Planung der Alpha-Variante beginnt 2016

Land und Bahn machen Tempo

Die Bauarbeiten an den neuen Trassen im Dreieck Bremen-Hamburg-Hannover sollen 2016 endlich beginnen. Dafür schießt Hannovers Wirtschafts- und Verkehrsminister Olaf Lies zehn Millionen Euro vor.
11.01.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Land und Bahn machen Tempo
Von Michael Lambek

Die Bauarbeiten an den neuen Trassen im Dreieck Bremen-Hamburg-Hannover sollen 2016 endlich beginnen. Dafür schießt Hannovers Wirtschafts- und Verkehrsminister Olaf Lies zehn Millionen Euro vor.

Deutlich mehr als 20 Jahre war über die Y-Trasse diskutiert worden, bevor sie vom Dialogforum in Celle Ende 2015 endgültig begraben wurde. Der seit Anfang der 90er-Jahre geplante Schienenneubau im Dreieck Bremen-Hamburg-Hannover war nicht nur politisch undurchsetzbar – es war auch die Zeit über ihn hinweg gegangen: Ursprünglich war die Strecke als Verlängerung der ICE-Linie aus Würzburg über Hannover verzweigend nach Bremen und Hamburg konzipiert.

Allerdings wurde mit den Jahren immer deutlicher, dass der Hinterlandverkehr der deutschen Seehäfen, die Zu- und Abflüsse der Güter zunehmend ins Gedränge kamen. In nicht allzu ferner Zukunft würde die Verkehrsinfrastruktur den Transportverkehr nicht mehr aufnehmen können. Dies stellte sich perspektivisch als sehr viel drängender dar als eine nagelneue Verbindung zwischen den norddeutschen Großstädten allein für den Personenverkehr.

Es war Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), der das „Dialogforum Schiene Nord“ initiierte. Kommunen und das Land Niedersachsen, Organisationen, Verbände sowie Bund und Bahn selbst sollten hier die Alternativen zur Y-Trasse bewerten, die von der Bahn seit 2010 entwickelt worden waren.

Der Tempogewinn war beträchtlich. Gerade ein knappes Jahr brauchte das Forum, bis es sein Ergebnis vorlegte. Danach war „das Y tot“, wie Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann (CDU) feststellte. An Stelle der Trasse war mit der überwältigenden Mehrheit des Forums die Alpha-Variante gesetzt worden – der Ausbau und die Ertüchtigung einer Reihe bereits bestehenden Strecken, über die die wachsenden Hafenhinterlandverkehre rollen sollen. Ferlemann versprach noch in Celle während der letzten Sitzung des Forums, die Ausbauvariante komplett in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen.

Erneut ist es Olaf Lies, der aufs Tempo drückt. „Wir wollen, dass es los geht“, hatte er zum Abschluss des Forums gesagt. Es sollten endlich die Bauarbeiten beginnen, anstatt immer weitere Diskussionen über denkbare Trassen zu führen. Jetzt legt er Geld auf den Tisch. „Niedersachsen wird für die Planung zehn Millionen Euro als Vorfinanzierung zur Verfügung stellen“, sagte der Wirtschafts- und Verkehrsminister Ende der Woche.

Als erstes soll der zweigleisige Ausbau der Strecke von Rotenburg nach Verden in Angriff genommen werden. Die 27 Kilometer lange Verbindung gilt als Nadelöhr für die Güterzüge, die aus Hamburg kommend in Richtung Hannover oder Ruhrgebiet fahren. Der zweigleisige Ausbau steht nach Darstellung des Verkehrsministeriums und der Deutschen Bahn bereits seit 30 Jahren im Bundesverkehrswegeplan.

Allerdings kostet auch die jetzt anstehende Planung Geld, das vom Bund bewilligt und in den Etat der Bahn eingestellt werden muss. Das kann dauern. „Wenn aber jemand Geld zur Verfügung stellt, kann es losgehen“, sagte Armin Skierlo, Sprecher des Großprojekts Hamburg/Bremen-Hannover der Deutschen Bahn. Genau das passiert jetzt. „Wir leihen der Bahn Geld in der Erwartung, dass die ersten Planungsaufträge noch in diesem Jahr vergeben werden können“, sagte der Sprecher des Verkehrsministeriums, Stefan Wittke dem WESER-KURIER.

Trotzdem werde das Projekt noch eine gute Weile in Anspruch nehmen, „auch wenn wir vielleicht beim Ausbau bestehender Anlagen weder ein neues Raumordnungsprogramm noch am Ende ein Planfeststellungsverfahren brauchen“, sagte Wittke weiter.

Außer der Strecke Rotenburg-Verden, die für Hannover laut Lies absolute Priorität hat, gehören der Ausbau der Strecke Nienburg-Minden sowie die Amerika-Linie von Bremen nach Uelzen zur Alpha-Variante. „Planerisch am schwierigsten“ nannte Wittke den Bau eines dritten Gleises zwischen Uelzen und Lüneburg.

Unterdessen trifft auch die Bahn organisatorische Vorbereitungen. Die technische Projektleitung „für die Neuausrichtung des Großprojekts Hamburg/Bremen-Hannover“ übernahm Matthias Hudaff. „Ziel ist es, die Finanzierung schnell sicherzustellen, damit wir noch 2016 erste Planungsaufträge vergeben können“, sagte er.

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