Schulen in Niedersachsen Kleinere Klassen für drei Jahrgänge

Hannover. Die Klassen an Grundschulen und Gymnasien in Niedersachsen werden kleiner. Ab dem nächsten Schuljahr dürfen im zehnten Jahrgang nur noch höchstens 26 Gymnasiasten in einer Klasse sitzen; bisher lag die zulässige Obergrenze bei 32.
30.05.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Peter Mlodoch

Hannover. Überall im Land gab es Unterschriftensammlungen; vom Philologenverband hagelte es geharnischte Kritik: Die Schulklassen in Niedersachsen seien viel zu voll, guter Unterricht daher nicht möglich. Jetzt kommt zumindest für die zehnte Jahrgangsstufe der Gymnasien sowie in den ersten und dritten Klassen der Grundschulen Entlastung. Dort dürfen künftig nur noch höchstens 26 Schüler sitzen. Bisher lag die Grenze bei 28, auf den Gymnasien sogar bei 32 Schülern.

"Damit kommen wir den berechtigten Wünschen vieler Schüler, Eltern und Lehrer nach", sagte Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) gestern in Hannover. "Kleinere Klassen bedeuten besseren Unterricht." Er danke den Elternvertretern und den Philologen für ihre wichtigen Anregungen. Kurz zuvor hatte die CDU/FDP-Landesregierung beschlossen, per Erlass die neuen Klassenhöchstgrößen ab dem Schuljahr 2012/13 festzulegen. "Ab 2013/14 sollen alle Grundschuljahrgänge von diesem Schritt profitieren", kündigte Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) an.

Durch die neuen Grenzen müssen viele der betroffenen Schulen neue Klassen einrichten. Dafür wiederum sind trotz sinkender Schülerzahlen zunächst auch zusätzliche Lehrkräfte erforderlich: 260 für die Absenkung an den zehnten Klassen der Gymnasien, was einem Gegenwert von rund zwölf Millionen Euro jährlich entspricht. Dazu kommen noch 100 Lehrerstellen an Grundschulen, diese kosten rund 4,5 Millionen Euro. Zusätzliche Neueinstellungen sind jedoch nicht erforderlich, den Mehrbedarf deckt Ressortchef Althusmann durch "Handlungsspielräume" bei den Arbeitszeitkonten. 30000 Lehrer hätten zum neuen Schuljahr mit dem Abbau ihrer früher angesammelten Überstunden beginnen können; 10000 dieser Pädagogen haben laut Kultusministerium aber eine Verschiebung beantragt. Statt eines erwarteten Ausgleichsbedarfs von 1600 Vollzeitstellen seien es dadurch jetzt nur noch gut 1000 Stellen. Der so entstandene Puffer fließe nun in die kleineren Klassen, freute sich Althusmann.

Die Rückzahlung der Arbeitszeitkonten in den folgenden Schuljahren sei wegen der weiter sinkenden Schülerzahlen gewährleistet, versicherte der Minister. Derzeit besuchen rund 900000 Kinder und Jugendliche die allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen. Nach einer Prognose des Kultusressorts schrumpft diese Zahl bis 2020 auf 740000 Schüler.

Die Obergrenzen in den anderen Klassen bleiben vorerst bestehen: Sie betragen in Hauptschulen 26, in Realschulen 28, in den Jahrgängen fünf und sechs an den Gymnasien 30 und in den Jahrgängen sieben bis neun sogar 32 Schüler. Vielerorts werden diese Zahlen allerdings nicht ausgeschöpft. So besuchen derzeit 26463 Schüler die 985 zehnten Klassen der Gymnasien, das entspricht einem Durchschnitt von 26,87 Schülern. "Die Hälfte dieser Klassen liegt aber deutlich darüber", erklärte Althusmann. In Hauptschulen betrage der Schnitt nur noch 18, an etlichen Standorten befänden sich nur noch fünf bis zehn Schüler in einer Klasse.

Als "völlig unzureichend" bezeichnete Ina Korter, die schulpolitische Sprecherin der Landtagsgrünen, die neuen Grenzen. "Das ist alles andere als ein großer Wurf." Wenn die Inklusion, die Integration behinderter Schüler, gelingen solle, sei eine Verkleinerung der Klassen in allen Schulformen nötig. Als "überfällig" bezeichnete SPD-Schulexpertin Frauke Heiligenstadt den Schritt. Damit korrigiere die schwarz-gelbe Landesregierung den Fehler, den sie 2004 mit der Heraufsetzung der Grenzen selbst begangen habe.

Die Koalition wies die Kritik zurück. "Wir realisieren das, was auch machbar ist", sagte Althusmann. Den Vorwurf, man sei zu spät dran, könne man nahezu bei jeder politischen Entscheidung erheben, meinte McAllister. Die Unterrichtsversorgung sei mit 102 Prozent gesichert, die Schülerzahlen gingen zurück, erklärte FDP-Schulexperte Björn Försterling. "Das ist genau der richtige Zeitpunkt, Schüler, Eltern und Lehrer zu entlasten."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+