Masterplan mit Macken Naturschützer warnen vor Verschlickung der Ems

Der Masterplan steht bei Naturschützern in der Kritik. Sie warnen vor einer weiteren Verschlickung der Ems. Das Umweltministerium in Hannover räumt Handlungsbedarf ein.
03.02.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Naturschützer warnen vor Verschlickung der Ems
Von Peter Mlodoch

Der Masterplan steht bei Naturschützern in der Kritik. Sie warnen vor einer weiteren Verschlickung der Ems. Das Umweltministerium in Hannover räumt Handlungsbedarf ein.

Die oberste Priorität bei der Planung, nämlich den Sedimenttransport in die Unter-Ems bei Flut einzudämmen, sei gar entweder überhaupt nicht mehr oder nur mit extrem hohen Umbaukosten für das Land Niedersachsen umzusetzen. Das Umweltministerium in Hannover widersprach umgehend: „Der Masterplan Ems ist und war zu keinem Zeitpunkt gefährdet“, meinte Staatssekretärin Almut Kottwitz (Grüne). Die Arbeiten bewegten sich im abgesteckten Zeitrahmen. Vor allem aber: Die Tidesteuerung am Sperrwerk sei nur eine von drei Varianten zur Lösung des Schlickproblems.

Dazu führe der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) derzeit eine Machbarkeitsstudie durch, erklärte Kottwitz. Bis Ende des Jahres würden deren Ergebnisse vorliegen. Von diesen Ergebnissen hänge dann letztlich ab, ob man alternativ oder zusätzlich auf ein Tidespeicherbecken oder eine variable Sohlschwelle am Sperrwerk zurückgreifen müsse.

Der Masterplan Ems war im März 2015 nach einem langen Hickhack auf Druck der Europäischen Union beschlossen worden. Wegen Verstoßes gegen gleich mehrere EU-Richtlinien zum Gewässer- und Naturschutz hatte die Brüsseler Kommission Deutschland mit millionenschweren Strafzahlungen gedroht. Land Niedersachsen, die Stadt Emden, die Landkreise Emsland und Leer, die großen Naturschutzverbände sowie die Papenburger Meyer Werft einigten sich deshalb auf ein Maßnahmenbündel, das bis 2050 die Wasserqualität des durch etliche Eingriffe gebeutelten Flusses wieder aufpeppeln helfen soll.

Im Gegenzug erhielt die Meyer Werft die Zusage, dass die Ems weiter für die Überführungen seiner Kreuzfahrtriesen aufgestaut werden darf. Dies soll Tausende von Jobs sichern. Darüber hinaus sieht der auch bei Landwirten umstrittene Plan ökologische Verbesserungen entlang des Flusses durch Ausgleichsflächen, neue Schutzgebiete sowie Lebensräume vor die für Auen und Flussmündungsgebiete typisch sind.

„Die Ergebnisse übertrafen die Erwartungen“

„Vogelschutz ist wichtig, aber davon wird das Wasser nicht sauber“, betonte mit Blick auf diesen Aspekt Ems-Schützer Rutenberg. Absoluten Vorrang im Plan hat denn aus seiner Sicht auch die Lösung des Schlickproblems. Ein denkbarer Weg, dies zu erreichen, ist danach die Tidesteuerung: Bei Flut wird nur eines der sieben bis zu 63 Meter breiten Tore des 476 Meter langen Sperrwerks geöffnet. So fließt weniger Sediment flussaufwärts.

Aber durch die im Masterplan so bezeichnete „zeitweise Einschnürung des Querschnitts der Ems“ nimmt auch die Strömung zu. Dies spült tiefe Löcher ins Flussbett und kann das Sperrwerk selbst unterhöhlen. Der NWLKN führte bereits vor einigen Jahren, zuletzt 2012, also lange vor Unterzeichnung des Masterplans, drei „Naturversuche“ durch.

„Die Ergebnisse übertrafen die Erwartungen“, teilte jetzt das Umweltministerium mit und verwies auf die damals gewonnenen „Messdaten hoher Qualität für die gesamte Ems“. Umweltschützer Rutenberg berichtete dagegen von erheblichen Schwierigkeiten. „Ein Test ist richtig in die Hose gegangen.“ So habe sich ein Dalben gelöst, sei gesunken und habe im Flussbett für zusätzliche Erosionen gesorgt. Ein vierter Probelauf im Oktober 2015 sei kurzfristig als zu riskant abgesagt worden – eine Aussage, die das Umweltressort in Hannover unter Berufung auf das Wasser- und Schifffahrtsamt Emden bestätigte.

Für den Test habe kein Gutachten zur Unbedenklichkeit vorgelegen, hieß es im Ministerium weiter.. Man könne aber einen erneuten Naturversuch „mit geänderten Randbedingungen“ jederzeit neu beantragen. Wenn die Tidesteuerung wie gewünscht funktioniere, könne eine Sohlschwelle entbehrlich werden, erklärte das Ministerium weiter. In beiden Fälle müssten aber das Sperrwerk und insbesondere die Sohle ertüchtigt werden.

Ziel der jeweiligen Machbarkeitsstudien sei es, die mögliche Wirkungen der Flut-Regulierung und die Kosten für eine Ertüchtigung abzuwägen. Welche Summen diese erreichen könnten, sagte das Umweltressort nicht. Das nach vierjähriger Bauzeit im September 2002 fertiggestellte Sperrwerk hat seinerzeit rund 225 Millionen Euro verschlugen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+