Minister Meyer will Programm fortsetzen Land gibt Geld für Tierwohl

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer will das Tierwohl in den Mastställen des Landes durch weitere finanzielle Anreize stärken. Motto des Programms: „Niedersachsen lässt die Sau raus“.
06.09.2017, 18:38
Lesedauer: 2 Min
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Land gibt Geld für Tierwohl
Von Peter Mlodoch

Hannover. Belohnung statt Verbote: Mit finanziellen Anreizen will Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) die Bauern zu mehr Tierwohl bewegen. Nach den Prämien für intakte Ringelschwänze von 16,50 Euro pro Mastschwein sollen nun Mutterschweine mehr Platz zum Abferkeln erhalten: Unter dem Motto „Niedersachsen lässt die Sau raus“, können Schweinehalter ab August 150 Euro pro Tier kassieren, wenn sie künftig auf die äußerst beengten Kastenstände verzichten. Neu ist auch ein Bonus von fünf Euro pro Ferkel, bei dem auf das schmerzhafte Kupieren des Schwanzes verzichtet wird.

„Mit diesem Geld honorieren wir die Anstrengungen der Landwirte“, sagte Meyer bei seiner Bilanz des noch von seinem CDU-Vorgänger Gert Lindemann angestoßenen Tierschutzplans am Mittwoch in Hannover. Und die nächsten Prämien seien bei der EU bereits angemeldet. Mit insgesamt 30 Millionen Euro will Meyer ab 2018, sollte er nach der Landtagswahl dann auch noch Minister sein, die Weidehaltung fördern. 60 Euro gibt es dann für jede Kuh, die draußen ist, 20 Euro für Ziegen und Schafe. Dass sich deren Haltung schon jetzt weitgehend im Freien abspielt, dass also die Landwirte lediglich für das, was sie längst praktizieren, Prämien bekommen, spielt dabei für den Ressortchef keine Rolle.

Von „reinen Mitnahmeeffekten“ sprach daher die CDU. „Wir verbrennen haufenweise Steuergelder, damit sich Meyer als der große Zampano darstellen kann“, kritisierte der Unionsabgeordnete und Landwirt Helmut Dammann-Tamke. „In der Praxis hat sich so gut wie nichts in den Ställen geändert.“ So streiche ein Betrieb für seine 800 Sauen, die er seit Jahren in Outdoor-Hütten halte, 120 000 Euro Prämie ein – „einfach dafür, dass er sein bisheriges System weiterführt“. Ähnliches gelte bei den Ringelschwänzen. Echte Fortschritte ließen sich nur mit umfangreichen Stallumbauten erzielen, so der CDU-Mann. Doch die dafür vorgesehenen Mittel aus dem Agrarförderprogramm habe Rot-Grün von 40 auf zehn Millionen Euro zusammengestrichen. Man stütze nur noch kleine und mittlere Premiumbauten, wies Meyer die Kritik zurück.

Den Tierschutzplan bezeichnete der grüne Minister trotz anfänglicher Bedenken als großen Erfolg. 45 von 46 Punkten seien erreicht oder würden in Kürze abgeschlossen. Nur das eigentlich für 2016 vorgesehene Aus für das betäubungslose Kastrieren von Ferkeln solle auf Betreiben des Bundes erst 2019 kommen. Der größte Meilenstein sei das im Konsens mit der Landwirtschaft und dem Handel erwirkte Amputationsverbot. Die 19 Millionen Legehennen behalten seit vergangenem Jahr aufgrund eines Ministeriumserlasses ihre Schnabelspitzen. Vorher waren diese massenweise per Laser weggebrannt worden, um das gegenseitige gefährliche Picken zu verhindern.

„Das befürchtete Blutbad hat es nicht gegeben“, freute sich Meyer. „Und im Gegensatz zu den vielen Unkenrufen ist die Produktion nicht ins Ausland abgewandert.“ Wegen des großen Widerstands der Landtagsopposition bezweifle er stark, ob eine CDU-geführte Regierung diese von ihrem damaligen Ressortchef angestoßenen Verbesserungen im Tierschutz auch tatsächlich umgesetzt hätte, schaltete Meyer in den Wahlkampfmodus. „Das konnte am Ende nur eine rot-grüne Regierung machen.“ Allein die Grünen stünden auch für eine konsequente Fortsetzung des Tierschutzplans. In der vergangenen Woche hat die von CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann vorgestellte Schatten-Agrarministerin Barbara Otte-Kinast angekündigt, das Tierschutzkonzept weiterführen zu wollen. Dabei hatte die Vorsitzende des Landfrauenverbandes allerdings mehr Zeit für die Umsetzung angemahnt. Auch Landvolk-Präsident Werner Hilse warnte vor einer Überforderung der Bauern.

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