Temperatur der Weser knapp unter 28 Grad - AKW Grohnde kurz vor der Abschaltung Kühlwasser zu warm

Hannover. Die veränderten klimatischen Bedingungen mit längeren Tockenphasen und Hitzeperioden könnte für die Atomkraftwerke in Deutschland zunehmend zu einem echten Problem werden. „Anfang Juli stand das Atomkraftwerk Grohnde im Landkreis Hameln-Pyrmont deshalb kurz vor einer Abschaltung“, sagte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) in Hannover.
06.08.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Marco Hadem

Die veränderten klimatischen Bedingungen mit längeren Tockenphasen und Hitzeperioden könnte für die Atomkraftwerke in Deutschland zunehmend zu einem echten Problem werden. „Anfang Juli stand das Atomkraftwerk Grohnde im Landkreis Hameln-Pyrmont deshalb kurz vor einer Abschaltung“, sagte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) in Hannover.

Das Kernkraftwerk des Betreibers Eon ist seit 1984 in Betrieb. Es bezieht aus der Weser sein Kühlwasser. Anfang Juli hätten Messungen ergeben, dass die Temperatur in dem Fluss nur noch 1,8 Grad Celsius unter dem Grenzwert von 28 Grad Celsius gelegen habe. „Das war schon eine kritische Situation, die fast zu einer Abschaltung oder zumindest zu einer Drosselung der Kraftwerksleistung geführt hätte“, sagte Wenzel. Hintergrund für die Festlegung des Grenzwertes bei der Wassertemperatur in der Weser ist die Flora und Fauna. „Bei mehr als 28 Grad Wassertemperatur sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser derart, dass Tiere und Pflanzen dauerhaft geschädigt werden“, so Wenzel. Die klimatischen Veränderungen lassen nach Ansicht des Ministers erwarten, dass derartige Situationen künftig häufiger auftreten. „Wir haben im Langzeitvergleich bereits den sechsten zu trockene Frühling in den vergangenen sieben Jahren“, sagte er.

Betreiber verweist auf Kühltürme

Der Betreiber Eon äußert sich zurückhaltender: „Wir können nicht bestätigen, dass unsere Kernkraftwerke zunehmend durch extreme Wetterlagen in betrieblicher oder gar sicherheitstechnischer Hinsicht beeinträchtigt wären“, so ein Sprecher. In „gewissen sehr warmen Wetterlagen“ könne es gelegentlich zu Leistungseinschränkungen kommen, um die Temperaturgrenzwerte einzuhalten. Ähnlich äußerten sich auch die AKW-Betreiber RWE und EnBW. Derzeit sei das Wetter – anders als 2003 oder 2006 – nicht problematisch, sagte ein RWE-Sprecher. Die Flüsse hätten die Möglichkeit, sich abzukühlen. Anders als bei der Weser führten die Donau oder der Rhein auch meist ganzjährig einen hohen Wasserstand. Zudem verfügten die Kraftwerke über Kühltürme, so dass nicht die volle Wärme in den Rhein geleitet werden müsse, hieß es von einem EnBW-Sprecher.

Wie Wenzel sieht auch das Umweltministerium in Stuttgart die Lage kritischer. Auch am Neckar könne die Situation für das dortige Kraftwerk Neckarwestheim „schneller schwieriger werden“, sagte ein Ministeriumssprecher. In der Hitzeperiode Anfang Juli seien die Wassertemperaturen auch dort kurzfristig in einen Bereich gegangen, bei dem man sich Gedanken gemacht habe.

Der spürbare Klimawandel hat damit nach Ansicht von Niedersachsens Ministers Wenzel bereits heute unmittelbare Konsequenzen für die Kraftwerke in Deutschland. Wenn es mehr Wetterlagen gebe, bei denen trockene Phasen mit sinkenden Fluss-Wasserständen und heiße Temperaturen zusammen kämen, könne es dazu kommen, dass Kraftwerke abgeschaltet werden müssten. In anderen Ländern, beispielsweise Frankreich, habe es dieses Problem in der Vergangenheit bereits häufiger gegeben.

„Ein großflächiges beziehungsweise zeitgleiches Abschalten von Kraftwerken kann Auswirkung auf die Netzstabilität haben“, gibt der Energieversorger EnBW zu bedenken. Daher sei ein Maßnahmenplan erarbeitet worden, der Versorgungssicherheit beim sogenannten gewässerschonenden Betrieb der Kraftwerke sichere. Dabei werde sich mit Wetter-Prognosen auf mögliche Extremsituationen vorbereitet.

Auch in Grohnde war die hohe Wassertemperatur vor wenigen Wochen nicht die erste kritische Situation. „Vor einigen Jahren stand Grohnde schon einmal kurz vor der Abschaltung“, sagt Wenzel. Danach habe der Betreiber zusätzliche Vorrats-

becken für das warme Kühlwasser angelegt. „Unsere jetzige Messung zeigt aber, dass dies offenbar nicht reicht. Wir prüfen das jetzt intensiv, um rechtzeitig einschreiten zu können.“

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