Appell an Schweinehalter und Jäger in Niedersachsen

Minister warnt vor Schweinepest

Hannover. Niedersachsen warnt vor der Afrikanischen Schweinepest. Ein Ausbruch der Tierseuche wäre verheerend für Deutschland.
04.02.2014, 17:24
Lesedauer: 2 Min
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Minister warnt vor Schweinepest
Von Silke Looden

Noch ist das Virus weit weg. Litauen meldete in der vergangenen Woche erste Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Damit ist die Tierseuche in der Europäischen Union und ihrem Binnenmarkt angekommen. „Jetzt geht es darum, Vorsorgemaßnahmen zu treffen und zu verhindern, dass die Afrikanische Schweinepest nach Niedersachsen eingeschleppt wird. Ausschließen kann man das aber leider nicht“, sagte Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) gestern gegenüber dem WESER-KURIER.

Ein Ausbruch der Schweinepest in Niedersachsen wäre eine Katastrophe aus Sicht des Ministers. Millionen Schweine müssten getötet werden. Denn einen Impfstoff gegen die hoch ansteckende Krankheit gibt es bis heute nicht, warnt das Friedrich-Löffler-Institut, das im Auftrag des Bundes forscht. Niedersachsen wäre als Schweineland Nr. 1 von einem Ausbruch der Tierseuche besonders betroffen. Jedes dritte der bundesweit mehr als 27 Millionen Borstenviecher kommt aus Niedersachsen.

Meyer appelliert an die Schweinehalter, die Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Dazu zählen Desinfektionsmatten an der Türschwelle zum Schweinestall, aber auch Schutzkleidung für die Tierhalter. Streng verboten ist es, Speiseabfälle an Schweine zu verfüttern, insbesondere unkontrolliert eingeführte Wurst- und Fleischwaren, in denen das Virus lange überlebt. Der Kontakt der Nutztiere zu Wildschweinen müsse vermieden werden, betont das Landesamt für Verbraucherschutz. Das sei insbesondere für die Freilandhaltung ein Problem. Auch wenn die Krankheit für Menschen nicht ansteckend sei, könnten diese das Virus übertragen. Als Risikogruppen gelten Lastwagenfahrer, die das Virus möglicherweise aus Osteuropa einschleppen, oder Jäger, die mit infizierten Wildschweinen in Kontakt kommen. Wer einen Verdacht auf Schweinepest hat, muss diesen den Behörden melden.

Die Schweinepest überschattete gestern das Fachforum Schweinehaltung in Cloppenburg. Etwa 1000 Vertreter aus Land- und Fleischwirtschaft sowie aus der Lebensmittelbranche trafen sich um die Initiative „Tierwohl“ voranzubringen, sahen sich aber jäh mit der Tierseuche konfrontiert, die sich inzwischen auf den Schweinefleischmarkt auswirkt.

Nach Angaben des Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) ist der Preis pro Kilogramm Schweinefleisch gestern auf 1,54 Euro gesunken. „Das bedeutet etwa fünf Cent pro Kilogramm oder fünf Euro pro Tier weniger als vor einer Woche“, erklärt ISN-Marktexperte Matthias Quaing.

Wegen der Schweinepest hat Russland bereits ein Importverbot für Schweinefleisch aus der EU verhängt. Davon seien deutsche Schweinemäster aber weniger betroffen als polnische oder dänische, sagt Quaing. Deutschland habe im vergangenen Jahr etwa 2,8 Millionen Tonnen Schweinefleisch exportiert, davon 750 000 Tonnen in Drittländer wie China, und davon wiederum 160 000 Tonnen nach Russland. „Der Export nach Russland scheitert oft an der Bürokratie“, erklärt der Experte. Die EU hat Russland aufgefordert, das Importverbot aufzuheben. Da die Afrikanische Schweinepest aber wiederholt in Russland aufgetreten ist, sind die Behörden dort besonders vorsichtig. Normalerweise gehen etwa ein Viertel der EU-Ausfuhren an Schweinefleisch nach Russland. Das sind etwa 750 000 Tonnen im Jahr.

In Deutschland ist das Virus bislang nicht aufgetreten. Es unterscheidet sich von der klassischen Schweinepest (KSP). Die Symptome sind jedoch ähnlich. Infizierte Tiere bekommen hohes Fieber, Hautrötungen, werden apathisch. Die Ansteckungsgefahr ist hoch, die Todesrate ebenfalls. Meist sterben erkrankte Schweine innerhalb von sieben Tagen. Infizierte Zuchtsauen haben häufig Fehlgeburten.

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