Bauernverband Künftiger Landvolk-Chef setzt auf Dialog

Wechsel an der Verbandsspitze: Albert Schulte to Brinke soll am 18. Dezember zum neuen Präsidenten des Bauernverbandes Niedersachsen gewählt werden. Gegenkandidaten gibt es keine.
29.11.2017, 22:26
Lesedauer: 3 Min
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Von Elmar Stephan

Wenn Albert Schulte to Brinke Gäste empfängt, dann führt er sie in die gute Stube seines Bauernhofs am Rande von Bad Iburg im Osnabrücker Land. Die Hügel des Teutoburger Waldes sind vom Fenster aus zum Greifen nah. „Es ist wunderschön hier“, sagt der 61-Jährige, der gemeinsam mit seinem 38 Jahre alten Sohn den Hof betreibt.

Ein befreundeter Archäologe habe ihm gesagt, dass die Ursprünge bis ins Jahr 950 zurückreichen. Er bewirtschaftet also einen mehr als 1000 Jahre alten Bauernhof. „Das ist schon was“, sagt Schulte to Brinke. Der Vater von drei erwachsenen Kindern ist seit Jahren 1. Vorsitzender des Osnabrücker Landvolks.

Seit 2013 sitzt er im Präsidium des Landvolks Niedersachsen. Am 18. Dezember soll er zum neuen Präsidenten des Bauernverbandes in Niedersachsen gewählt werden. Gegenkandidaten: keine. Er sei gefragt worden, das Amt sei zu ihm gekommen, beworben habe er sich nicht. „Zurzeit ist das sicher so, dass das ­Gedränge nicht besonders groß ist“, sagt Schulte to Brinke.

Image der Landwirtschaft ist wichtigstes Thema

Denn die Zeiten für die Landwirtschaft sind derzeit eher unruhig. Viele Landwirte sehen sich einer Art gesellschaftlicher Dauerkritik ausgesetzt angesichts der Belastung des Grundwassers durch Nitrat oder der schwindenden Akzeptanz der Massentierhaltung. Die Diskussion ums Image der Landwirtschaft sei eigentlich das wichtigste Thema überhaupt, sagt Schulte to Brinke.

„Wir müssen wieder in eine Situation kommen, wo man bekennt: Ich bin gerne Landwirt, weil es ein toller, spannender und vielseitiger Beruf ist“, sagt der 61-Jährige. Die Landwirte seien zu Veränderungen bereit. „Wir sind eine der innovativsten Branchen überhaupt“, sagt er.

Schulte to Brinke zeigt sich dialogbereit. Mit Organisationen wie dem Deutschen Tierschutzbund oder dem Bund für Umwelt und Naturschutz trete er gerne in ­Gespräche ein. Seit einigen Jahren engagiert er sich beim niedersächsischen Tierschutzplan, dort habe er auch die Vertreterinnen des Deutschen Tierschutzbundes kennengelernt.

Überzeugter Marktwirtschafter

„Sie haben die Diskussionen bereichert“, sagt er. Auch mit den Grünen in Niedersachsen habe er schon fruchtbare Diskussionen erlebt. „Sie bringen immer Aspekte ins Spiel, an die man tatsächlich noch nicht gedacht hat“, so Schulte to Brinke. Aber trotz aller Dialogbereitschaft: Der 61-Jährige wird wohl nicht an der wirtschaftlichen Ausrichtung des Landvolks rütteln. Er sei ein überzeugter Marktwirtschaftler, sagt er.

Die Abschottung der Märkte funktioniere nicht. Auf den Vorhalt, dass einige Kritiker das Landvolk eher auf der Seite der Agrarindustrie und nicht bei den Familienbetrieben sehen, reagiert er ratlos. „Was ist Agrarindustrie? Ich weiß nicht richtig, was das ist“, sagt er. Regionen wie das Oldenburger Münsterland oder das Emsland hätten von der Agrar- und Ernährungsbranche wirtschaftlich nur profitiert.

Entscheidend sei, dass die Betriebe die Möglichkeit hätten, sich weiterzuentwickeln. Immerhin: Vor zwei Jahren hätten er und sein Sohn sich ernsthaft überlegt, den Betrieb auf Biolandwirtschaft umzustellen. Dafür hätten sie Flächen hinzupachten müssen – das wäre aber nicht wirtschaftlich gewesen.

Genau die richtigen Voraussetzungen

Sein Berufskollege Ottmar Ilchmann, Milchbauer aus dem ostfriesischen Rhauderfehn und niedersächsischer Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), sieht ihn daher auch eher als Repräsentant des „alten“ Landvolks. „Ich denke, Herr Schulte to Brinke steht für ein Weiter so.“

Beim Bund für Umwelt und Naturschutz erwartet man eine tatsächliche Dialogbereitschaft des Landvolks mit der Gesellschaft über die Probleme der Branche. „Wir brauchen eine Öffnung des Landvolks in Richtung Gesellschaft, und nicht nur in Richtung Handel“, sagt Tilman Uhlenhaut, Agrar-­experte beim BUND Niedersachsen. Mit dem bisherigen Präsidenten Werner Hilse sei das kaum möglich gewesen – damit ruhten auch Hoffnungen auf Albert Schulte to Brinke.

Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), Heinrich Dierkes, attestiert Schulte to Brinke nicht nur in der Milchviehwirtschaft, sondern auch in der Schweinehaltung oder dem Ackerbau große Fachkenntnisse: „Mit seiner vermittelnden Art hat er genau die richtigen Voraussetzungen, um in dieser für die Landwirtschaft entscheidenden Phase mit ruhiger Hand die Geschicke des niedersächsischen Landvolkes zu führen.“

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