Offenbar Käufer gefunden - Umbau Anfang 2019

Lloydhof soll zum Lebendigen Haus werden

Lange hat Bremen nach einem Käufer für den Lloydhof in der City gesucht. Jetzt scheint er gefunden: Das Unternehmen Denkmalneu will im Lloydhof eine Edelgastronomie und Apartments entstehen lassen.
08.10.2017, 16:39
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Lloydhof soll zum Lebendigen Haus werden
Von Jürgen Hinrichs
Lloydhof soll zum Lebendigen Haus werden

Nach Plänen des Investors Thomas Scherer sollen im Lloydhof Fünf-Sterne-Apartments und eine Edel-Gastronomie entstehen.

Christina Kuhaupt

Thomas Scherer ist ein Mann der Tat. So wirkt er jedenfalls, als er am Tisch vorm Burger-Imbiss seine Pläne erläutert. Den Burger, die Pommes dazu und ein Kaltgetränk zusammen für fünf Euro, so günstig bekommt man das Mittagessen im Lloydhof, doch das wird bald Vergangenheit sein, wenn Scherer mit seinem Unternehmen Denkmalneu erst einmal Eigentümer der Immobilie am Ansgarikirchhof ist. „Für das Erdgeschoss wünschen wir uns den einen großen Mieter“, sagt der Geschäftsführer. Das ist das eine, Schluss mit der Kleinteiligkeit. Das andere: der Lloydhof soll künftig eine andere Adresse sein. Eine feine, und keine, wo man einen billigen Burger bekommt.

Lesen Sie auch

Scherer stammt aus Bayern, das hört man, er spricht so, bayerisch. Ein Mittvierziger, sportlich, unkompliziert, redegewandt. Einen Investor, der allein für den Kauf des Wohn-, Büro- und Geschäftskomplexes am Ansgarikirchhof eine Summe zwischen 20 und 25 Millionen Euro aufbringt, stellt man sich anders vor, gediegener. Zumal es mit dem Kaufpreis ja nicht getan ist. Etliche weitere Millionen werden in den Umbau fließen. Ein großes Projekt für Denkmalneu, aber gar nicht mal das größte. In Leipzig hat sich das Unternehmen, das bei der Finanzierung mit einem milliardenschweren Familienunternehmen aus Deutschland zusammenarbeitet, die Alte Hauptpost vorgenommen. Die Arbeiten laufen, Kosten: rund 120 Millionen Euro. Bereits abgeschlossen ist die Umgestaltung eines ehemaligen Büroriegels in Dresden, das lange Jahre unter dem Begriff „Haus am Zwinger“ firmierte. Seit knapp zwei Jahren trägt das 175 Meter lange Gebäude, in das Denkmalneu 45 Millionen Euro investiert hat, einen anderen Namen: Das Lebendige Haus. Ein Name und ein Konzept, das auch in Leipzig und Bremen zum Tragen kommen soll.

In Dresden hat Investor Scherer ein ehemaliges Bürogebäude, das lange Jahre unter dem Begriff „Haus am Zwinger“ firmierte, zum sogenannten Lebendigen Haus umgebaut. 45 Millionen Euro wurden dort investiert.

In Dresden hat Investor Scherer ein ehemaliges Bürogebäude, das lange Jahre unter dem Begriff „Haus am Zwinger“ firmierte, zum sogenannten Lebendigen Haus umgebaut. 45 Millionen Euro wurden dort investiert.

Foto: filmeuphorie und denkmalneu, denkmalneu

"Lebendige Häuser sind wie Gemischtwarenläden, nur teurer"

Scherer sagt mit schnellen Sätzen, was darunter zu verstehen ist: „Erst einmal sind es die Lage und das Gebäude, das Prinzip der kurzen Wege.“ Mitten in der Stadt, heißt das, eng angebunden an alles, was eine City zu bieten hat: Kultur, Kneipen, Kommerz. Nahe an allen wichtigen Verkehrsverbindungen. Für den Lloydhof trifft das zu. Dann soll das Haus selbst auch Erlebnis bieten, mit Kunst, Sport, Musik und einer Sky-Bar auf dem Dach. Und es soll so organisiert werden, dass die einzelnen Mieter und temporären Nutzer miteinander vernetzt sind, also eine gute Nachbarschaft pflegen, mit dem Concierge am Empfang als Ankerpunkt. „Der Kernmieter werden wir sein“, kündigt Schwerer an. 20 bis 30 Prozent der Fläche in Besitz von Denkmalneu. Das Unternehmen plant unterschiedlich große Fünf-Sterne-Apartments und eine Edel-Gastronomie. Die Wohnungen können für eine Nacht, eine Woche oder ein Jahr gebucht werden, je nachdem. Es soll aber auch fest vermietete Einheiten geben.

Ein Konzept, das stark auf Reisende setzt, die entweder privat oder geschäftlich ein paar Tage in Bremen verbringen. Genauso können es Menschen sein, die in der Stadt beruflich befristet engagiert sind. Ein Kommen und Gehen also, ein Lebendiges Haus, auch weil es offen sein soll für Veranstaltungen jedweder Art. „Lebendige Häuser sind wie Gemischtwarenläden, nur teurer“, schreibt die Immobilienzeitung über den Ansatz von Denkmalneu.

Kauf schon perfekt? Scherer hält sich zurück

Ein Beispiel: Vier Nächte für zwei Personen in einem 50 Quadratmeter großen Apartment kosten in Dresden rund 600 Euro. Glaubt man den Bewertungen bei Booking.com, sind die Gäste in der Regel hochzufrieden. „Außergewöhnliche Atmosphäre“, steht in einem der Kommentare, „unterwegs zuhause sein, so fühlte es sich an!“ Ein Satz, den Thomas Scherer auch hätte sagen können. Er trifft ziemlich genau das, was seine Vorstellung vom Lebendigen Haus ist. Denkmalneu, das sich in der Werbung sehr modern, sehr jung, urban und dynamisch gibt, spricht von einem Gesamtkunstwerk.

Wann genau und ob überhaupt in Bremen an so einem Werk gearbeitet werden kann, steht noch nicht endgültig fest. Scherer wollte in den Verhandlungen mit der Stadt ursprünglich bis Mitte September zu einer Einigung kommen, so hatte er es angekündigt, doch nun zieht es sich überraschend.

Bremen hatte den Lloydhof vor fünf Jahren für 23,8 Millionen Euro gekauft, um auf der Fläche ein City-Center bauen zu lassen, was dann aber gescheitert war. Stattdessen wurde für den Komplex ein Käufer gesucht und mit Denkmalneu eigentlich auch gefunden. So schreibt es jedenfalls Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) in einer Pressemitteilung von vergangener Woche. Scherer ist amüsiert, als er davon hört. „Wir sind auf einem guten Weg“, bleibt er vorsichtig. Ernsthafte Zweifel, dass der Kauf bald perfekt sein wird, habe er zwar nicht.

Ein, zwei strittige Punkte, darunter die Auflage der Stadt, einen Fassadenwettbewerb auszuschreiben, gebe es aber schon noch. Geht am Ende alles klar, dürfte das kommende Jahr nach Schätzung von Scherer mit der Planung und den behördlichen Genehmigungen draufgehen, um Anfang 2019 mit dem Umbau zu beginnen. Als Bauzeit veranschlagt Denkmalneu ein Jahr.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+