Hannover

Mitarbeiter aus Politbetrieb schreiben Krimis

Hannover. Ihre Figuren und Handlungsstränge seien natürlich fiktiv, versichert Krimi-Autorin Bettina Raddatz ihren Lesern. „Dennoch fließen tatsächliche Erlebnisse und Erfahrungen im Umgang mit Politikern und Führungskräften der Verwaltung in meine Romane ein.
27.12.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Peter Mlodoch

Ihre Figuren und Handlungsstränge seien natürlich fiktiv, versichert Krimi-Autorin Bettina Raddatz ihren Lesern. „Dennoch fließen tatsächliche Erlebnisse und Erfahrungen im Umgang mit Politikern und Führungskräften der Verwaltung in meine Romane ein.“ Eine mit zahlreichen Morden angereicherte Trilogie über den Politikbetrieb in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat die ehemalige Referatsleiterin der Regierungszentrale in Hannover verfasst. Titel wie „Die Staatskanzlei“ und „Der Spitzenkandidat“ versprechen Insider-Wissen. Ihren kürzlich erschienenen vierten Roman „Die Deutschland-Verschwörung“ hat Raddatz nach Berlin verlegt. Kanzleramt und Bundeskriminalamt müssen darin einen groß angelegten Angriff von üblen Spekulanten und noch übleren Mafia-Bossen auf das deutsche Finanzsystem abwehren.

„Die Wirklichkeit sieht viel banaler aus, als man sich das vorstellt“, sagt der Chef der echten Staatskanzlei, Jörg Mielke (SPD). Die Regierungszentrale ein Hort der Kriminalität? „Wenn, würde ich es ja nicht zugeben“, witzelt der Staatssekretär, wird dann aber ernst: „Wir achten peinlich genau darauf, dass uns hinterher keiner etwas ans Zeug flicken kann.“ Gelesen hat er die Raddatz-Werke ebenso wenig wie sein Chef. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) findet die Arbeit in der Staatskanzlei „spannender als jeden Krimi“. Obendrein sei sie so beanspruchend, dass für Fiktion keine Zeit sei. CDU-Vorgänger David McAllister, zu dessen Zeiten Raddatz noch im aktiven Dienst war, hat dagegen die ersten Bücher „mit Interesse“ gelesen, sich aber einen Vergleich zwischen Realität und Romanwelt verkniffen.

Ein weiterer früherer Untergebener McAllisters hat inzwischen ebenfalls zur Krimi-Feder gegriffen. In „Völkers Schlacht“ beschreibt Joachim Anlauf, ehemaliger Pressesprecher der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion, die schmutzigen Tricks im Oberbürgermeister-Wahlkampf von Leipzig. Weil der CDU-Herausforderer gegen SPD-Amtsinhaber Clemens Völker chancenlos erscheint, spinnen dubiose Spindoktoren im Hintergrund eine fiese Intrige gegen den Favoriten. Ein Doppelgänger soll diesen in Verruf bringen. Anlauf, der inzwischen in Leipzig lebt und im Hauptjob für die sächsische Landesverwaltung arbeitet, zeichnet ein detailreiches, offenbar auch von eigenen Berufserfahrungen geprägtes Sittenbild der Kommunalpolitik und der sie begleitenden Medien. Beim Leipziger Krimi-Wettbewerb heimste er für seinen Debütroman prompt den Publikumspreis ein. In die norddeutsche Provinz taucht dagegen Natascha Manski ab. „Fanggründe“ heißt der erste große Kriminalroman der Sprecherin im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium. Hauptkommissarin Tomma Petersen muss in der Wesermarsch einen Mord an einem Fischer aus Butjadingen aufklären. Politik spielt nur am Rande eine Rolle, wenn es etwa um den Konflikt zwischen Krabbenfischern und Offshore-Windparks oder die Verschlammung des Hafens von Fedderwardersiel geht.

„Bei mir stehen die kauzigen Typen im Mittelpunkt“, sagt die Autorin, die ihre Handlung mit viel Lokalkolorit würzt. Manski ist in Nordenham geboren, kennt also die Menschen an der Küste. Gerade hat sie ihren zweiten Krimi angefangen – mit demselben Ermittler-Team. Ihre nebenberufliche Schreiberei habe sie ordnungsgemäß bei ihren Chefs Minister Gert Lindemann (CDU) und dessen Nachfolger Christian Meyer (Grüne) angemeldet, berichtet die Sprecherin. Das sei aber bei ihren Büchern der einzige Bezug zur Landespolitik.

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