Karitative Organisationen klagen Konkurrenzkampf um Altkleider

Kommunale und illegale Altkleidersammlungen machen wohltätigen Organisationen Konkurrenz. Diese haben mit stagnierenden Kleidermengen zu kämpfen.
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Von David Fischer

Kommunale und illegale Altkleidersammlungen machen wohltätigen Organisationen Konkurrenz. Diese haben mit stagnierenden Kleidermengen zu kämpfen.

Wohltätige Organisationen und gemeinnützige Sammler haben zunehmend mit stagnierenden oder sinkenden Mengen an Altkleidung zu kämpfen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage in Niedersachsen und Bremen. Dagegen steigt die Bereitschaft, getragene Kleidung für aktuelle Notlagen an ehrenamtliche Helfer zu geben.

Eine „rückläufige Tendenz“ in diesem Jahr befürchtet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Niedersachsen, wie Pressereferentin Kerstin Hiller mitteilt. In den vergangenen Jahren seien landesweit rund 8000 Tonnen Altkleider eingegangen. Durch den Verkauf des Inhalts von Kleidungscontainer erhält das DRK Niedersachsen etwa 1,5 Millionen Euro von Verwertungsfirmen, 12 Millionen Euro sind es in ganz Deutschland.

Der andere, gut erhaltene Teil der Spenden wandert in die insgesamt 150 Kleiderkammern und Kleiderläden, wodurch allein in Niedersachsen rund 70.000 benachteiligte Menschen ausgestattet werden könnten. Im gesamten Bundesgebiet sammelt das DRK rund 100.000 Tonnen getragener Kleidungsstücke für 1,2 Millionen Bedürftige ein.

Beim Bremer DRK sind im vergangenen Jahr rund 74 Tonnen Textilien im Wert von 38.000 Euro eingegangen. „Mit der gleichen Menge rechnen wir auch in diesem Jahr“, sagt die Leiterin der Ehrenamtlichen Sozialarbeit, Karin Markus. Wie jedes Jahr fließen die Erlöse in die ehrenamtliche Sozialarbeit. „Wir haben keinen Annahmestopp, müssen aber jeden Tag große Mengen bewältigen“, sagt Markus, die im Team mit 16 ehrenamtlichen Helfer zusammenarbeitet.

Auf dem lukrativen Altkleidermarkt streiten sich viele Bewerber: Die Konkurrenz kommunaler Altkleidersammlungen und illegal aufgestellter Container machen auch den Wohlfahrtsverbänden in Norddeutschland zu schaffen. Durch das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz von 2012 sammeln seither immer mehr Kommunen selbst alte Textilien oder schreiben die Verwertung des Materials an den Meistbietenden aus. Nach Sicht des Dachverbands Fairwertung, ein Zusammenschluss gemeinnütziger Organisationen, schränkt dies den Markt für karitative Sammler ein.

Die Deutsche Kleiderstiftung indes hat mehr getragene Kleidung als zuvor gesammelt. Die bundesweite Sammelmenge stieg im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent von 3230 auf rund 3550 Tonnen, sagte Ulrich Müller, der Vorstand der gemeinnützigen Organisation mit Sitz in Helmstedt. Einzelne Zahlen für die Bundesländer werden nicht erhoben.

Momentan liefert die Stiftung in Kooperation mit dem Diakonischen Werk wöchentlich Winterjacken und Schuhe an die Landesaufnahmeeinrichtung in Friedland. Für Hunderte von Flüchtlingen werden rund 1200 Winterjacken benötigt, aber auch Bettwäsche und Handtücher. Allein im November seien fast tausend Spendenpakete eingegangen, hieß es. Auch der Paritätische Verband Niedersachsen hatte mit einer gezielten Spendenaktion Erfolg. Nach einem Aufruf, Winterkleidung an geflüchtete Jesiden im Sindschar-Gebirge zu verschenken, seien Dutzende Kartons in einen Kleinlaster verladen worden, sagte eine Sprecherin.

Die Deutschen sortieren jährlich rund 750.000 Tonnen Textilien aus ihren Kleiderschränken aus. Ein Großteil geht auf den Secondhandmarkt vorwiegend nach Osteuropa und Afrika. Der Umsatz der Branche liegt laut Fairwertung bei rund 300 Millionen Euro.

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