Afrikanische Schweinepest Landwirte befürchten Handelsverbot

Die Landwirte in Niedersachsen sind besorgt wegen der Afrikanischen Schweinepest. Ende Januar 2014 trat die hochansteckende Viruserkrankung erstmals in Litauen auf, wenige Tage später in Polen.
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Die Landwirte in Niedersachsen sind besorgt wegen der Afrikanischen Schweinepest. Ende Januar 2014 trat die hochansteckende Viruserkrankung erstmals in Litauen auf, wenige Tage später in Polen. Bis zum 18. September zählten die Behörden 146 Seuchenfälle in Polen, Litauen, Lettland und Estland.

Die Folgen für die landwirtschaftlichen Betriebe seien verheerend, sagt Paul Brand, Geschäftsführer einer Schlachterei im Kreis Vechta und Vorstandschef des Verbandes der Fleischwirtschaft in Deutschland. Zwar differenziere die EU beim Ausbruch der Krankheit zwischen den betroffenen Regionen – was aber Drittländer nicht daran hindere, generell Importverbote für Fleisch aus diesen Ländern auszusprechen. „Polen hat sich in den vergangenen Jahren eine große Bedeutung im Export erarbeitet“, sagt Brand. Aber die Krankheitsfälle hätten der polnischen Schweinewirtschaft zugesetzt, auch wenn nur Betriebe an der Ostgrenze betroffen seien.

Ähnliches sei auch für Deutschland zu befürchten: Träfe es eine Region – etwa Mecklenburg-Vorpommern – würden die Auswirkungen des zu erwartenden Handelsembargos die gesamte Wertschöpfungskette in Deutschland treffen: von den Landwirten bis zu den Schlacht- und Verarbeitungsbetrieben.

Denn beim Ausbruch der Krankheit ist nicht nur der Landwirt betroffen, sondern eine ganze Region würde in Sperr- und Beobachtungszonen eingeteilt. Der Viehbestand des betroffenen Betriebs würde getötet. Für die Tiere der Nachbarhöfe würde ein Handelsverbot verhängt. Die Landwirte müssten sich auf viele Monate ohne Einkommen einrichten. Versicherungen, die diese Gefahr abpolstern, gibt es zwar, sie seien aber extrem teuer, sagt der Vorsitzende des Emsländischen Landvolks, Hermann Wester: „Kaum ein Betrieb hat sie.“

Als wichtigster Überträger der Krankheit gelten Wildschweine. „Es reicht ein achtlos weggeworfenes Salamibrötchen auf einem Autobahnparkplatz, das von einem Wildschwein gefressen wird, und das Virus breitet sich aus“, erklärt Hermann Seelhorst, der stellvertretende Veterinäramtsleiter im Kreis Cloppenburg. In nicht erhitztem Fleisch hält sich der nur für Schweine gefährliche Erreger über Jahre.

Seit Monaten weisen Behörden auf die Gefahr hin. Der Gesundheitszustand der Wildschweine wird deutschlandweit überwacht. Arbeitskräfte aus Osteuropa, die auch in der deutschen Landwirtschaft arbeiten, sollen auf die Gefahr aufmerksam gemacht werden. Wichtigste Verhaltensregel: Keine Speiseabfälle wegwerfen. Einen Impfstoff gegen die Schweinepest gibt es noch nicht. Das Virus sei hochkomplex, sagt Seelhorst. Aber den Landwirte würde es ohnehin nicht helfen. Denn bislang gelten in der EU Handelsbeschränkungen auch für geimpfte Tiere. Das müsse geändert werden, fordert das Landvolk in Niedersachsen.

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