Schüler aus acht Bundesländern lassen in Rotenburg Raketen starten

Mit Mini-Satelliten hoch hinaus

Sie sind nur so groß wie eine Getränkedose, aber ausgerüstet mit viel Technik. Für einen Wettbewerb haben Schüler aus acht Bundesländern Satelliten im Mini-Format gebaut. Per Rakete gingen sie in Rotenburg in die Luft.
08.10.2014, 20:00
Lesedauer: 2 Min
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Von IRENA GÜTTELUND YANNICK LOWIN
Mit Mini-Satelliten hoch hinaus

Nachwuchswissenschaftler aus Cuxhaven: Der Satellit der „Sky Divers“ untersuchte bei seiner Mission verschiedene Gase in der Luft.

Yannick Lowin

Sie sind nur so groß wie eine Getränkedose, aber ausgerüstet mit viel Technik. Für einen Wettbewerb haben Schüler aus acht Bundesländern Satelliten im Mini-Format gebaut. Per Rakete gingen sie in Rotenburg in die Luft. Mit dabei waren auch Teams aus Bremen und Niedersachsen.

Der Countdown läuft: „5, 4, 3, 2, 1“. Mit einem lauten Zischen hebt die Rakete ab. Justus Dettki und Golo Völker blicken in 400 Metern Entfernung abwechselnd in den Himmel und auf ihren Laptop, den sie am Rand des Flugplatzes aufgebaut haben. Wenige Sekunden später gleitet ihr kleiner Satellit an einem Fallschirm zu Boden. Ihre Teamkollegen streifen sich orangefarbene Westen über und rennen quer über das Feld, um das Gerät zu bergen.

„Wir haben leider keine Daten auf unserem Laptop empfangen. Das war bisher das Zuverlässigste“, sagt der 17-jährige Golo und zuckt mit den Schultern. Für ihn und seine Mitstreiter aus Herrenberg in Baden-Württemberg war es trotzdem ein Erfolg. „Der Satellit hat funktioniert“, sagt Justus. „Die Daten sind auf ihm gespeichert.“

Es zischt und qualmt: Raketenstart auf dem Flugplatz in Rotenburg.

Es zischt und qualmt: Raketenstart auf dem Flugplatz in Rotenburg.

Foto: CARMEN JASPERSEN, dpa

Mehr als ein halbes Jahr haben sich die Schüler auf den ersten deutschen „CanSat“-Wettbewerb vorbereitet, bei dem zehn Teams aus acht Bundesländern am Mittwoch in Rotenburg gegeneinander antraten. Mit einer Rakete flogen die selbst gebauten Mini-Satelliten in etwa 1000 Meter Höhe und schwebten an Fallschirmen zurück zum Boden. Währenddessen bestimmten sie unter anderem Temperatur, Luftdruck, UV-Strahlung und verschiedene Gase.

Jedes Team hatte sich für den Wettbewerb eine eigene Mission gesucht. So auch Philipp Eggert und das Team des Ökumenischen Gymnasiums aus Bremen. Sie simulierten die Suche nach außerirdischem Leben und bestimmten dafür die UV-Strahlung und die Luftfeuchtigkeit. Die Mission der „Sky Divers“ aus Cuxhaven bestand gleich aus zwei Teilen: Zum einen wollten sie verschiedene Gase in der Luft messen, um herauszufinden, welche Zusammensetzung Leben auf einem Planeten ermöglicht. Wichtiger war den Nachwuchswissenschaftlern aber, einen besonders leichten Satelliten zu bauen, um so dazu beizutragen, richtige Weltraummissionen kostengünstiger zu machen. Denn umso leichter die Satelliten sind, umso mehr Nutzlast können die Shuttles transportieren.

Ins All starteten die Minis im Dosenformat zwar nicht – und sie kreisten auch nicht um die Erde wie echte Satelliten. „Das ist trotzdem sehr nah dran an einer echten Raumfahrtmission“, sagte Dirk Stiefs vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, der den Wettbewerb mitorganisiert hat. Und wie immer in der Raumfahrt gab es strenge Platz- und Gewichtsvorgaben: Der Satellit durfte gerade mal so groß wie eine Getränkedose sein und nicht mehr als 350 Gramm wiegen. Für die 52 Schüler war es deshalb eine echte Herausforderung, die ganzen Bauteile in den Modellen unterzubringen. „Die haben ja alles an Technik drin, was Satelliten auch haben“, sagte der Physiklehrer Daniel Borowski, der ebenfalls zu den Organisatoren gehört. Doch am Ende zählte nicht nur die technische Fertigkeit. Die Teams mussten für ihr Projekt auch einen Finanzplan aufstellen, Sponsoren werben und sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmern. „Es kommt auf das ganze Paket an“, erläuterte Borowski. Eine Jury aus sechs Raumfahrtexperten wird am Freitag die Sieger küren. Sie reisen zum europäischen Wettbewerb im nächsten Jahr.

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