Wahlkreis 60

Miesner macht’s zum vierten Mal

CDU-Kandidat Axel Miesner hat zum vierten Mal das Direktmandat geholt. Doch bei den zweitstimmen ist die SPD besser als die Christdemokraten
16.10.2017, 00:04
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter von Döllen, Bernhard Komesker, Lars Fischer, Brigitte Lange, Irene Niehaus und Elina Hoepken
Miesner macht’s zum vierten Mal

Axel Miesner (CDU) gestern Abend im Kreise seine Parteifreudne. Er hat das Direktmandat im Wahlkreis erneut verteidigt

Lars Fischer

Osterholz-Scharmbeck. So knapp wie am gestrigen Sonntag war es im Wahlkreis Osterholz schon lange nicht mehr. Drei Mal in Folge hatte Axel Miesner (CDU) seit 2003 das Direktmandat geholt, stets recht deutlich mit bis zu 15 Prozentpunkten Vorsprung vor dem jeweiligen SPD-Herausforderer. Am Ende ging der 52-Jährige aus Worphausen jetzt auch zum vierten Mal in Folge als Erststimmen-Sieger durchs Ziel – mit gerade mal zwei Prozentpunkten oder gut 1100 Stimmen Vorsprung vor dem Ritterhuder Sozialdemokraten Jürgen Kuck, der zum zweiten Mal gegen Miesner angetreten war. Kuck schnitt im Wahlkreis 60 geringfügig schlechter ab als seine Partei, konnte sein persönliches Ergebnis aber spürbar verbessern. Die Wahlbeteiligung war nämlich gegenüber von 58,9 auf 62,5 Prozent gestiegen.

Am Ende des Wahlabends erklärt Axel Miesner, er sei „stolz und dankbar“. Zur Euphorie reicht es nicht, dazu ist der Wahlausgang für die CDU insgesamt zu ernüchternd. Dabei ist dem Worphauser Beachtliches geglückt: Er hat sein Mandat verteidigt, obwohl seine Partei nicht mehr stärkste Kraft im Wahlkreis ist. Am Ende hat Miesner mit 36,1 Prozent die Nase vorn, sein Herausforderer Jürgen Kuck (SPD) kommt auf 34,1 Prozent der Erststimmen. Seine Partei schafft indes nur noch auf 32 Prozent, die SPD zieht bei den Zweitstimmen mit 34,5 Prozent vorbei. Das war 2013 noch ganz anders: Damals lag die CDU noch vor der SPD.

Als das vorläufige Wahlkreis-Ergebnis feststeht, gesteht Axel Miesner, er sei alles andere als siegessicher gewesen. Bei der CDU-Wahlparty in Worphausen ist die Stimmung ähnlich ambivalent wie beim Kandidaten: erleichtert, aber auch deutlich enttäuscht. Eine Analyse für die hohen Verluste seiner Partei im Land hat Axel Miesner wenige Stunden nach der Auszählung nicht zur Hand. Klar ist für ihn aber, dass der Parteiübertritt von Elke Twesten der CDU eher geschadet haben dürfte. „Geholfen hat es uns jedenfalls nicht“, macht Miesner klar. Dass er in den kommenden fünf Jahren in Hannover Oppositionspolitiker sein wird, ist für den Lilienthaler allerdings noch nicht in Stein gemeißelt. Er sagt, Niedersachsen brauche jetzt stabile Verhältnisse und meint damit eine Große Koalition.

Unterdessen bilanziert der knapp geschlagene Jürgen Kuck: „Wir sind stolz, dass wir doch wesentlich zum guten Abschneiden der SPD auf Landesebene beigetragen haben.“ Dass er über die Liste in den Landtag komme, halte er für unrealistisch, so der 54-jährige Berufsschullehrer. Mit Platz 41 liege er zu weit hinten. „So ist Demokratie“, sagt Kuck und ergänzt: „Ich bin froh, dass der Stress vorbei ist.“ Noch so eine Woche hätte er nicht durgehalten. Der Wahlkampf 2013 sei damit nicht vergleichbar. „Der war zwar länger, aber dafür auch entspannter.“

Die Grünen werden wie schon 2013 drittstärktse Kraft. Für sie ist wie 2013 Benjamin Meyer ins Rennen gegangen, der nun feststellen muss, dass seine Partei im Wahlkreis rund sechs der vormals 17 Prozentpunkte einbüßt. Dem 32-jährigen Erzieher gelingt immerhin ein Achtungserfolg. In seinem Heimatort Worpswede holt er 14,4 Prozent der Erststimmen, seine Partei 13,1 Prozent der Zweitstimmen und damit deutlich mehr als im Lande. Dass seine Partei Stimmen verlor, hat für Meyer auch mit dem Parteiübertritt von Elke Twesten zu tun: „Dieser Vertrauensverlust fällt auf uns zurück.“

Auf Rang vier behauptet sich die FDP mit dem Grasberger Torsten Staffeldt, der 5,9 Prozent auf sich vereinigt und nicht über Liste ins Landesparlament einziehen wird. „Unser Ergebnis ist leider nicht so wie wir es uns vorgestellt haben“, bedauert der 54-Jährige am Abend. „Wir hatten uns erhofft, mit der CDU einen Politikwechsel hinzubekommen.“ Das schlechte Abschneiden der Liberalen führt der Maschinenbau-Ingenieur auf den polarisierenden Wahlkampf der großen Parteien zurück. „Erfahrungsgemäß leiden die Kleinen darunter.“ Die verkürzte Wahlkampf-Zeit sei auch ein Problem gewesen, sagt Staffeldt, der von 2009 bis 2013 für die Liberalen im Bundestag saß.

Herbert Behrens, Direktkandidat der Linken, zeigt sich nach den ersten Hochrechnungen enttäuscht. Da zeichnet sich ab, dass die Partei an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern würde. Der Osterholz-Scharmbecker sieht dennoch positive Aspekte. Immerhin habe man zugelegt; doch die Aussicht auf eine Regierungsbeteiligung in einer rot-rot-grünen Koalition "wäre nur eine theoretische Möglichkeit gewesen“, fügt er hinzu. Er sehe die Linken einer Abgrenzungsstrategie ausgesetzt. Nach acht Jahren hat der Linken-Politiker vor drei Wochen sein Bundestagsmandat verloren; nun bleibt ihm der Sitz im Stadtrat von Osterholz-Scharmbeck. „Ich werde in meinen Beruf zurückkehren und ehrenamtliche Politik machen“, kündigt er an, der bis 2009 als Gewerkschaftssekretär tätig war. Ein Ruhestand komme für ihn, Jahrgang 1954, nicht infrage.

Klaus Wichmann indes, das ist sicher, wird in der kommenden Wahlperiode für die AfD im Landtag sitzen. Dennoch reagiert der Kandidat am Wahlabend eher pragmatisch auf sein Ergebnis. Insgesamt holte er sechs Prozent der Erststimmen. „Als Politiker ist man natürlich nie vollständig zufrieden mit seinem Ergebnis“, sagt er. Wichtig sei aber, dass die Partei es in den Landtag geschafft habe. Auch wenn das Zweitstimmen-Ergebnis für die AfD im Wahlkreis 60 schlechter ausfiel als bei der Bundestagswahl.

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