Landwirte begrüßen Umdenken der Politik

Minister fordert begrenzte Abschussfreigabe für Wölfe

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt fordert eine beschränkte Abschussfreigabe für Wölfe, da der Ausbreitung Grenzen gesetzt werden müssen. Dies begrüßt auch der niedersächsische Landesbauerverband.
07.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Elisa Makowski, Elena Metz und Justus Randt

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt fordert eine beschränkte Abschussfreigabe für Wölfe, da der Ausbreitung Grenzen gesetzt werden müssen. Dies begrüßt auch der niedersächsische Landesbauerverband.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) fordert eine beschränkte Abschussfreigabe für Wölfe. „Der Wolf hat bei uns keine natürlichen Feinde. In einem dicht besiedelten Land wie bei uns müssen der Ausbreitung Grenzen gesetzt werden“, sagte Schmidt der „Passauer Neuen Presse“: „Mir scheint, wir sind an einen Punkt angekommen, an dem gehandelt werden muss.“

Auch die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann (CDU) aus Leer forderte, Wölfe für den Abschuss freizugeben. Der niedersächsische Landesbauerverband begrüßt den Vorstoß ausdrücklich.

In anderen Ländern gibt es eine beschränkte Abschussfreigabe

Landwirtschaftsminister Schmidt sagte, in anderen Ländern gebe es bereits eine Obergrenze für die Zahl der Wölfe und eine beschränkte Abschussfreigabe. „So etwas brauchen wir auch in Deutschland.“ Der Wolf sei kein jagdbares Wild, aber eine Regulierung des Bestandes müsse möglich sein.

„Es geht nicht darum, den Wolf wieder aus Deutschland zu vertreiben. Wir müssen ihn einhegen“, forderte der CSU-Politiker. Beim Schutz der Landwirtschaft und der Viehhaltung vor „Problemwölfen“ müssten Bund und Länder gemeinsam vorgehen.

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Eine Abschussfreigabe forderte auch die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann (CDU). „Wir dürfen nicht abwarten, bis ein Mensch zu Schaden kommt“, sagte Connemann der Oldenburger „Nordwest-Zeitung“. Der Abschuss von Wölfen dürfe kein Tabu sein, sagte die CDU-Politikerin.

In Niedersachsen leben seit 2006 wieder Wölfe in freier Wildbahn, Experten schätzen ihre Zahl auf 70 bis 80. In vielen europäischen Staaten und auch in Deutschland sind Wölfe streng geschützt. Das bedeutet, dass sie weder getötet noch verletzt werden dürfen.

Bei Missachtung drohen hohe Geld- und sogar Haftstrafen. Der Abschuss eines Wolfes ist nur in Ausnahmefällen erlaubt, wenn ein Tier mehrfach Probleme macht oder seine natürliche Scheu verloren hat.

Sicherheit der Menschen steht an erster Stelle

Das niedersächsische Umweltministerium plädierte für einen Interessensausgleich zwischen Artenschutz und Belangen der Nutztierhalter: Bei allen Maßnahmen stehe jedoch die Sicherheit der Menschen immer an erster Stelle. Niedersachsen habe im vergangenen Frühjahr als erstes und bisher einziges Bundesland aus Gründen der Vorsorge und Gefahrenabwehr angeordnet, einen Wolf töten zu lassen, teilte das Ministerium in Hannover mit.

Das als „Kurti“ bekannt gewordene zwei Jahre alte Tier habe sich auffällig verhalten und seine natürliche Scheu vor Menschen verloren. Mildere Mittel der Vergrämung waren trotz des Einsatzes eines Experten aus Schweden nicht erfolgreich gewesen.

Connemann wirft Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) vor, die „Tatsachen zu ignorieren“: Die Zahl der „Problem-Wölfe“ nehme besorgniserregend zu. „Kurti“ allerdings war vermutlich angefüttert worden und war deshalb nicht wie erwartet vor Menschen zurückgeschreckt. Zuletzt demonstrierten im Dezember niedersächsische Tierhalter in Hannover, weil es an Schutz für Schafe, Damtiere und Rinder mangle.

46 Rudel leben in Deutschland

Nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz leben in Deutschland derzeit 46 Rudel, 15 Paare und mehrere Einzeltiere in freier Wildbahn. Die meisten Wölfe gibt es in Sachsen und Brandenburg.

Niedersachsens Landesbauernverband begrüßt den Ruf von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) nach einer beschränkten Abschussfreigabe für Wölfe. „Die Schutzmaßnahmen gegen Wölfe überfordern die Landwirte und verursachen zusätzlich hohe Kosten“, sagte Landvolk-Sprecher Sebastian Kulmann am Freitag.

Alles einzuzäunen funktioniere für Weidetierhalter nicht. In Sachsen-Anhalt unterstützt der Landesbauernverband eine Abschusserleichterung. „Weidetierhalter sind mit den Nerven am Ende“, sagte Verbandssprecher Christian Apprecht.

Keine Tabus mehr

Bei der Debatte dürfe es keine Tabus mehr geben, ­hatte im November bereits Eckehard Niemann, Sprecher des Landesverbandes der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Niedersachsen/Bremen, gefordert. „Ich wünsche mir, dass der Wolf dort, wo Weidehaltung bei uns praktiziert wird, nicht mehr vorkommt“, ­sagte er.

Das Umweltministerium in Hannover unterstreicht, dass der Wolf unter Artenschutz stehe und der Abschuss einzelner Tiere im Ausnahmefall schon jetzt möglich sei. Minister Stefan Wenzel fordert dennoch eine Überarbeitung der Vorschriften beim Umgang mit gefährlichen Wölfen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte sich kürzlich ebenfalls für eine stärkere Regulierung des Wolfsbestandes in Niedersachsen ausgesprochen. Bei Problemwölfen sollte es größere Spielräume geben, sagte er.

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