Frank Horch zu seiner Entscheidung, als Wirtschaftssenator ins Schattenkabinett von Olaf Scholz (SPD) zu gehen "Mir geht es ums Handeln für Hamburg"

Es war die große Überraschung im bisherigen Hamburger Wahlkampf: Frank Horch, bis dato
19.01.2011, 05:00
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Es war die große Überraschung im bisherigen Hamburger Wahlkampf: Frank Horch, bis dato

Präses der Handelskammer, soll Hamburger Wirtschaftssenator werden - wenn die SPD an die Macht kommt, was derzeit niemand bezweifelt. Noch vor drei Jahren war der Schiffbau-Ingenieur ein unbeschriebenes Blatt auf dem politischen Parkett. Er galt als untadeliger Manager der Harburg-Freudenberger Maschinenfabrik. 2008 wurde Horch - auch für ihn - völlig überraschend ins Amt des Handelskammer-Präsidenten berufen. Innerhalb von zweieinhalb Jahren hat er sich einen guten Ruf in Hamburg erworben - das Wort des Handelskammer-Präsidenten gilt in der Stadt. Umso mehr überraschte seine Bereitschaft, ins Kabinett von Olaf Scholz (SPD) zu gehen. Mit Horch sprach Wolfgang Stephan.

Frage: Herr Horch, Sie sind seit Donnerstag Kandidat für das Amt des Wirtschaftssenators in Hamburg. Fühlen Sie sich jetzt eigentlich als SPD-Wahlkämpfer?

Frank Horch: Nein, das nicht. In allen Gesprächen, die wir geführt haben, war das nicht der vorrangige Grund. Ich bin angesprochen worden als Mann der Wirtschaft, als ein Insider mit hohen Kenntnissen über die Hamburger Wirtschaft und besonders den Hafen. Der wirtschaftliche Hintergrund und das Handeln für Hamburg stand und steht im Vordergrund.

Ist der Terminkalender gespickt mit Wahlkampfauftritten oder bei Info-Ständen vor Einkaufszentren?

Ich bin ja kein Kandidat auf der SPD-Liste. Ich bin gefragt worden, ob ich das Amt des Wirtschaftssenators übernehmen möchte. Und da habe ich zugesagt, weil es mir

um ein wirtschaftlich starkes Hamburg geht. Um nicht mehr, aber auch um nicht weniger.

Wollen Sie damit sagen, dass Sie mit Ihrer Kandidatur eine solide Wirtschaftspolitik in Hamburg garantieren wollen?

Inhaltlich ja, auf der anderen Seite muss ich sagen, dass die vielen Gespräche, die ich in den letzten Wochen mit Olaf Scholz geführt habe, von einer hohen Vertrauensbasis geprägt waren. Sehr sachlich, sehr zielorientiert. Die Sorge um die Hamburger Wirtschaft, um einen handlungsfähigen Senat und das Bemühen, die wichtigen Entscheidungen nach vorne zu bringen, waren für mich wesentlich, um Olaf Scholz die Zusage zu geben.

Aber auf die SPD-Liste wollten Sie nicht?

Ich will meine Stimme auch weiterhin als Bürger dieser Stadt und Kenner der Wirtschaft erheben.

Ihre Berufung war die Überraschung des Jahres. Wie konnten Sie dies so geheim halten. Das ist nicht normal in Hamburg.

Ich hätte das auch kaum für möglich gehalten. Aber wir haben auf beiden Seiten den Kreis der Informanten sehr klein gehalten. Ich wollte im Vorfeld alle Dinge abgeklärt wissen, die auf diesem Weg notwendig sind. Insofern ist es schon einmalig, dies über einen so langen Zeitraum geheim zu halten.

Als geheim galt lange auch die Tatsache, dass Sie als Wirtschaftssenator bei Christoph Ahlhaus im Gespräch waren. Nach unseren Informationen konnten Sie sich im vergangenen Sommer für ein paar Stunden bereits als Senator bei Christoph Ahlhaus fühlen, bis dann in letzter Minute Ian Karan von der CDU aus dem Hut gezaubert wurde. Ist das nicht ein zu großer Spagat, Wirtschaftssenator unter Christoph Ahlhaus (CDU) und jetzt unter Olaf Scholz (SPD)?

Zunächst mal müssen Olaf Scholz und die SPD die Wahl gewinnen. Für mich galt und gilt das Bekenntnis zur Hamburger Wirtschaft. Ich bin begeistert von der Idee, die Wirtschaft in einer Metropole Europas nach vorne zu bringen. Ich habe seinerzeit gesagt, dass ich bereit wäre, dieses Amt zu übernehmen, aber damals wie heute geht es mir um Hamburg. Man wird leicht seitens der Wirtschaft ins konservative Lager gehievt, dem ist aber nicht so. Als Kammerpräses war ich immer überparteilich tätig.

Sie waren als Präses der Handelskammer der zweitwichtigste Mann in Hamburg hinter dem Bürgermeister. Sie waren hochgeachtet, Ihr Rat war überall willkommen und jetzt gehen Sie in die Politik. Politik ist mit Anfeindungen behaftet, der Wind wird rauer. Ist das Frank Horch klar?

Das weiß ich. Ich bin ja nun vier Jahre auf dieser Bühne dabei. Auf der anderen Seite meine ich, dass Bürgersinn und Verantwortung zu zeigen, für die Zukunft unserer Gesellschaft sehr wichtig ist. Wir können nicht nur immer klagen, dass zu wenig Engagement vorhanden sei, und die falschen Leute politisch aktiv seien. Ich möchte mit meinem Beispiel zeigen, dass man sich in diese Gemeinschaft einbringen muss. Ich bin mir sicher, dass ich das schaffen werde. Wenngleich ich weiß, dass die Zeiten auch mal ungemütlich werden können.

Vor drei Jahren war Frank Horch ein Mann der Wirtschaft, Geschäftsführer bei Harburg-Freudenberger und eher ein Mann der zweiten Reihe. Jetzt stehen Sie überall im Mittelpunkt, sind fast ein Star in Hamburg. Hätten Sie sich das jemals träumen lassen?

Als Star fühle ich mich nicht. Aber so eine Entwicklung hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Ich habe mich nie in das Amt des Präses gedrängt - im Gegenteil, ich wurde sanft gedrängt. Aber es hat sich gelohnt, denn ich habe viel gelernt.

Apropos Respekt: Müssen die Grünen, Ihr möglicher Koalitionspartner, Angst vor einem Wirtschaftssenator Horch haben?

Nein, wir kennen uns. Gegenseitiger Respekt ist auf beiden Seiten vorhanden, und wir kommen persönlich miteinander klar. Die Grünen werden sicherlich konzentriert auf das schauen, was passiert.

Was macht Frank Horch ab dem 20. Februar?

Dann kommt es zunächst auf die Koalitionsverhandlungen an. Und anschließend gilt es, die Koalitionen zu verwirklichen und unsere Ziele umzusetzen. Darauf freue ich mich schon heute, weil ich dafür ganz klare Vorstellungen habe.

Es könnte aber auch sein, wenn die Wahlen ganz anders ausgehen, dass Frank Horch ab dem 20. Februar "nur" noch Bürger von Hamburg ist.

Das könnte so sein. Auch dann beginnt für mich ein ganz anderes Leben, aber auch dafür habe ich keinerlei Befürchtungen. Es kann kommen, was will: Ich werde den Weg gehen, der für mich der richtige ist.

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