Deutsche Bahn in der Kritik Kürzere Frist bei Bonuspunkten

Hannover. Die Deutschen Bahn rechnet zulasten seiner Vielfahrer lediglich mit 360 statt mit 365 Tagen im Jahr. Das verärgert nicht nur treue Kunden, sondern ist nach Ansicht von Juristen auch rechtlich fragwürdig.
01.08.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Peter Mlodoch

Hannover. Das Jahr hat 365 Tage. Normalerweise. Nicht aber bei der Deutschen Bahn. Das Verkehrsunternehmen rechnet zulasten seiner Vielfahrer lediglich mit 360 Tagen. Das verärgert nicht nur treue Kunden, sondern ist nach Ansicht von Juristen auch rechtlich fragwürdig.

Die Werbesprüche für das Bonusprogamm der Bahncard klingen verlockend: "Ab 2000 gesammelten Statuspunkten innerhalb eines Jahres kommen Sie in den Genuss exklusiver Servicevorteile", heißt es im Internet-Auftritt der Bahn AG. Beim Fahrscheinkauf gibt es pro Euro einen Punkt; sind die 2000 voll, steigt der Bahncard-Inhaber zum "Comfort-Kunden" auf. Er kann dann spezielle Sitzplatzbereiche im Zug ohne kostenpflichtige Reservierung benutzen. Außerdem bekommt er an den Bahnhöfen kostenlosen Zutritt zu den DB Lounges mit einer Auswahl an alkoholfreien Getränken und Zeitungen.

Doch die 2000 Punkte innerhalb eines Jahres zu erreichen, ist schwerer als gedacht. So mancher Vielfahrer wähnte sich bereits jenseits der magischen Grenze, fand sich aber plötzlich weit darunter wieder. Grund für die enttäuschte Hoffnung: Erworbene Punkte werden nicht erst nach einem Jahr, also nach 365 Tagen, sondern schon früher ungültig. "Wie Ihnen bereits mitgeteilt wurde, werden die Statuspunkte taggenau 360 Tage alt und verfallen dann Stück für Stück, wie sie gesammelt wurden", belehrte die Bahn per Brief einen erstaunten Kunden.

Wie das Unternehmen auf diese Zahl kommt, erklärt es in dem Schreiben nicht. Die eigenen Angaben im Internet sind widersprüchlich. Mal ist dort von "einem Jahr", mal von "12 Monaten" die Rede. An einer einzigen Stelle, für die es mehrere Klicks braucht, tauchen die 360 Tage auf. "Statuspunkte verfallen nach 12 Monaten", heißt es allerdings in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Eine Umrechnung in 360 Tage ist in diesen Vertragsgrundlagen nirgendwo zu finden. "Was die Bahn hier macht, ist rechtlich höchst problematisch", sagt Karin Goldbeck von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Auch das Bürgerliche Gesetzbuch biete dem Unternehmen keine Handhabe für das gekappte Jahr, meint die Juristin. "Die Bahn kann sich ihre Fristen nicht einfach selbst erfinden."

Die Kommunikationsabteilung des Unternehmens begründet die Verkürzung mit Systemvorgaben. Man wolle vermeiden, dass die Beträge für den Erwerb der Bahncard selbst und deren Verlängerung nach knapp einem Jahr dem Punktekonto nicht doppelt gutgeschrieben würden. Warum auch normale Ticketkäufe darunter fielen, konnte eine Sprecherin nicht erklären. Rund 160000 Kunden besitzen laut Bahn die Karte mit den Privilegien.

Im Internet-Forum "ICE-Treff" hat das Verhalten der Bahn eine rege Diskussion ausgelöst. Die Kundenbindungsstrategie sei "komplett Essig" und "großer Schmu"; die Zuteilung einer "Comfort-Card" werde zum "Lotteriespiel", schimpfen betroffene Vielfahrer. Man wolle die Zahl der Inhaber durch Tricks niedrig halten, vermutet ein "Bahn-User". Andere wiederum geben der Bahn Recht: "12 Monate sind buchhalterisch 360 Tage." Und manch einer rät zum Boykott des undurchsichtigen Bonus-Programms. So schone man wenigstens seine Nerven.

Im Nahverkehr in Niedersachsen, also bei Fahrten in Regionalzügen, kann man seit einigen Wochen keine Punkte für das Bonus-Programm der Bahn AG mehr sammeln. Das ist eine Folge des seit dem

9. Juni geltenden einheitlichen Niedersachsen-Tarifs, den die Landesnahverkehrsgesellschaft mit den im Lande tätigen Eisenbahnunternehmen ausgehandelt hat. Dafür erhalten Bahncard-50-Inhaber in Niedersachsen nach wie vor auch für Nahverkehr-Tickets ihren 50-prozentigen Rabatt. In Schleswig-Holstein und Hessen dagegen wurde dieser mit Einführung der Landestarife auf 25 Prozent zusammengestrichen.

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