Neuer Landesjagdbericht Land will Gänse verscheuchen

Der neue Landesjagdbericht liegt vor. Längst geht es darin nicht mehr nur um die Menge des erlegten Wildes - sondern um modernes Management.
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Land will Gänse verscheuchen
Von Silke Looden

Der neue Landesjagdbericht liegt vor. Längst geht es darin nicht mehr nur um die Menge des erlegten Wildes - sondern um modernes Management.

Schwerpunkte sind in diesem Jahr das Gänsemanagement und die Gefahr einer Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) und der Präsident der Landesjägerschaft Helmut Dammann-Tamke sehen „Handlungsbedarf“.

Niedersachsen ist Jagdland. Nirgendwo sonst in der Bundesrepublik gibt mehr Jäger pro Einwohner. Jeder 130. Niedersachse hat einen Jagdschein. Bundesweit hat jeder 218. Einwohner das „grüne Abitur“. Dabei ist die Jagd nicht mehr reine Männersache. Nach Angaben der Landesjägerschaft ist jeder zehnte Jäger eine Jägerin. Besonders hoch ist der Anteil der Frauen an den Jungjägerkursen mit etwa 20 Prozent. Und das Interesse am Jagen steigt. Bestanden 2014 noch 2926 Frauen und Männer die Jagdprüfung in Niedersachsen, waren es in diesem Jahre bereits 3275. „Die Zuwendung zur Natur liegt im Trend“, sagt der Sprecher der Landesjägerschaft Florian Rölfing.

Um der wachsenden Gänsepopulation Herr zu werden, reiche die Jagd allein nicht aus, konstatiert der diesjährige Landesjagdbericht. Allein die Zahl der Graugänse ist von 2006 bis 2013 von 4800 auf 8400 Brutpaare gestiegen, Tendenz steigend. Dabei zeigen vor allem wieder angesiedelte Gänse ein geringes Zugverhalten und bleiben zunehmen standorttreu, sodass die Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen inzwischen auf bundesweit bis zu 17 Millionen Euro im Jahr geschätzt werden. Bauern erhalten entsprechende Entschädigungen.

Das niedersächsische Gänsemanagement sieht vor, die Tiere nicht nur zu bejagen, sondern auch zu vergrämen und Ausgleichsflächen zu schaffen. Zudem hat das Land eine Studie in Auftrag gegeben, um das Gänsemanagement zum Beispiel durch die Intervalljagd zu verbessern.

Untersuchung zur Intervalljagd

Dabei werden nur bestimmte Flächen bejagt, während andere verschont bleiben, sodass die Tiere bald lernen, wo ihnen keine Gefahr droht. Um eine gesellschaftliche Akzeptanz für das Gänsemanagement zu erreichen, sollen die Kosten dafür die Schadenssumme nicht übersteigen.

Der Landesjagdbericht geht auch auf die potenzielle Gefahr durch die Afrikanische Schweinepest ein. Das Virus hat sich im Osten der Europäischen Union bereits verbreitet. Es ist deshalb so gefährlich, weil es bislang keinen Impfstoff dagegen gibt. Sollte die Tierseuche, die für den Menschen ungefährlich ist, tatsächlich eingeschleppt werden, bedeutet dies eine große Gefahr für die Wildschweine hierzulande, aber womöglich auch für die mehr als acht Millionen Schweine in den Ställen.

„Jeder Tiertransporter aus Estland, Lettland oder Litauen kann das Virus mitbringen“, sagt denn auch Florian Rölfing von der Landesjägerschaft. Das Land habe bereits Warnschilder an den Rastplätzen aufgestellt. „Es reicht eine mitgebrachte und auf einem Waldparkplatz achtlos entsorgte Butterbrotstulle“, erklärt er. Konkrete Empfehlungen für den Fall der Einschleppung hat eine bereits 2014 vom Ministerium eingerichtete Sachverständigengruppe entwickelt. Diese betreffen nicht nur die Seuchenbekämpfung, sondern auch deren Früherkennung durch Blutproben von erlegten Wildschweinen.

„Es geht darum, zu verhindern, dass die Afrikanische Schweinepest nach Niedersachsen eingeschleppt wird. Ausschließen kann man das aber leider nicht“, so Minister Meyer. Ein Ausbruch in Niedersachsen wäre eine Katastrophe aus Sicht von Tierschutz und Wirtschaft, wenn Millionen Schweine in den Massentierhaltungsregionen möglicherweise getötet werden müssten. Niedersachsen ist Schweineland Nr.1 mit mehr als der Hälfte aller Schweine in Deutschland.

Sorge bereitet den Jägern die Entwicklung des Damwildes im Westen Niedersachsens. So wurden im vergangenen Jahr insgesamt 13 000 Stück Damwild erlegt, allein im Landkreis Emsland 27 Mal so viel in den 70er Jahren. Entsprechend groß wird die Population geschätzt. Das hat Auswirkungen auf den Wald. Die Tiere drängen die Laubbäume durch Verbiss zurück, sodass Nadelbaumarten im Emsland dominieren. „Die Frage ist, ob das angesichts des Klimawandels zukunftsorientiert und von der Landespolitik gewünscht ist“, heißt es dazu im Landesjagdbericht.

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