Hunderte Einsprüche gegen Pläne von Wiesenhof / Behörde sagt Erörterungstermin ab Kritik an Schlachthof-Neubau

Der Geflügelkonzern Wiesenhof will seinen Schlachthof Wietzen im Landkreis Nienburg erneuern und die Schlachtkapazität von täglich 140000 Masthähnchen auf bis zu 250000 Tiere steigern. Gegner des neuen Zerlegebetriebes haben beim Gewerbeaufsichtsamt Hannover mehrere Hundert Einwendungen eingereicht. Ein für den 11. September geplanter Erörterungstermin muss nach Angaben der Behörde verschoben werden.
08.08.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Kritik an Schlachthof-Neubau
Von Hans Ettemeyer

Der Geflügelkonzern Wiesenhof will seinen Schlachthof Wietzen im Landkreis Nienburg erneuern und die Schlachtkapazität von täglich 140000 Masthähnchen auf bis zu 250000 Tiere steigern. Gegner des neuen Zerlegebetriebes haben beim Gewerbeaufsichtsamt Hannover mehrere Hundert Einwendungen eingereicht. Ein für den 11. September geplanter Erörterungstermin muss nach Angaben der Behörde verschoben werden.

Wietzen. Beim Gewerbeaufsichtsamt Hannover sind mehrere Hundert Einsprüche gegen die geplante Erweiterung des Wiesenhof-Schlachtbetriebes in Wietzen (Kreis Nienburg) eingegangen. Wegen der großen Zahl der schriftlichen Einwendungen sei ein für den 11. September geplanter Erörterungstermin nicht mehr zu halten, teilt der stellvertretende Behördenleiter Uwe Licht-Klagge mit. Eine Grundstückseigentümerin hat zudem beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg Klage gegen das Bauvorhaben eingereicht.

Seit rund 40 Jahren schlachtet und zerlegt Wiesenhof im Wietzener Ortsteil Holte Masthähnchen. Nun will das Unternehmen den alten Betrieb schließen und gleich gegenüber eine neue Zerlegeanlage bauen. Büros und Lager sollen auf dem alten Betriebsgelände bleiben. Der Samtgemeinderat Marklohe und der Gemeinderat Wietzen haben die Pläne abgesegnet. Bei der Beratung spielte offenbar auch eine Rolle, dass die Zahl der Mitarbeiter von derzeit 270 auf etwa 500 bis 600 erhöht werden soll. Gegenüber unserer Zeitung wollte ein Wiesenhof-Sprecher die Aufstockung der Mitarbeiterzahl jedoch nicht bestätigen.

Wiesenhof will die Kapazität der Schlachtanlage von derzeit täglich 140000 Hähnchen auf bis zu 250000 Tiere steigern. Kritiker wie Ulrike Kassube vom Grünen-Ortsverband Wietzen befürchten, dass nach der Erweiterung der Schlachtkapazität neue Mastställe im Landkreis Nienburg angesiedelt werden. Wiesenhof hält dagegen, eine Erweiterung der Schlachtmenge sei "zurzeit nicht geplant". Deshalb würden auch keine neuen Ställe benötigt. Durch die erhöhte Schlachtkapazität könnten saisonelle Schwankungen besser abgefedert werden, teilt das Unternehmen mit.

Das Gewerbeaufsichtsamt in Hannover muss den Bau noch genehmigen. Die genaue Zahl der bislang eingegangenen Einwendungen könne er nicht nennen, sagt Uwe Licht-Klagge. Es seien aber wohl mehr als zweihundert. Um sie alle zu sichten und zu bearbeiten, reiche die Zeit bis zum geplanten Erörterungstermin am 11. September nicht aus. Zudem müsse ein größerer Veranstaltungsort gesucht werden. Ein neuer Termin stehe noch nicht fest.

Frist läuft heute ab

Nach Angaben von Michael Hettwer, dem Sprecher des Landesnetzwerkes "Bauernhöfe statt Agrarfabriken", haben sich mehr als 700 Gegner schriflich an das Gewerbeaufsichtsamt gewendet. Die Einspruchsfrist läuft morgen ab. Die Kritiker haben Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Planverfahrens. "Das fängt bei der Frage an: Ist das eine Betriebserweiterung oder ein Neubau?", sagt Hettwer. Für ihn ist es ein Neubau, für den eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist. Kritisch sieht er auch den Wasserverbrauch für den neuen Schlachthof. Derzeit verbraucht Wiesenhof 150000 Kubikmeter Grundwasser pro Jahr. Das Unternehmen hat bereits die weitere Entnahme von 145000 Kubikmeter beantragt. Darüber hinaus wird für die neue Schlachtanlage ein zusätzlicher Brunnen mit einer Kapazität von bis zu 250000 Kubikmeter benötigt. "Das sind zusammen mehr als 500000 Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr", sagt Hettwer, "welche Auswirkungen das auf die Natur hat, ist bislang nicht ausreichend geprüft worden." Schon jetzt liege eine Grundwasserabsenkung von sechs Metern im Jahr 1972 auf 11,5 Meter im Jahr 1985 vor. Probleme sieht Hettwer auch bei der Entsorgung des Abwassers: "Die bestehende Kläranlage in Lemke kann die Mengen gar nicht aufnehmen."

Von der Baumaßnahme unmittelbar betroffen sind Klaus-Peter und Kunigunda Kehl. Bis vor einigen Jahren wohnten sie gegenüber vom Schlachthof. "Bis wir den Lärm der Lastwagen tags und nachts nicht mehr ertragen konnten und Probleme mit den Atemwegen bekommen haben", sagt Klaus-Peter Kehl, "da sind wir nach Nienburg gezogen." Doch irgendwann wolle man wieder zurück nach Wietzen, um dort den Lebensabend zu verbringen. Die Kehls haben dem Gewerbeaufsichtsamt ihre Bedenken gegen die Genehmigung des neuen Schlachthofes mitgeteilt und gleichzeitig als direkt betroffene Anlieger vor dem Oberverwaltungsgericht in Lüneburg Klage gegen den Bebauungsplan für das Wiesenhof-Vorhaben eingereicht.

Die Gegner hoffen nun, dass das Gewerbeaufsichtsamt Hannover das Genehmigungsverfahren bis zu einer Entscheidung aus Lüneburg aussetzt.

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