Niedersachsen

Milchtankstellen sind immer beliebter

Seit vergangenem Jahr gibt es im Bremer Umland immer mehr Milchtankstellen. Die Automaten sind rund um die Uhr betriebsbereit. Nachteil der frischen, rohen Milch: Sie ist nicht ganz so lange haltbar.
02.08.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Dirk Zweibrock
Milchtankstellen sind immer beliebter

Die drei von der Milchtankstelle: Ingrid Kröger-Peuckert ist Stammkundin am Automaten von Wilhelm und Marita Haarberg.

Udo Meissner

Nachts um drei an der Milchtankstelle. Der Bewegungsmelder geht an, die Jugendlichen zapfen sich einen frischen Liter Milch, verfeinern diesen mit einem Schlückchen Likör 43. Diese Szenen spielen sich am Wochenende an so mancher Milchtankstelle im Bremer Umland ab, denn die Milchautomaten sind rund um die Uhr, 24 Stunden lang, betriebsbereit. Seit vergangenem Jahr schießen Milchtankstellen in Butenbremen wie Pilze aus dem Boden.

Familie Haarberg aus Warpe in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya hat Anfang Mai ihre Milchtankstelle eröffnet. Seitdem ist Ingrid Kröger-Peuckert Stammkundin an der Zapfsäule. Eine Tasse Kaffee ohne frische Milch vom Bauernhof ist für sie einfach undenkbar.„Ich trinke in der Woche 15 bis 18 Liter Milch, komme deswegen fast jeden Tag hierher“, erzählt die passionierte Milchtrinkerin und schiebt eine Glasflasche in das Abfüllfach. Mit einem Euro pro Liter ist sie dabei. Sie wolle einfach wissen, woher ihr Lieblingsgetränk komme, sehen, wie „die Kühe durch die Wiesen hüpfen“. Klar, dass Haarbergs ihren Kunden auch Zutritt zum Kuhstall gewähren. Dort stehen 40 Milchkühe, überwiegend Schwarzbunte. „Mein Mann meint immer, dass die gefleckten Tiere Kakao-Kühe sind“, ulkt Ingrid Kröger-Peuckert. Nachdem sie drei Liter Milch abgefüllt hat, reinigt sich der Abfüllbereich des Automaten wie von Zauberhand. Damit die paar Spritzer Milch, die beim Zapfen daneben gegangen sind, nicht antrocknen.

„Im Nachbardorf, in Wietzen, gibt es einen Kartoffelautomaten. Irgendwann haben wir uns dann gefragt, ob es nicht auch einen Milchautomaten gibt“, erinnert sich Marita Haarberg. Fündig geworden ist die Familie dann bei der Firma Hensing in Emsdetten. „Geld rein, Milch raus. Das Prinzip ist eigentlich ganz simpel“, findet Mitarbeiterin Kira Wöller. Sie ergänzt, dass die Automaten selbstverständlich auch geeicht werden müssten. „Ich habe aber auch schon erlebt, dass einer einen zusammengeknüllten Fünf-Euro-Schein ins Münzfach gesteckt hat“, weiß Wilhelm Haarberg, dass es dann doch schon mal den einen oder anderen Kunden gibt, der sich mit der Bezahlung etwas schwertut. Einen Schlitz für EC-Karten sucht der Kunde am Milchautomaten nämlich vergebens, dafür gibt er aber Wechselgeld aus. „Solange es noch Scheine und Münzen gibt, wird bei uns auch so bezahlt“, betont Marita Haarberg.

Im Frühjahr 2014 hat Wolfgang Johanning aus Rehden (Diepholzer Südkreis) eine der ersten Milchtankstellen in Butenbremen eröffnet. Nun sei er gerade dabei, eine Regionalmolkerei aufzubauen, erzählt er. Knapp ein Jahr später hat Familie Mahlstedt aus Varrel in der Gemeinde Stuhr nachgezogen. „Unsere Milchtankstelle wird von den Kunden sehr gut angenommen“, freut sich Heike Mahlstedt. Viele Kunden würden sogar extra aus der Bremer Neustadt zu ihnen aufs Land kommen, sagt sie. Im Gegensatz zum Haarbergschen Bewegungsmelder brennt in Mahlstedts Milchtankstelle das Licht nachts komplett durch. „Man wundert sich schon, was da zu dieser Uhrzeit alles durchgeht“, berichtet auch Heike Mahlstedt von Jugendlichen, die frisch gezapfte Milch mit Likör 43 trinken. „Das schmeckt echt gut.“ Sie muss die Vorlieben der jungen Leute ja kennen, schließlich kann sie direkt von ihrem Wintergarten in die Milchtankstelle gucken. Wie hieß es doch früher immer so schön? Milch macht müde Männer munter.

Auch Familie Peters aus Lunsen in der Samtgemeinde Thedinghausen hat im vergangenen Jahr eine Milchtankstelle auf ihrem Hof errichtet und um ein kleines Selbstbedienungslädchen erweitert.

Nachteil der frischen, rohen Milch: Sie ist nicht ganz so lange haltbar. „So um die drei Tage“, sagt Marita Haarberg. Stammkundin Ingrid Kröger-Peuckert sieht das nicht ganz so eng: „Ich hatte die auch schon mal fünf Tage lang im Kühlschrank stehen. Die Milch hat immer noch super geschmeckt.“ Kommt bei einer leidenschaftlichen Milchtrinkerin aber eher selten vor. „Meistens ist sie schon vorher alle“, gesteht Ingrid Kröger-Peuckert.

Vor dem Verzehr sollten die Kunden die Milch besser abkochen. Dieser Hinweis klebt nicht nur an den Milchautomaten, sondern sei auch gleichzeitig gesetzliche Vorschrift, wie Wilhelm Haarberg erläutert. Seine Milchtankstelle an der Kreisstraße von Bücken nach Wietzen hat er liebevoll mit Blümchen und einer alten Milchkanne dekoriert. „Die Hütte kommt aus dem Baumarkt“, erzählt der Landwirt aus Warpe. Zum Vergleich: Fasst die nostalgische Milchkanne noch 20 Liter Milch, bringt es der Milchtank im kühlschrankähnlichen Automaten auf ein Vielfaches. Insgesamt 200 Liter Milch finden dort Platz.

Bevor Haarbergs Milch in die Zapfsäule gelangt, wird sie vorher im Tank von 37 Grad auf vier Grad Celsius runtergekühlt. „Zum Schluss verbleibt im Milchkübel ein kleiner Rest. Den bekommen dann unsere Kälbchen“, sagt Marita Haarberg. Später reinige sie den Milchtank dann mit Spüli, Bio-Spülmittel wohlgemerkt. Stichwort Sauberkeit: Marita Haarberg empfiehlt Kunden wie Ingrid Kröger-Peuckert Glasflaschen: „Plastikflaschen laufen in der Spülmaschine doch immer so schnell ein.“

Eine Liste zu den Milchtankstellen in Niedersachsen finden Sie hier

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