Studie zu Partikeln in Kläranlagen / In Oldenburg werden Tuchfilter eingesetzt

Mikroplastik im Abwasser

Plastik ist überall: Flaschen, Tüten, Becher, Alltagsgegenstände. Winzige Plastikteilchen werden zum Problem, wenn sie ins Abwasser geraten. Kläranlagen können nur einen Teil herausfiltern:
31.10.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Sönke Möhl

Plastik ist überall: Flaschen, Tüten, Becher, Alltagsgegenstände. Winzige Plastikteilchen werden zum Problem, wenn sie ins Abwasser geraten. Kläranlagen können nur einen Teil herausfiltern:

Kläranlagen sind mit Mikroplastik im Abwasser überfordert. Nur eine teure Schlussfiltration kann die Belastung drastisch reduzieren, wie eine Untersuchung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) ergab. Mikroplastik besteht aus Teilchen von weniger als fünf Millimetern Größe. Die Partikel stammen aus Kosmetik oder Zahnpasta, Bruchstücke und Fasern entstehen durch Abrieb und Zersetzung von Plastikgegenständen oder Fleecepullovern. Mikroplastik ist ein ökologisches Problem, weil es Schadstoffe an sich bindet und in die Nahrungskette gelangt.

Für die am Donnerstag veröffentlichte Untersuchung, die der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) und der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Auftrag gegeben haben, wurden Proben aus dem Ablauf von zwölf Kläranlagen entnommen. Die Belastung reichte von 86 Partikeln pro Kubikmeter bis zu 714 je Kubikmeter und bei Fasern von 98 bis 1479 pro Kubikmeter.

Einzig die Kläranlage Oldenburg verfügt über eine Schlussfiltration, einen sogenannten Tuchfilter. Diese reduzierte die Gesamtfracht von Mikroplastikpartikeln und -fasern um 97 Prozent. Bei einer Kläranlage fielen die Werte mit mehr als 13 000 Partikeln je Kubikmeter völlig aus dem Rahmen. Dort sei unbedingt eine weitere Untersuchung nötig, sagte der Mikrobiologe des AWI, Gunnar Gerdts, der die Proben auf Helgoland untersucht hat.

Partikel gelangen in Vorfluter

Je nach Anlagengröße gelangen pro Jahr zwischen 93 Millionen und 8,2 Milliarden Partikeln in die Vorfluter und damit in die Flüsse. Auch im Klärschlamm wurden große Mengen Mikroplastik gefunden. Je Kilogramm Trockenmasse waren es zwischen gut 1000 und mehr als 24 000 Teilchen. Für jede Kläranlage ergibt das hochgerechnet Werte zwischen 1,2 und 5,7 Milliarden Partikeln und Fasern. Wenn Klärschlamm auf Felder ausgebracht wird, gelangen die Teilchen abermals in die Umwelt.

Die Studie ist nach Gerdts Angaben bisher einmalig, weil erstmals Mikroplastik nicht nur optisch erfasst und gezählt wurde. Mit Hilfe von Spektroskopieverfahren konnten verschiedene Kunststoffe wie Polyamid, Polyethylen oder Polystyrol identifiziert und von natürlichen Materialien abgegrenzt werden. Eine ähnliche Studie zur Rückhaltefähigkeit von Kläranlagen gab es bisher aus dem russischen St. Petersburg.

Gerdts regte an, auch in Flüssen nach Mikroplastik zu suchen. Durch die bisherigen Arbeiten des AWI sei Mikroplastik auch im Meeressediment und -wasser nachgewiesen worden – „allerdings in geringen Mengen“. Welche Auswirkungen dies auf Lebewesen habe, sei noch weitgehend unerforscht. Nach einer Studie der englischen University of Exeter lösen aufgenommene Hart-PVC-Teilchen Entzündungsreaktionen bei Wattwürmern aus. Nach einer Schätzung von Hubert Keckeis von der Universität Wien finden sich in der Donau im Schnitt 317 Partikel je 1000 Kubikmeter Wasser.

OOWV-Bereichsleiter Andreas Körner verwies auf den Erfolg der Schlussfiltration im Oldenburger Klärwerk, forderte aber: „Der Eintrag von Mikropartikeln muss viel früher, schon bei der Herstellung von Produkten, vermieden werden.“ Ähnliche Forderungen erheben Umweltschutzverbände wie beispielsweise Greenpeace oder der BUND.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+