Kriminaltechnisches Institut

Ermittlungen bleiben liegen

Das Gewerbeaufsichtsamt Hannover hat die Labore des Kriminaltechnischen Instituts wegen schwerer technischer Mängel an der Lüftung bis auf Weiteres gesperrt. Das behindert jetzt die Ermittlungsarbeiten.
27.07.2020, 19:49
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Ermittlungen bleiben liegen
Von Peter Mlodoch
Ermittlungen bleiben liegen

Analysen bei Betäubungsmitteln, Doping, Giftstoffen sowie Brand- und Umweltproben, aber auch Blutuntersuchungen auf Drogen und Medikamente sind derzeit nur erschwert möglich.

Björn Hake

Hannover. In Niedersachsen bleiben derzeit etliche Polizeiermittlungen liegen oder sind erheblich beeinträchtigt. Grund: Die Labore des Kriminaltechnischen Instituts (KTI) im Landeskriminalamt (LKA) sind vom Gewerbeaufsichtsamt Hannover wegen schwerer technischer Mängel an der Lüftung und aus Arbeitsschutzgründen bis auf Weiteres gesperrt worden. Davon unterrichtete jetzt das Innenministerium den Landtag schriftlich. „Dadurch wird die Leistungsfähigkeit des KTI insgesamt, besonders aber im Bereich der Wirkstoffuntersuchungen, empfindlich beeinträchtigt“, heißt es in dem Schreiben. Der Brandbrief liegt dem WESER-KURIER vor.

Im Speziellen seien Analysen bei Betäubungsmitteln, Doping, Giftstoffen sowie Brand- und Umweltproben, aber auch Blutuntersuchungen auf Drogen und Medikamente betroffen, schreibt das Ministerium. Dies habe unmittelbar negative Auswirkungen auf die Effektivität der polizeilichen Ermittlungsarbeit. „Die teilweise Sperrung der Arbeitsplätze kann die Folge haben, dass Gutachten sich signifikant verzögern können und zum Teil zwingende sowohl justizielle als auch polizeiliche Fristsetzungen nicht eingehalten werden können.“

Seit Jahren diskutiert die Landespolitik über einen Neubau des maroden LKA-Gebäudes an der Schützenstraße in Hannover. Wegen der Kosten in dreistelliger Millionenhöhe wurde die Maßnahme aber immer wieder hinausgezögert. Jetzt reichten die schlimmen Zustände offenbar den amtlichen Kontrolleuren. Bei einer Begehung am 30. Juni rügten sie insbesondere fehlerhafte Abzugseinrichtungen für den Umgang mit Gefahrstoffen und schlossen die Labore kurzerhand.

Für eine Wiederinbetriebnahme bedürfe es „umfangreicher baulich-technischer Maßnahmen“, erklärt das Innenressort. Diese habe man bereits mit dem Finanzministerium und der Bauverwaltung „abgestimmt und initiiert“. In der Zwischenzeit versuche man den Einschränkungen organisatorisch und personell entgegenzuwirken. Geprüft wird laut Ministerium eine Fremdvergabe von Analysen „an geeignete Institute innerhalb und außerhalb Niedersachsens“ sowie die Bitte um Amtshilfe bei den Polizeiinstituten von Bund und anderen Ländern.

„Der massive Sanierungsstau bei den Gebäuden der Polizei rächt sich jetzt“, kritisiert FDP-Politiker Marco Genthe. „Nicht nur, dass den Beamten zugemutet wird, in einer solchen Umgebung zu arbeiten, jetzt ist auch die Ermittlungsarbeit unmittelbar beeinträchtigt“, meint der Abgeordnete und Anwalt aus Weyhe „Diese Zustände sind nicht zumutbar.“ Die SPD/CDU-Landesregierung müsse sich des Themas endlich umfassend annehmen.

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