Neuer Leitfaden Rote Karte für Antisemiten

Immer wieder kommt es zu antisemitischen Übergriffen im Fußball. Ein neuer Leitfaden aus Niedersachsen soll nun zeigen, was die Vereine, aber auch deren Fans dagegen tun können.
01.04.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Rote Karte für Antisemiten
Von Peter Mlodoch

Judenfeindliche Schmährufe gegen Schiedsrichter, schwere Beleidigungen gegen gegnerische Spieler und deren Fans, dumme Sprüche in der Umkleidekabine, wüste Verschwörungstheorien gegen ganze Clubs: Im Fußball, ob bei den Profis oder den Amateuren, kommt es immer wieder zu antisemitischen Ausfällen und Übergriffen. Ein neuer Leitfaden aus Niedersachsen soll nun zeigen, was die Vereine, aber auch deren Fans dagegen tun können. „Wer im Sport Judenfeindlichkeit wahrnimmt, der muss einschreiten„, sagte Justizministerin Barbara Havliza (CDU) bei der Vorstellung der Broschüre am Mittwoch in Hannover. „Antisemiten müssen die Rote Karte gezeigt bekommen“, forderte der Antisemitismus-Beauftragte Franz Rainer Enste.

Zivilcourage sei wichtig, auch wenn man sich als einzelner Zuschauer nicht sofort gegen einen grölenden Fan-Block wehren könne, erklärte der Sozialwissenschaftler Raimund Lazar von der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. „Aber man sollte alle Vorfälle melden.“ Nötig seien dafür niedrigschwellige Anlaufstellen und Hotlines, wie sie bereits Proficlubs wie Werder Bremen oder Schalke 04 eingerichtet hätten. So könnten Fans noch im Stadion und auf Wunsch anonym auf Gewalt oder Diskriminierung aufmerksam machen.

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Lazar hat im Rahmen eines Forschungsprojekts zehn derartige Handlungsempfehlung erarbeitet. Dazu sprach er mit Funktionären der Deutschen Fußball-Liga ebenso wie mit Fanprojekten, Polizei, jüdischen und nicht jüdischen Vereinen. Alle wichtigen Clubs in Niedersachsen, vom VfL Wolfsburg über Hannover 96 bis Eintracht Braunschweig waren ebenfalls mit im Boot. Viele dieser Vereine würden bereits deutliche Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Notwendig sei es aber auch, diese Haltung auch in Taten umzusetzen, etwa in der Vereinssatzung und in der Stadionordnung festzuschreiben. Verbände wie Vereine müssten Schlüsselpersonen wie Spieler, Trainer, Fans und Schiedsrichter durch Schulungen regelmäßig über Antisemitismus aufklären.

Der Wissenschaftler gab zu, dass sich der Amateurbereich im Kampf gegen Judenhass oft noch schwer tue. „Einige Ehrenamtliche sehen sich oft schon überfordert mit dem normalen Spielbetrieb.“ Lazar riet deswegen zu einer stärkeren Vernetzung untereinander und auch mit den Profikollegen. „Die Vereine müssen nicht immer das Rad neu erfinden.“ Die Broschüre empfiehlt den Clubs, sich nicht nur kritisch mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen, sondern insbesondere heutige jüdische Perspektiven einbeziehen – etwa durch Freundschaftsspiele mit jüdischen Vereinen und gemeinsamen Fanprojekten.

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