Antrag auf Strafaufschub abgelehnt

KZ-Wachmann muss Haft antreten

Hannover. Der wegen Beihilfe zum Mord in 300 000 Fällen verurteilte frühere KZ-Wachmann Oskar Gröning soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft Hannover in Kürze seine vierjährige Gefängnisstrafe antreten. „Wir haben den Antrag der Verteidigung auf Strafaufschub abgelehnt“, sagte Staatsanwältin Kathrin Söfker am Dienstag dem WESER-KURIER.
02.08.2017, 00:00
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KZ-Wachmann muss Haft antreten
Von Peter Mlodoch

Hannover. Der wegen Beihilfe zum Mord in 300 000 Fällen verurteilte frühere KZ-Wachmann Oskar Gröning soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft Hannover in Kürze seine vierjährige Gefängnisstrafe antreten. „Wir haben den Antrag der Verteidigung auf Strafaufschub abgelehnt“, sagte Staatsanwältin Kathrin Söfker am Dienstag dem WESER-KURIER. Ein Amtsarzt habe dem mittlerweile 96-Jährigen eine grundsätzliche Haftfähigkeit bescheinigt. Voraussetzung sei allerdings, dass die medizinische und pflegerische Betreuung in der betreffenden Justizvollzugsanstalt gewährleistet sei, damit die körperlichen Beeinträchtigungen des Verurteilten aufgefangen werden könnten, sagte Söfker. Laut Staatsanwaltschaft kommen dafür mehrere Standorte in Niedersachsen in Betracht.

Grönings Anwalt Hans Holtermann kündigte Rechtsmittel gegen den am Dienstag zugestellten Bescheid an. Man werde umgehend beim Landgericht Lüneburg „Antrag auf gerichtliche Entscheidung“ stellen, sagte der Verteidiger dem WESER-KURIER. Sein Mandant sei keineswegs haftfähig. Der Amtsarzt habe seine Stellungnahme ohne eine körperliche Untersuchung Grönings abgegeben. „Dieses Vorgehen ist nicht akzeptabel.“

Das Landgericht Lüneburg hatte Gröning am 15. Juli 2015 für seine Beteiligung am Massenmord im Vernichtungslager Auschwitz zu vier Jahren Haft verurteilt. Der Nachweis einer konkreten Tötungshandlung sei dafür nicht erforderlich. Es reiche, dass der frühere SS-Mann durch seine Buchhalter-Tätigkeiten im KZ zum reibungslosen Ablauf der Mordmaschinerie der Nationalsozialisten beigetragen habe. Mildernd bewerteten die Richter damals, dass sich Gröning im Prozess zu seiner moralischen Verantwortung bekannt habe. Im vergangenen Herbst bestätigte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe das Lüneburger Urteil; er verwarf die Revision des Angeklagten.

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