Filmfest Oldenburg

Massive Sorgen um die Zukunft

Oldenburg. Die gute Nachricht ist: Das 17. Filmfestival Oldenburg findet vom 15. bis zum 19. September statt. Ob es im kommenden Jahr allerdings zu einer 18. Auflage des kleinen, feinen Treffpunkts für Freunde der Independent-Filmkunst kommen wird, ist völlig unklar.
16.08.2010, 14:42
Lesedauer: 3 Min
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Massive Sorgen um die Zukunft
Von Iris Hetscher
Massive Sorgen um die Zukunft

Filmfest-Leiter Torsten Neumann vor dem Festivalplakat.

Iris Hetscher

Oldenburg. Die gute Nachricht ist: Das 17. Filmfestival Oldenburg findet vom 15. bis zum 19. September statt. Ob es im kommenden Jahr allerdings zu einer 18. Auflage des kleinen, feinen Treffpunkts für Freunde der Independent-Filmkunst kommen wird, ist völlig unklar.

Auf mehr als 60.000 Euro an öffentlichen Zuschüssen muss das Filmfest in diesem Jahr verzichten, allein die Stadt Oldenburg hat ihren Zuschuss von 100.000 Euro im vergangenen Jahr auf rund 48.000 Euro zurückgefahren. "Dramatisch" nennt Torsten Neumann, Leiter des Filmfests daher die Einsparungen, die auch das Publikum des diesjährigen Festivals bemerken wird.

Bei 300.000 anstatt bei 350.000 Euro bewegt sich der Etat in diesem Jahr. Dass es nicht noch weniger ist, liegt daran, dass Torsten Neuman und sein Team Glück gehabt haben: Mit cewe-Color ist kurzfristig ein neuer Sponsor zu den anderen acht hinzugekommen. Einer der Hauptsponsoren, die Oldenburgische Landesbank, hat zudem einmalig 10.000 Euro locker gemacht, damit auch dieses Jahr der Independent-Filmpreis verliehen werden kann.

Außerdem wird das Festival eine Nummer kleiner ausfallen. 12 bis 14 Vorstellungen weniger wird es geben, es werden wahrscheinlich zehn Filme weniger gezeigt - das Programm ist noch nicht komplett, aber Neumann rechnet mit ungefähr 45 Produktionen. Das werde sich naturgemäß in niedrigeren Besucherzahlen niederschlagen und damit wiederum die Einnahmen des Filmfestivals verringern - die Katze beißt sich in den Schwanz.

Auf dem Niveau möchte Neumann auf gar keinen Fall weitermachen: "Das Festival hat sich in den vergangenen Jahren ständig weiterentwickelt, das soll es auch weiterhin. So, wie es jetzt aussieht, ist das eine Aufforderung zum Aufhören". Es komme nicht in Frage, die Veranstaltung auf eine kleineres Niveau zurückzuführen, sollte die Stadt sich nicht einsichtig zeigen, werde 2011 keine 18. Auflage geben. Neumann bedauert das, immerhin habe die Veranstaltung inzwischen ein internationales Renomee - und werbe für Oldenburg.

Auch der Trailer beschäftigt sich dieses Jahr mit den Finanzsorgen. Da die Stadt zwar dem Filmfestival Geld gekürzt hat, aber für 40.000 Euro einen Amphibienteich anlegen will, möchte Neumann das Werbefilmchen namens "Aristofrogs" als Seitenhieb verstanden wissen. Diverse Schauspieler und Regisseure erzählen darin einen "intellektuell verschachtelten Froschwitz". Ab dem 19. August wird der Trailer in den Kinos zu sehen sein.

Auch wenn das Finanzthema die Pressekonferenz zu überlagern drohte, konnte Torsten Neumann doch Appetit auf die - gesicherte - 17. Auflage machen. Wieder werden diverse renommierte Produktionen samt Regisseuren und Darstellern in Oldenburg zu Gast sein, darunter der finnische Regisseur Mika Kaurismäki mit "The House of Branching Love" oder die italienische Regisseurin Giada Colagrande mit "A woman" - die Hauptrolle spielt ihr Ehemann Willem Dafoe, und Torsten Neumann hofft, ihn auf dem Festival begrüßen zu können. Julien Temple, bekannt geworden durch den "The Great Rock'n'Roll Swindle" über die Punk-Trendsetter Sex Pistols reist mit einer Dokumentation über die Band Dr. Feelgood an: "Oil City Confidential".

Die Retrospektive widmet sich dieses Jahr einem Pionier des erotischen Kinos. Der 81-jährige amerikanische Regisseur Radley Metzger, der nicht nur für seine geschmackvolle Ästhetik sondern auch für seinen satirischen Blick auf die Branche gelobt wird, stellt Filme wie "Carmen, Baby" (1967) oder "The Likerish Quartett" (1970) gelobt.

Timothy Bottoms ist Thema der "Tribute"-Reihe, damit ehrt das Festival eine Ikone des New-Hollywood-Kino. Bekannt geworden ist Bottoms durch "The last Picture Show" von Peter Bogdanovich, mitgewirkt hat er in mehr als 65 Filmen. Als Weltpremiere wird in Oldenburg "Pound of Flesh" vorgestellt, hier spielt Bottoms an der Seite von Malcolm McDowell.

Der Vorverkauf für das Festival startet am 1. September. Weitere Infos unter www.filmfest-oldenburg.de

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