seiner Schuld. Ein Gutachter stellte keine Übereinstimmung der Reifenspuren am Tatort mit dem Reifen am Auto von H. fest. 1983 wurde Ismet H. rechtskräftig freigesprochen. 2012 suchten Ermittler nach DNA-Spuren an Frederikes asservierten Kleidungsstücken. 31 Jahre nach der Tat wurden sie fündig. Sie entdeckten DNA-Spuren von Ismet H. an Frederikes Damenbinde

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