Nitratgefahr fürs Grundwasser Ministerium stellt Messwerte online

Die Nitratbelastung des Grundwassers in Niedersachsen steigt. Wo genau die Gefährdung besonders groß ist, kann jetzt jeder im Internet nachschauen. Das Umweltministerium in Hannover stellt die Daten online.
21.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Ministerium stellt Messwerte online
Von Silke Looden

Die Nitratbelastung des Grundwassers in Niedersachsen steigt. Wo genau die Gefährdung besonders groß ist, kann jetzt jeder im Internet nachschauen. Das Umweltministerium in Hannover stellt die Daten online. Mit einem Klick lassen sich einzelne Messstellen aufrufen – interaktiv und niedersachsenweit.

„Das Grundwasser ist aufgrund hoher Stickstoffeinträge in vielen Teilen Niedersachsens mit Nitrat belastet“, bestätigt das niedersächsische Umweltministerium in Hannover. Insbesondere in landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen ist der Nitrat-Schwellenwert für Trinkwasser von 50 Milligramm pro Liter teils überschritten. Im Jahr 2013 war dies nach Ministeriumsangaben an 170 von 1062 Messstellen der Fall. Wo genau, das zeigt eine neue interaktive Karte, die das Ministerium jetzt online gestellt hat. Einzelne Messstellen sind hier bis auf Gemeindeebene für jeden abrufbar.

Erstellt hat die aufwendige Karte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Norden. Zwischen 2008 und 2013 wurden dafür Proben an 1062 Messstellen genommen. Regional erhöhte Nitratwerte gibt es demnach insbesondere in den sandigen Geestgebieten, wo die Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft schneller bis ins Grundwasser durchsickern als in Marsch oder Moor. Erhöhte Nitratbelastungen weisen aber auch Ems, Weser und Elbe auf. Inzwischen gilt bereits ein Drittel des oberflächennahen Grundwassers in Niedersachsen als belastet, bei landwirtschaftlichen Nutzflächen gilt gar die Hälfte der Böden als belastet.

Mit der Gülle aus Mast- und Milchviehbetrieben sowie mit den Gärresten aus Biogasanlagen gelangt der Nährstoff in die Erde. Wird zu viel gedüngt, können die Böden den Stickstoff nicht mehr aufnehmen, sodass er bis ins Grundwasser durchsickert. Genau hier liegt das Problem. Mit einer neuen Düngeverordnung will Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) gegensteuern. Der vorliegende Entwurf stellt jedoch einen Kompromiss dar. Schmidt spricht denn auch von einem „Ausgleich zwischen Umweltinteressen einerseits und praktikablen Lösungen für die Landwirtschaft andererseits“.

Im Kern sieht die neue Düngeverordnung, die Ende des Jahres in Kraft treten soll, vor, dass die Ausbringung von Nitrat stärker reglementiert wird – durch längere Sperrfristen und härtere Strafen bei Überdüngung. An der Obergrenze von maximal 170 Kilogramm Nitrat pro Hektar und Jahr aber soll sich nichts ändern. Für den Minister ist die Überdüngung letztlich ein Managementproblem: „Wir müssen erreichen, dass die Nährstoffe dort ausgebracht werden, wo sie benötigt werden, und nicht immer nur dort, wo sie anfallen.“

Für Niedersachsen könnte dies bedeuten, dass viehintensive Regionen wie Cloppenburg oder Vechta die dort anfallende Gülle in die Ackerbauregionen in Südniedersachsen verkaufen. Das geschieht bereits zum Teil. Von Gülletourismus kann aber noch nicht die Rede sein. Denn insbesondere die Grenzregionen im Nordwesten werden zusätzlich durch Gülle-Importe aus den Niederlanden belastet.

Das niedersächsische Umweltministerium warnt denn auch vor der Gefahr für das Grund- und damit für das Trinkwasser. Nitrat kann sich im menschlichen Körper zu Nitrit umwandeln, das wiederum zusammen mit eiweißhaltigen Lebensmitteln krebserregende Nitrosamine bilden kann. Bei Säuglingen kann dies zur sogenannten Blausucht führen. Diese bedeutet eine Erstickungsgefahr.

Die Europäische Kommission hat bereits 2013 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland angestrengt, weil sie die EG-Nitratrichtlinie nicht ausreichend umgesetzt sieht. Mit der neuen Düngeverordnung will der Bund einer etwaigen Strafzahlung an die Europäische Union zuvor kommen. Diese hatte eine Frist bis Ende 2015 gesetzt.

Wie aus der interaktiven Karte hervorgeht, wird der Grenzwert von 50 Milligramm je Liter teils auch in der Region um Bremen überschritten. Nördlich der Hansestadt weisen die Gemeinden Uthlede und Driftsethe (Landkreis Cuxhaven) sowie die Gemeinde Ritterhude (Landkreis Osterholz) erhöhte Nitratwerte im Grundwasser auf, im Süden sind es die Gemeinden Bassum (Landkreis Diepholz) und Dörverden (Landkreis Verden), im Osten Scheeßel und Bötersen (Landkreis Rotenburg).

Die interaktive Karte zum Nitratgehalt im Grundwasser ist im Internet unter www.umwelt.niedersachsen.de abrufbar.

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