Bad Harzburg/Fürstenhagen

Mit Fotofallen auf den Spuren der Luchse

Bad Harzburg·Fürstenhagen. Die Luchse im Harz und in anderen Teilen Südniedersachsens stehen jetzt unter verschärfter Beobachtung. Seit Mitte September sind an 61 Standorten im Harz spezielle Kameras installiert, um die Luchse bei ihren nächtlichen Streifzügen zu fotografieren.
30.10.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Heidi Niemann
Mit Fotofallen auf den Spuren der Luchse

Luchse im Harz

Heidi Niemann

Die Luchse im Harz und in anderen Teilen Südniedersachsens stehen jetzt unter verschärfter Beobachtung. Seit Mitte September sind an 61 Standorten im Harz spezielle Kameras installiert, um die Luchse bei ihren nächtlichen Streifzügen zu fotografieren. Die Fotofallen sind über eine Gesamtfläche von 800 Quadratkilometern verteilt, sagt der Leiter des Harzer Luchsprojekts, Ole Anders. Schon jetzt zeichne sich ab, dass die groß angelegte „Fotosession“ ein Erfolg werde: „Wir haben bereits über 80 Luchsbilder bekommen.“

Mit der noch bis zum Jahresende laufenden konzertierten Foto-Aktion wollen die Forscher herausfinden, wie viele Luchse inzwischen im Harz leben. Die Fotofallen sind mit zwei Kameras ausgerüstet, um so die Tiere aus zwei Richtungen fotografieren zu können. „Wir hoffen, mit dieser Spezialtechnik die Luchse besser identifizieren zu können“, sagt Anders. Bei den bisherigen Aufnahmen standen die Forscher häufig vor dem Problem, dass die hiesigen Luchse nur sehr schwach gefleckt sind und sich dadurch nur schwer voneinander unterscheiden lassen. Mit Hilfe der Doppelfotografie lassen sich charakteristische Kennzeichen besser feststellen.

Auch über die außerhalb des Harzes lebenden Luchse können die Forscher jetzt neue Erkenntnisse gewinnen. In der vergangenen Woche tappte in Fürstenhagen (Kreis Northeim) am Rande des Solling ein Jungluchs in eine von den Mitarbeitern des Harzer Luchsprojektes aufgestellte Kastenfalle. Zuvor hatte dort ein Jagdaufseher ein gerissenes Reh entdeckt und umgehend die Nationalparkverwaltung Harz informiert. Der gefangene Luchs wurde narkotisiert, untersucht und mit einem GPS-Halsbandsender ausgestattet, der regelmäßig ein Positionssignal abgibt. So kann das Projektteam ständig verfolgen, wo sich das Jungtier befindet. Derzeit sind noch vier weitere Luchse, die sich vorwiegend im Harz aufhalten, mit einem Senderhalsband ausgestattet.

Es war bereits das zweite Mal, dass der jetzt als „M8“ registrierte Jungluchs in eine Kastenfalle tappte. Beim ersten Mal im Januar konnte man ihm noch keinen Sender anlegen, weil sein Halsumfang noch zu schmal war. Stattdessen bekam er eine Ohrmarke verpasst. Daran konnten die Forscher nun erkennen, dass ihnen derselbe Luchs in die Falle gegangen war. Im Januar war „M8“ noch in der Obhut seiner Mutter gewesen. Diese war damals mit drei Jungtieren durch den Kaufunger Wald gestreift. Inzwischen ist der Jungluchs allein westlich vom Solling unterwegs, etwa 15 Kilometer Luftlinie von seiner einstigen „Kinderstube“ entfernt. „M 8“ ist ein weiterer Beweis dafür, dass sich die Luchse trotz vieler Widrigkeiten offenbar sehr erfolgreich über den Harz hinaus ausbreiten. #

Die Luchse, die es bis in den Solling geschafft haben, mussten beispielsweise alle die Autobahn 7 überqueren. Mit Hilfe der GPS-Halsbänder haben die Forscher weitere erstaunliche Erkenntnisse über die Lebensweise der Pinselohren gewonnen. Bislang war man davon ausgegangen, dass sich Luchse hauptsächlich in Wäldern aufhalten. Die südniedersächsischen Luchse kommen offenbar auch in halboffenen Landschaften mit landwirtschaftlichen Flächen gut klar und halten sich auch häufiger in Weizen- und Maisfeldern auf. „Das gibt es nirgendwo sonst in Europa“, sagt Anders.

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