Horror-Unfälle in Niedersachsen Mehr Tempolimits auf der A2

Die A2 ist die wichtigste Verkehrsader in Niedersachsen. Die Kehrseite: Viele Unfälle und 16 Tote im vergangenen Jahr. Die Regierung will mit mehr Tempolimits und Polizeikontrollen dagegen vorgehen.
18.05.2016, 00:14
Lesedauer: 3 Min
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Mehr Tempolimits auf der A2
Von Peter Mlodoch

Die A2 ist die wichtigste Verkehrsader in Niedersachsen. Die Kehrseite: Viele Unfälle und 16 Tote im vergangenen Jahr. Die Regierung will mit mehr Tempolimits und Polizeikontrollen dagegen vorgehen.

Neue Tempolimits für Lastwagen, mehr Polizeikontrollen, Warnschilder auf Deutsch, Polnisch und Russisch: Mit einem umfangreichen Maßnahmenbündel will Niedersachsens Landesregierung gemeinsam mit ADAC, Verkehrswacht und Güterverkehrsgewerbe die Serie von Horrorunfällen auf der Autobahn A 2 stoppen. Sollten sich diese Schritte bewähren, werde man sie langfristig auch auf die Autobahnen A 1 und A 7 ausdehnen, kündigte Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) in einem Gespräch mit dem WESER-KURIER an.

Allerdings gibt es schon bei der West-Ost-Strecke zwischen Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt eine ganze Reihe von technischen und juristischen Problemen. Mit täglich 130.000 Fahrzeugen, davon 30.000 Lkw, ist die A2 mit Abstand die wichtigste Verkehrsader in Niedersachsen.

16 Menschen starben 2015 auf der A2 in Niedersachsen

Kehrseite: Es kracht hier auch besonders häufig. Die Zahl der Zusammenstöße kletterte 2015 um fast 15 Prozent auf 3447. 16 Menschen starben dabei; im Vorjahr waren es elf. An fast der Hälfte der Karambolagen sind Lastwagen beteiligt. Als Hauptursachen macht die Polizei zu geringen Abstand zum Vordermann, Fehler beim Ausscheren und zu hohes Tempo aus.

Erst am vergangenen Wochenende starben eine 60-Jährige und ihre 90-jährige Mutter in Höhe der Anschlussstelle Braunschweig-Ost, als ihr VW Golf in den Anhänger eines ausscherenden Lastwagen-Gespanns aus Polen knallte.

Tempolimit für Lastwagen

Künftig sollen spezielle Tempolimits für Lastwagen die Zahl solche schlimmen Crashs reduzieren helfen: Bereits weit, nämlich vier bis sechs Kilometer vor allen größeren Baustellen müssen sie ihr Tempo auf 60 drosseln; für Personenautos und Motorräder gelten dort dann höchstens 100 Stundenkilometer. Zwar warnten Experten vor der zu großen Geschwindigkeitsdifferenz zwischen Lkw und Pkw, doch ein erster Testlauf brachte laut Verkehrsministerium positive Ergebnisse.

Doch das ist offenbar gar nicht so einfach. Noch lassen sich die gesonderten Lkw-Limits nicht an den automatischen Verkehrsbeeinflussungsanlagen anzeigen, geschweige denn mit Radargeräten kombinieren. Vorerst müssen daher die alten Blechschilder genügen.

Außerdem löst die Überwachung technische Schwierigkeiten aus: Die Blitzer können bislang noch nicht sauber zwischen Lastwagen und Pkw trennen. Und die zeitgleiche Erfassung von Autofahrern, die sich ja an ihre eigene Tempobegrenzung halten, ist datenschutzrechtlich zumindest bedenklich.

Zu dichtes Auffahren kann im Ausland nicht verfolgt werden

Auch die Abstandskontrolle stößt an juristische Grenzen. Anders als Temposünden kann zu dichtes Auffahren im Ausland nicht verfolgt werden – bei den vielen Lastwagen aus Polen, Russland und der Ukraine ein Ärgernis. Die Alternative wäre das Kassieren des Bußgelds an Ort und Stelle.

Aber Rauswinken sowie Kontrollen seien personell sehr aufwendig und angesichts überfüllter Parkplätze nur mühsam durchführbar, beklagte Innenminister Pistorius. Gemeinsam mit seinem Verkehrskollegen Lies kündigte er daher eine Initiative an, um die EU-Richtlinie zur Ahndung von Verkehrsverstößen entsprechend auszuweiten.

Von einem „Herumdoktern an Symptomen“ sprach Lies‘ Amtsvorgänger Jörg Bode (FDP). Zwar seien bessere Informationen für Lkw-Fahrer ebenso richtig wie höhere Bußgelder für Abstandsverstöße. Notwendig sei aber eine Beschleunigung von Bauarbeiten durch die vermehrte Einrichtung von Nacht- und Wochenendbaustellen. Als „hilflos“ kritisierte auch CDU-Fraktionsvize Dirk Toepffer das Vorgehen der Landesregierung. „Mit ein paar bunten Plakaten und der Forderung nach verpflichtenden Fahrerassistenzsystem wird sich an der gegenwärtigen Situation auf der A2 nichts ändern.“

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