Verzicht auf Schnabel-Amputation Minister will Legehennen schützen

Hannover. Die grausame Schnabel-Amputation bei Legehennen soll es ab 2016 in Niedersachsen nicht mehr geben. Agrarminister Christian Meyer (Grüne) will die Eierproduzenten mit Anreizen zum freiwilligen Verzicht bewegen.
09.07.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Peter Mlodoch

Hannover. Die grausame Schnabel-Amputation bei Legehennen soll es ab 2016 in Niedersachsen nicht mehr geben. Agrarminister Christian Meyer (Grüne) will die Eierproduzenten mit Anreizen nach dem Vorbild Österreichs zum freiwilligen Verzicht bewegen, das Kürzen notfalls aber auch per Erlass stoppen. Für die Verbraucher könnte ein Ei einige Cent teurer werden.

Die Methode ist so schmerzhaft wie umstritten: Mit 800 Grad heißen Messern oder Infrarot-Bestrahlung wird Küken der Schnabel gekürzt. "Es geht nicht um ein bisschen Hornhaut, dem Tier wird ein empfindliches Tastorgan regelrecht abgeschnitten", erklärte Meyer gestern in Hannover. Die Amputation soll später gegenseitiges Federpicken und Kannibalismus unter Legehennen verhindern. Der Eingriff ist in Deutschland als Ausnahme zugelassen, laut Ministerium in Niedersachsen aber längst zur Regel geworden. 99 Prozent aller rund 11,8 Millionen Legehennen hierzulande seien davon betroffen.

Dass es auch ohne geht, zeigt Österreich. In der Alpenrepublik, der Meyer am Wochenende in Begleitung von Wissenschaftlern, Bauern und Handelsvertretern seine erste Auslandsreise abstattete, ist das Schnäbelkürzen seit 2005 tabu. "Der Verzicht ist selbst in konventionellen Großbetrieben möglich, die man als industriell bezeichnen könnte ", berichtete der Minister. Die Tiere seien gesund, die Mortalitätsraten nicht gestiegen. Dafür aber habe die Eierproduktion zugelegt: Während Niedersachsen einen Rückgang bei Legehennen zu verzeichnen habe, seien die Bestände in Österreich deutlich auf 5,8 Millionen gestiegen, meinte Meyer. "Der Ausstieg ist also auch wirtschaftlich." Bis Ende 2016 will der Minister das Ende der tierquälerischen Methode auch in Niedersachsen durchsetzen. Das Datum hat er aus dem schon von seinem CDU-Vorgänger Gert Lindemann aufgestellten Tierschutzplan übernommen.

Sein Besuch beim Nachbarn in den Alpen habe auch so manches Argument der Kürzungsbefürworter entkräftet, betonte der Minister: Die österreichischen Eierproduzenten benutzten die gleichen Hühnerrassen und die gleichen Stallsysteme wie in Niedersachsen. Den Unterschied macht laut Robby Andersson, Professor an der Hochschule Osnabrück, das Futter aus. Mehr faserreiche Kost, also etwa ballaststoffhaltige Sonnenblumenkerne statt energiereiches Soja, sorge für die nötige Ablenkung.

"Eine Henne, die mehr fressen muss, beschäftigt sich weniger mit ihrer Nachbarin," sagte Andersson Wenn es trotzdem zur Pickerei komme, könne man notfalls die Tiere mit einer Abdunklung der Ställe beruhigen. Der Haken: Die Futterumstellung, die schon bei der Aufzucht von Küken zur Henne beginnen müsse, verteure die Eierproduktion. In Österreich bekommen die Erzeuger nach dem Aus für Amputationen zwei bis vier Cent pro Ei mehr, entsprechend tiefer müssen auch die Endverbraucher in die Tasche greifen. Der Minister glaubt, dass die hiesigen Kunden das mitmachen würden: "So viel anders ist der niedersächsische Käufer nicht."

Nach österreichischem Vorbild will Meyer Erzeuger und Handel zum freiwilligen Verzicht bewegen – durch wissenschaftliche Schulung und Beratung der Landwirte, durch Anreize wie einen Entschädigungsfonds, der finanzielle Folgen durch Kannibalismus ausgleicht und durch ein einheitliches Gütesiegel. Die Vertreter der Produzenten und von zwei großen Supermarktketten, die den Minister nach Österreich begleiteten, haben laut Meyer ihre Zustimmung bereits bekundet. Sollte der Ausstieg auf diese Weise nicht klappen, will der Minister per Erlass nachhelfen: Ausnahmegenehmigungen fürs Schnäbelkürzen soll es dann in Niedersachsen nicht mehr geben. Mit einer Bundesratsinitiative noch in diesem Jahr will Niedersachsen zudem die Mindeststandards für die Junghennen-Haltung verschärfen.

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