Neue Ausschreibung Linie 4: Vorerst nur Straßenbau

Lilienthal. Nach Vertragskündigung müssen die Arbeiten am Gleis der Linie 4 neu ausgeschrieben werden. Zumindest der Straßenbau geht weiter.
07.09.2013, 08:30
Lesedauer: 2 Min
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Von Johannes Kessels

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende – das scheint derzeit die Marschrichtung beim Weiterbau der Linie 4 von Borgfeld bis zum Falkenberger Kreuz zu sein. Nachdem die Firma Walthelm vor gut zwei Wochen Insolvenz angemeldet hatte, zogen die Wirtschaftsbetriebe Lilienthal (WBL) als Bauherr am Freitag die Notbremse und kündigten den Vertrag mit dem Generalunternehmer fristlos (wir berichteten).

Es habe keine Aussicht mehr bestanden, mit Walthelm zum Erfolg zu kommen, begründete WBL-Geschäftsführer Manfred Lütjen den radikalen Schnitt bei einer Diskussionsveranstaltung mit Falkenberger Einzelhändlern.

Verhandlungen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter über eine weitere Zusammenarbeit mit dem zahlungsunfähigen Baukonzern haben offenbar nicht das von der Gemeinde erhoffte Ergebnis gebracht. Seit Mai 2011 baut das Unternehmen an der Streckenverlängerung. Immer wieder war es dabei zu Verzögerungen auf der 5,5 Kilometer langen Baustelle gekommen. Ursprünglich hätte die Bahn bereits in diesem Sommer fahren sollen.

„Wir wollten heute eine Entscheidung, nicht erst in vier Wochen, wenn der Insolvenzverwalter den Vertrag kündigt“, erklärte Manfred Lütjen, warum die WBL jetzt einen Schlussstrich unter den Kontrakt mit Walthelm gezogen hat. Der Insolvenzverwalter habe sich nicht bereit gezeigt, zu den alten Bedingungen weiterarbeiten zu lassen. „Das ist uns nicht zuzumuten, deshalb ist dies ein hinreichender Kündigungsgrund.“ Die Kündigung betreffe auch die Bauarbeiten auf Bremer Gebiet, nicht aber die Wümmebrücke. Die wird von einer anderen Firma gebaut.

Von den 59 Millionen Euro, die das Gesamtprojekt kosten soll, stehen noch Arbeiten mit einem Volumen von etwa neun Millionen Euro aus. Ein Auftragsvolumen von etwa sieben Millionen müsse EU-weit neu ausgeschrieben werden, erklärte Lilienthals Bürgermeister Willy Hollatz. „Sonst begeben wir uns auf juristisches Glatteis.“ Nächste Woche werde die EU über die erneute Ausschreibung für die Gleisarbeiten unterrichtet, so Manfred Lütjen. Mitte oder Ende November wolle man das neue Unternehmen beauftragen, in der ersten Dezemberwoche weiterbauen.

Zwei Millionen kann die WBL freihändig vergeben – und die sollen nach Ankündigung von Lütjen und Hollatz nicht in den Gleis-, sondern in den Straßenbau fließen. In den nächsten zwei Monaten soll die Falkenberger Landstraße so weit wie möglich hergestellt werden, ebenso der Kreisverkehr am Falkenberger Kreuz. „Ab Mitte nächster Woche sind wieder Bauarbeiter im Einsatz“, versprach Lütjen.

Die gesamte Baumaßnahme dürfte nun aber mehr kosten als geplant. „Es könnte teurer werden, einiges spricht dafür“, räumte Willy Hollatz ein. Auch über eine Entschädigung der Geschäftsleute werde man nachdenken, entscheiden müsse aber der Gemeinderat.

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