Hannover

Kampfhund soll Mutter und Sohn totgebissen haben

Ein Hund - ein Staffordshire-Terrier-Mischling namens Chico - soll in Hannover eine Frau und ihren Sohn getötet haben. Die Obduktionsergebnisse stehen jedoch noch aus.
04.04.2018, 09:00
Lesedauer: 4 Min
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Kampfhund soll Mutter und Sohn totgebissen haben

Das Haus im Stadtteil Groß-Buchholz in Hannover

dpa

Es ist ein Schreckensszenario für Hundebesitzer: Ein Staffordshire Terrier hat in Hannover wahrscheinlich seine beiden Besitzer totgebissen. Die Tochter der getöteten Frau hatte die Tragödie beim Blick durch ein Fenster entdeckt. "Nach ersten Untersuchungen durch einen Rechtsmediziner wurden die 52-Jährige und ihr 27-jähriger Sohn offenbar von dem Hund getötet", schrieb die Polizei in Hannover am Mittwoch in einer Mitteilung. Die Hintergründe der Tragödie sind noch unklar. Ein ähnlicher Fall mit zwei Toten durch eine Hundeattacke ist in den vergangenen Jahren nicht bekannt geworden.

Die endgültigen Obduktionsergebnisse werden erst am Freitag erwartet. Bis dahin werden auch keine weiteren Zeugen befragt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Grund seien längere Wartezeiten in der Medizinischen Hochschule Hannover. Abschließend soll dann geklärt werden, ob der Hund für den Tod der beiden Besitzer verantwortlich ist.

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Feuerwehrleute fingen das Tier in der Nacht zu Mittwoch mit einer Schlinge ein, der Hund wurde in ein Tierheim gebracht. Die Stadt Hannover ist dafür zuständig, nun zu entscheiden, ob der Hund eingeschläfert wird. Bisher gebe es keine Entscheidung, sagte ein Stadtsprecher: "Die Ermittlungen laufen ja noch."

Nach Angaben des Tierheims handelt es sich um einen Staffordshire-Terrier-Mischling. Er hört auf den Namen Chico. Sowohl Staffordshire Bullterrier als auch American Staffordshire Terrier werden von zahlreichen Behörden als Kampfhunde eingestuft, bundesweit einheitliche Regelungen gibt es dazu aber nicht.

Die tote Mutter war Rollstuhlfahrerin

Die 25 Jahre alte Tochter der getöteten Frau hatte die Beamten alarmiert, weil sie ihre Mutter und ihren Bruder nicht erreichen konnte. Beim Blick durch ein Fenster entdeckte sie dann einen leblosen Körper in der Wohnung der beiden. "Aktuell steht noch nicht fest, wie es zu dem Unglück kommen konnte", hieß es von den Ermittlern.

Die Mutter saß nach Angaben von Anwohnern im Rollstuhl. Die Staatsanwaltschaft ordnete eine Obduktion an. "Zurzeit sieht es so aus, als sei diese Tragödie durch Hundebisse zustande gekommen", sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Details wie zum Beispiel die Anzahl der Bisse wollte ein Polizeisprecher zunächst nicht nennen.

Der 27-jährige Sohn war offenbar schwer krank. Er soll den Terrier Chico in einem Metallzwinger in seinem Zimmer gehalten und tagsüber nicht ausgeführt haben.

Der letzte tödliche Angriff von Kampfhunden ist länger her

Dass Hunde Menschen totbeißen, kommt nach Experteneinschätzung sehr selten vor. In den meisten Fällen zeigten Hunde aggressives Verhalten, wenn sie mit sehr viel Druck und Gewalt erzogen worden seien, sagte Dunia Thiesen-Moussa, die an der Tierärztlichen Hochschule Hannover für Wesenstests bei Hunden zuständig ist. Diese Tests werden von den Veterinärämtern angeordnet, wenn ein Hund einen Menschen verletzt hat und deshalb Anzeige erstattet wurde.

Jährlich sterben in Deutschland im Schnitt drei bis vier Menschen an Hundebissen oder nach Hundestößen. Das Statistische Bundesamt zählt zwischen 1998 und 2015 insgesamt 64 Todesopfer.

Im Jahr 2000 hatte der tödliche Angriff zweier Kampfhunde auf den sechs Jahre alten Hamburger Jungen Volkan den Anstoß für eine breite Debatte über den Umgang mit gefährlichen Hunden gegeben. Viele Bundesländer verschärften seitdem ihre Regeln.

Die Regeln für Kampfhunde sind sehr streng

Kampfhund

Staffordshire Terrier

Foto: dpa

In Niedersachsen ist die potenzielle Gefährlichkeit eines Hundes seit 2003 nicht mehr an die Rasse gekoppelt. Hundehalter müssen einen Hundeführerschein machen, wenn sie sich ein Tier neu anschaffen. Der sogenannte Sachkunde-Nachweis besteht aus einer theoretischen Prüfung vor Beginn der Hundehaltung und einem Praxistest im ersten Haltungsjahr. Ziel des Führerscheins ist es auch, die Zahl der Attacken von Hunden zu reduzieren.

In Niedersachsen sind dem Agrarministerium zufolge von knapp 350.000 Hunden im Melderegister etwa 460 Tiere als gefährlich gekennzeichnet. In Hannover wurden dem Stadtsprecher zufolge seit 2013 insgesamt 32 Hunde als gefährlich eingestuft. Acht Halter durften ihre Tiere nach einem erfolgreichen Wesenstest unter Auflagen behalten, in weiteren Fällen läuft das Verfahren noch. Vier Hunde mussten getötet werden. Neun Hunde wurden im Tierheim abgegeben oder nach einer Sicherstellung dorthin gebracht.

Für die Haltung solcher Tiere werden bestimmte Auflagen gemacht, etwa permanenter Leinenzwang, das Tragen eines Maulkorbes oder die Vorschrift, dass die Tiere nur in umgrenzten Arealen gehalten werden dürfen.

Expertin: Tödliche Hundeangriffe selten

Tödliche Hundeangriffe sind aus Sicht einer Forscherin der Tierärztlichen Hochschule Hannover sehr selten. "Man kann das an einer Hand abzählen", sagte Veterinärin Dunia Thiesen-Moussa, die auf Verhaltenstherapie spezialisiert ist. Zu dem konkreten Fall in Hannover, bei dem ein Staffordshire-Terrier zwei Menschen getötet haben soll, konnte die Expertin nichts sagen. In der Regel zeigten sich Hunde aggressiv, wenn sie mit viel Druck und Gewalt erzogen worden seien, sagte die Wissenschaftlerin.

An der Tierärztlichen Hochschule in Hannover werden nach Angaben der Ärztin pro Jahr etwa 60 bis 80 Hunde, die Menschen mehr als geringfügig verletzt haben, bei sogenannten Wesenstests begutachtet. Thiesen-Moussa macht das seit Oktober 2013. "Seitdem hatten wir keinen vergleichbaren Fall", sagte die Tierärztin mit Blick auf die Attacke in der Nacht zum Mittwoch. Es habe auch kein Hund eingeschläfert werden müssen. Für als gefährlich eingestufte Hunde müssen die Halter in Niedersachsen eine Erlaubnis beantragen.

(dpa)

++ Dieser Artikel wurde am 5. April um 9.24 Uhr aktualisiert. ++

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