Jahresringe hölzerner Überreste sollen Aufschluss über genaues Alter liefern / Landwirt plant Führungen Mittelalterliche Steinburg entdeckt

Archäologen graben in Stotel die Überreste einer Burg aus dem hohen Mittelalter aus. Die Überreste der Festung überraschen selbst die Experten. Denn die Verwendung von Stein statt Holz als Baustoff ist absolut ungewöhnlich – und das nicht nur für die Region.
09.07.2014, 00:00
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Archäologen graben in Stotel die Überreste einer Burg aus dem hohen Mittelalter aus. Die Überreste der Festung überraschen selbst die Experten. Denn die Verwendung von Stein statt Holz als Baustoff ist absolut ungewöhnlich – und das nicht nur für die Region.

Unter der Kuhweide von Bauer Ludolf Bode hat sich jahrhundertelang eine erstaunliche Entdeckung verborgen: die Grundmauern einer steinernen Burg aus dem Hochmittelalter. Archäologen graben die Überreste in Stotel (Gemeinde Loxstedt) seit einem Jahr vorsichtig aus. Bisher legten sie eine kreisrunde Steinmauer mit einem äußeren Durchmesser von rund 36 Metern und die Fundamente einer Toranlage frei.

„Wir waren völlig überrascht“, sagt der Archäologe des Kreises Cuxhaven, Matthias Schön. Denn im norddeutschen Raum wurden die Burgen zu der Zeit in der Regel aus Holz gebaut. Zwei ähnliche Ruinen seien in den Niederlanden gefunden worden, eine in Nordfrankreich und eine in England – und die Engländer argumentieren mit der Datierung auf dünnem Eis“, meint Schön. „Hier ist es die einzige derartige steinere Burg aus dem hohen Mittelalter, die wir kennen.“

Irgendwann zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert ist die Burg in Stotel nach Ansicht der Experten entstanden. Wann genau, ist aber noch unklar. Vor Kurzem stießen sie auf einige Holzbalken, mit deren Hilfe Archäologe Schön das genaue Alter feststellen lassen will. Mittels Dendrochronologie, der Jahrringdatierung, könnte so bestimmt werden, welchem der Grafen von Stotel die Burg zugeschrieben werden könnte – Gevehard, einem der drei Rudolfs, Gerbert, Roland, Johannes I. oder II.

Matthias Schön ist sicher, Aufschluss über das Alter der Fundstücke zu erhalten: „In Norddeutschland funktioniert die Dendrochronologie am besten mit Eichenholz“, das gut lesbare Ringe aufweise. Die Fundstücke bestehen aus Eiche, „sie weisen Verbindungen wie Zapfen und Blätter auf, waren also eindeutig Bauhölzer.“

Bis das Ergebnis aus dem Labor vorliegt, muss sich der Kreisarchäologe zwar noch für einige Wochen gedulden. Aber dann kann er vermutlich ein weiteres Rätsel lösen: Rund 350 Meter von der Ausgrabungsstelle entfernt stand früher einmal eine Holzburg, von der heute aber nur noch der Graben und die Wälle erhalten sind. Ob beide Burgen zeitgleich existierten oder nacheinander, das könnte nach der Datierung feststehen.

Alte Münzen, Geschirr oder Werkzeug haben die Experten in dem Gemäuer allerdings genauso wenig gefunden wie Brandspuren oder Schutt. Daher spreche viel dafür, dass die Burg damals nicht zerstört, sondern aufgegeben und die Steine bis zu den Grundmauern abgetragen worden seien, erklärte Schön. Das sei wohl auch der Grund, weshalb die Festung im Gegensatz zu anderen Burgen in keiner alten Karte verzeichnet sei.

Bauarbeiter stießen vor mehreren Jahren zufällig auf einige Steine mit Mörtelresten, als sie eine Stromleitung auf Bodes Grund verlegten. „Solche Steine gehören ganz eindeutig nicht in die Flussmarsch der Lune“, war Schön sogleich klar, nachdem der historisch begeisterte Landwirt den Fund gemeldet hatte. Dass seine Wiese einer Baugrube gleicht, stört Bode nicht.

Im Oktober sollen die Ausgrabungen beendet sein. Bode will, dass die Überreste der Burg danach für Archäologie-Fans und Touristen zugänglich sind. Der Heimat- und Bürgerverein sei eingeschaltet. Sogar Führungen kann Bode sich vorstellen. „Das ist so was von einmalig für den Ort. Das unterstützen meine Familie und ich, wo wir können. Auf die paar Quadratmeter können wir als Reiterhof verzichten.“

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