Studie des Umweltbundesamtes Medikamente gelangen ins Grundwasser

Rückstände von Tierarzneimitteln im Grundwasser hat das Umweltbundesamt (UBA) in den viehreichen Landkreisen Cloppenburg und Vechta sowie in der Grafschaft Bentheim nachgewiesen.
23.06.2015, 19:00
Lesedauer: 2 Min
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Medikamente gelangen ins Grundwasser
Von Silke Looden

Rückstände von Tierarzneimitteln im Grundwasser hat das Umweltbundesamt (UBA) in den viehreichen Landkreisen Cloppenburg und Vechta sowie in der Grafschaft Bentheim nachgewiesen. Sechs Messstellen weisen laut Studie auffällige Werte auf. Der Vizepräsident des Umweltbundesamtes Thomas Holzmann fordert einen Grenzwert für Tierarzneimittel im Grundwasser festzulegen.

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Norden ist alarmiert. „Tierarzneimittel gehören nicht ins Grundwasser – auch nicht in Spuren“, sagt der Leiter des Geschäftsbereichs „Gewässerbewirtschaftung“, Romuald Buryn. Bis Ende 2016 will der NLWKN Analysen an den betroffenen Standorten durchführen. Zusätzlich zum Grundwasser sollen auch Bodenproben, Drainageauslässe, Kleinkläranlagen sowie Gülle und Gärreste aus der Landwirtschaft untersucht werden. Der NLWKN setzt auf die Kooperation der Landwirte. „Ohne ihre Hilfe geht es nicht“, sagt die Leiterin des Aufgabenbereichs „Grundwasser“ in Cloppenburg, Christel Karfusehr.

700 Tonnen Antibiotika für Tiere

NLWKN und Umweltbundesamt machen die Landwirtschaft für die Rückstände von Tierarzneimitteln im Grundwasser verantwortlich. „Der Verbrauch von Tierarzneimitteln in Niedersachsen ist alarmierend“, sagt Buryn. 2012 wurden 700 Tonnen Antibiotika für Tiere nach Niedersachsen geliefert, das entspricht etwa 40 Prozent der bundesweit an Tierärzte ausgelieferten Antibiotika. Allein 500 Tonnen davon gingen nach Angaben des NLWKN in die viehreiche Weser-Ems-Region. Zum Vergleich: Bundesweit wurden im selben Jahr 630 Tonnen Antibiotika in der Humanmedizin verbraucht.

Je nach Wirkstoff scheiden die Tiere die Antibiotika laut Umweltbundesamt zu 60 bis 80 Prozent mit dem Kot und dem Urin wieder aus. Als Gülle oder Festmist gelangen die Arzneimittelrückstände dann auf die Felder, versickern im Boden bis ins Grundwasser. Bislang gibt es keinen Grenzwert für Arzneimittelrückstände – weder in der deutschen Grundwasserverordnung noch in der Trinkwasserverordnung.

>> Kommentar über Tierarznei im Wasser

Umweltbundesamt fordert Festlegung von Grenzwert

Das Umweltbundesamt fordert, einen Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter vorsorglich festzulegen. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) will den Einsatz von Antibiotika deutlich reduzieren und – wo es geht – vermeiden. „Das Übel muss an der Wurzel gepackt werden“, sagt Wenzel, „Die Lösung kann nicht darin liegen, sich darauf zu verlassen, dass die Wasserversorgungsunternehmen zwecks Aufarbeitung der Verunreinigungen aufwendige Nachrüstungen installieren.“ Wenzel setzt sich denn auch für die Entwicklung neuer umweltverträglicher Wirkstoffe ein, umweltschädliche Arzneimittel sollten seiner Meinung nach nicht mehr zugelassen werden.

Für die im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführte Studie wurden in vier Bundesländern 48 Messstellen in den Jahren 2012 und 2013 auf insgesamt 23 Wirkstoffe hin untersucht. 39 Messstellen wiesen keinerlei Rückstände von Tierarzneimitteln auf, sieben hatten auffällige Werte, zwei lagen sogar über dem Grenzwert für Pflanzenschutzmittel von 0,1 Mikrogramm pro Liter.

UBA-Vizepräsident Holzmann betont, dass für die Studie viehreiche Regionen ausgesucht wurden, wo die Wahrscheinlichkeit einer Grundwasser-Kontamination ohnehin hoch ist. Holzmann: „Wir sind vom Worst Case ausgegangen. Beruhigend ist, dass wir nur selten fündig wurden und die Belastung keineswegs flächendeckend stattfindet.“

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