41-Jährige: Innere Stimmen haben die Tötung befohlen / Amtsrichter ordnet Unterbringung in Psychiatrie an Mutter gesteht Mord an Töchtern

Hammah·Stade. Innere Stimmen sollen einer 41-Jährigen nach eigenen Angaben den Mord an ihren beiden kleinen Töchtern befohlen haben. Die Frau aus Hammah bei Stade hat die Tat gestanden und ist inzwischen in einer psychiatrischen Klinik. "Sie ist vermutlich schuldunfähig", sagte Kai Thomas Breas, der Sprecher der Staatsanwaltschaft, gestern. Die Bewohner von Hammah können die Morde an den beiden kleinen Mädchen nicht fassen, das Dorf steht unter Schock.
07.06.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Irena Güttel UND HANS-LOTHAR KORDLÄNDER

Hammah·Stade. Innere Stimmen sollen einer 41-Jährigen nach eigenen Angaben den Mord an ihren beiden kleinen Töchtern befohlen haben. Die Frau aus Hammah bei Stade hat die Tat gestanden und ist inzwischen in einer psychiatrischen Klinik. "Sie ist vermutlich schuldunfähig", sagte Kai Thomas Breas, der Sprecher der Staatsanwaltschaft, gestern. Die Bewohner von Hammah können die Morde an den beiden kleinen Mädchen nicht fassen, das Dorf steht unter Schock.

Nach Angaben der Ermittler war die 41-jährige Frau wegen Verfolgungswahns, Depressionen und Angstzuständen in Behandlung. Die Behörden waren jedoch nicht darüber informiert. "Das Ausmaß der psychischen Erkrankung ist offenbar unbekannt geblieben", sagte Breas. Dennoch habe es Anzeichen gegeben, dass die Mutter überfordert gewesen sei. "Die Obduktion hat ergeben, dass die Versorgung der Kinder nicht optimal war", führte der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter aus. Doch dass sie zu solch einer grausigen Tat fähig ist, hatte wohl keiner geahnt.

Die Frau lebte getrennt vom Vater der drei und fünf Jahre alten Mädchen. Sie wohnte mit den Kindern in einem Mehrfamilienhaus in der 3000-Seelen-Gemeinde Hammah, etwa zehn Kilometer von Stade entfernt. In der Nacht zum Sonnabend war sie in das Kinderzimmer geschlichen. Dort tötete sie ihre Töchter auf grausige Art, wie der Obduktionsbericht ergab. "Sie hat sie erst gewürgt und ihnen dann anschließend mehrere Messerstiche beigebracht", sagte Breas. Danach versuchte die 41-Jährige, sich das Leben zu nehmen. Sie habe sich aber keine lebensgefährlichen Verletzungen zufügen können, sagte Breas.

Nach der Tat ging die Frau den Ermittlungen zufolge noch in der Nacht zu Bekannten und vertraute sich ihnen an. Diese riefen die Polizei. Beamte fanden die leblosen Kinder in der Wohnung. Der Notarzt konnte nur noch den Tod der beiden Mädchen feststellen. Die Beamten nahmen die 41-Jährige fest.

Die Frau kam zunächst in ein Krankenhaus. In einem ersten Verhör gab sie das Verbrechen zu. Die 41-Jährige sagte aber, dass innere Stimmen sie dazu getrieben hätten. Ein Amtsrichter hat mittlerweile angeordnet, sie in einer geschlossenen Psychiatrie unterzubringen.

Der Fall erinnert an das tödliche Familiendrama von Darry in Schleswig-Holstein. Im Dezember 2007 hatte dort eine 31-Jährige ihre fünf Söhne betäubt und erstickt. Das Kieler Landgericht verurteilte sie wegen fünffachen Totschlags, erklärte sie aber wegen einer paranoiden Schizophrenie für schuldunfähig. Die Frau kam in eine Psychiatrie. Die Stader Staatsanwaltschaft ermittelt nun, ob auch die 41-Jährige im Wahn gehandelt hat oder das behauptet, um nicht ins Gefängnis gehen zu müssen. "Wir müssen prüfen, ob das nur eine Schutzbehauptung war", sagte Breas.

In Hammah herrscht Trauer und Fassungslosigkeit über den gewaltsamen Tod der beiden Mädchen. Vor zwei Monaten soll die alleinstehende Mutter mit ihren Töchtern in die kleine Wohnung des Mehrfamilienhauses gezogen sein. "Nur als Übergangslösung", sagt Bürgermeister Rainer Jürgens. Das Appartement ist eigentlich eine Seniorenwohnung. Zum

1. Juli war bereits der Umzug in die Nachbarschaft geplant, dort sollte es eine größere Wohnung geben.

Die Hammaher haben das Bild vor Augen, wie die 41-Jährige ihre beiden Kinder im Bollerwagen durch den Ort zog, wie sie mit ihnen spazieren ging, wie sich kümmerte. "Mensch, die war immer ganz lieb, mit ihr konnte man auch vernünftig reden", sagt Jürgens. Ihre Mädchen gingen zum Kinderturnen, waren auch im Kindergarten. Als Mutter und Hausfrau kümmerte sie sich, "in allem so fürsorglich", schildert der Bürgermeister des Dorfes seinen Eindruck.

Einigen Dorfbewohnern galt die Frau als eher "unnahbar". Aber Anzeichen für eine solche Tat? Nein, die gab es nicht. Viele Menschen fahren am Haus vorbei, in dem sich der Mord ereignete. Ihr fassungsloses Entsetzen drücken die Hammaher aus - in Karten und Blumen vor dem Haus. "Dass so etwas in unserer eigenen Nachbarschaft passiert, hätte wohl niemand gedacht", steht in einem Brief, der zwischen Blumen, Kerzen und einem Plüschteddy steckt. "In Gedanken bei Euch..." steht auf einer Karte. "Sie konnten sich nicht einmal wehren." An die mutmaßliche Täterin richtet sich die eine Frage: "Wie kann man bloß so etwas tun?"

Alle seien geschockt, sagt Bürgermeister Rainer Jürgens. Auch das zeigen die Karten:"Warum müssen immer die Kleinsten sterben. Ihr wart doch gerade mal drei und fünf Jahre alt." Kerzen flackern auf dem Rasen vor dem Tathaus. Nachbarn und Bekannte haben einzelne Blumen und kleine Sträuße niedergelegt. Maik Ortmann, Katharina Kinsky und ihre Tochter Rabea knien auf dem Rasen. Über der Gedenkstätte flattert noch das Absperrband der Polizei. Rabea hat eine Kindergartenfreundin verloren.

Die Tragödie in der Nachbarschaft bleibt unbegreiflich. "So was kennt man doch nur aus dem Fernsehen. Und jetzt hier", sagt Bürgermeister Jürgens.

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