"creArtour" Mit Mut zu Überraschungen

Malerin Daniela und ihr Mann Dieter Revink, der mit Ton arbeitet, stellen zum ersten Mal bei der "creArtour" in Hambergen aus. Über 50 Künstlerinnen und Künstler geben in 23 Ateliers Einblicke in ihre Arbeit.
05.05.2018, 19:36
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulrike Schumacher

Menschen mit Garten schütten ihren Kaffeesatz aus der Espressomaschine gern an die Füße ihrer Rosen, weil sie wissen, dass diese ihnen das mit einer schönen Blütenpracht danken. Daniela Revink hat auch einen Garten, aber mit dem Kaffeesatz aus der Espressomaschine weiß sie noch etwas anderes anzufangen. Vermischt mit Tapetenkleister ergeben die Reste des Wachmachers eine wunderbare Masse für die Leinwand.

Daniela Revink ist Malerin. Bei ihren schöpferischen Prozessen lässt sie sich auch von Dingen inspirieren, die andere als Abfallprodukte bezeichnen würden. Holzspäne zum Beispiel. Damit raut die Künstlerin ihre farbstarken Acrylbilder auf und schafft so unterschiedliche Strukturen. Strukturen reizen auch ihren Mann, der ebenfalls kreativ arbeitet.

Dieter Revinks Material ist der Ton. Auch er verpasst seinen Objekten gelegentlich auf ungewöhnliche Weise etwas Raues. Er mischt Reis unter die Tonmasse oder greift für den Abdruck auf der Oberfläche einer Skulptur auch schon mal zur Häkeldecke. Wer das Paar in seinem Haus in Lübberstedt besucht, stößt mit den Augen an Wänden und auf Schränken und Regalen auf die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Leidenschaft.

Schon in jungen Jahren von der Malerei fasziniert

Draußen auf der überdachten Terrasse können sich demnächst alle Interessierten davon beeindrucken lassen. Zum ersten Mal beteiligen sich Daniela und Dieter Revink in diesem Jahr an den offenen Ateliers in Hambergen und umzu. Bei der sogenannten „creArtour“ geben über 50 Künstlerinnen und Künstler in 23 Ateliers am Sonnabend und Sonntag, 12. und 13. Mai, jeweils von 11 bis 18 Uhr Einblicke in ihre kreative Arbeit.

Einer der Ausstellungsorte ist die Adresse des Künstlerpaares in der Bogenstraße 3 in Lübberstedt. Andere sind die Jugendfreizeitstätte Altes Rathaus in Hambergen (Bremer Straße 4), wo Schüler der Gesamtschule am Wällenberg ihre Kunst ausstellen, der Sophie-Tietjen-Hof (Hauptstraße 12 in Hambergen) oder die Lübberstedter Mühle.

Fasziniert war Daniela Revink schon in jungen Jahren von der Malerei. Sie fühlt sich „inspiriert vom abstrakten Expressionismus“ und wollte schon früh malen. Irgendwann war dieser Wunsch vom Alltag verschüttet worden. Vor dem ernsthaften Griff zum Pinsel stand immer wieder ein „Erstmal“. Erstmal eine Berufsausbildung absolvieren. Erstmal was Solides machen.

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Daniela Revink machte eine Lehre zur Floristin. Dann holte sie das Abitur nach und studierte Gradik-Design mit dem Schwerpunkt visuelle Kommunikation. Seit über 18 Jahren arbeitet sie freiberuflich. Die freie Kunst trat im jahr 2011 wieder in ihr Leben, erzählt Daniela Revink. Die Arbeit mit Pinsel und Farbe sei eine gute Ergänzung zu ihrem Beruf. „Beim Malen kann ich aus dem Format ausbrechen“, erklärt sie.

„Es ist eine andere Arbeit – abstrakt, nur aus dem Gefühl heraus.“ Beides, die berufliche Kreativität und das Malen, würden gegenseitig befruchtend wirken. Daniela Revink freut sich, dass Verschüttetgeglaubtes wieder zum Vorschein gekommen ist. Längst bildet sie sich in Seminaren an der Hochschule Bremen fort und experimentiert mit anderen Kunstformen. In ihrem Haus in Lübberstedt hat sie sich eine Druckwerkstatt eingerichtet. „Ich habe für mich die Radierung wiederentdeckt.“

"Zu Inspirationen einladen"

Experimentell arbeitet auch ihr Mann. Dieter Revinks Tonarbeiten verlangen von ihm den „Mut zur Überraschung“. Gleichwohl geht seinem schöpferischen Prozess aber auch eine planerische Arbeit voraus. Er muss berechnen können, wie welche Tonart beim Brennen reagiert und wie er seine Objekte aufbaut, damit sie am Ende die Form erhalten, die er sich vorgestellt hat. Keramik hatte ihn schon in seiner Schulzeit interessiert, erinnert sich Dieter Revink.

Vor gut fünf Jahren begann der kaufmännische Leiter, sich intensiv mit dem Material Ton zu befassen. Auch er begann, berufsbegleitend an der Hochschule Bremen zu studieren. Dieter Revink erschafft gern Formen, die hohl sind. „Man muss ja auch an das Gewicht denken“, sagt er und stellt eine große Schale auf den Tisch. Wären deren Wände innen nicht hohl, wäre es vermutlich ein Kraftakt, sie anzuheben.

Die Schale könnte als solche genutzt werden, was bei seinen Arbeiten aber eher die Ausnahme ist. „Meine Skulpturen müssen sich keiner Funktionalität unterordnen“, sagt der Künstler. „Ich möchte, dass sie zu Inspirationen einladen.“ Dieter Revink arbeitet auch nicht an einer Drehscheibe. Er formt seine Werke, deren Formen ihren Ursprung in der Natur haben, frei mit seinen Händen.

Die „creArtour“ am Sonnabend und Sonntag, 12. und 13. Mai, ist eine Veranstaltung der Samtgemeinde Hambergen. Über 50 Künstlerinnen und Künstler werden sich an beiden Tagen von 11 bis 18 Uhr in 23 Ateliers präsentieren. Begleitet werden die beiden Tage der Kunst von einem Rahmen- und Mitmachprogramm. Nähere Informationen gibt es auch auf der Internetseite www.creartour-hambergen.de.

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