Bad Fallingbostel/Großburgwedel

Neue Besitzer stellen Weichen für alte Bahnhöfe

Insgesamt rund 1000 Bahnhofsgebäude hat die Deutsche Bahn AG vor mehreren Jahren an einen britischen Finanzinvestor verkauft: Der versucht nun, die Immobilien sukzessive zu vermarkten. In
20.12.2015, 00:00
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Neue Besitzer stellen Weichen für alte Bahnhöfe
Von Justus Randt

Insgesamt rund 1000 Bahnhofsgebäude hat die Deutsche Bahn AG vor mehreren Jahren an einen britischen Finanzinvestor verkauft: Der versucht nun, die Immobilien sukzessive zu vermarkten.

In Niedersachsen hatte sich die Bahn von 22 ihrer 52 Empfangsgebäude trennen wollen, ehe sie das offenbar mühselige Geschäft en bloc verkaufte. Jüngst haben wieder zwei niedersächsische Bahnhöfe den Besitzer gewechselt. Das Berliner Auktionshaus Karhausen, das nach eigenem Bekunden bereits mehrere Hundert DB-Immobilien weiterveräußert hat, versteigerte die Bahnhöfe Fallingbostel und Großburgwedel.

Den Zuschlag für den Bahnhof Fallingbostel (Heidekreis) habe ein Mann aus Hannover erhalten, der „dort unter anderem die gastronomische Einrichtung wiederbeleben“ wolle, sagt Auktionator Matthias Knake. Das Gebäude sei schließlich für 35.000 Euro versteigert worden, insgesamt drei Kaufinteressenten hätten mitgeboten. Das Mindestgebot für den Ende des 19. Jahrhundertes errichteten und laut Katalog sanierungsbedürftigen Klinkeraltbau hatte bei 20.000 Euro gelegen.

Der Bahnhof Großburgwedel (Region Hannover) sei „nach einem langen Bietergefecht“ von acht Interessenten, so Knake, für 95.000 Euro versteigert. Das Mindestgebot hatte bei 24.000 Euro gelegen. Auch hier habe der private Käufer anonym bleiben wollen. In den Kommunen Bad Fallingbostel und Burgwedel, mit Verwaltungssitz in Großburgwedel, wurde der Verkauf der früheren sogenannten Empfangsgebäude der Bahn eher gleichgültig aufgenommen. Dabei waren die Bahnhöfe einst Aushängeschild und Visitenkarte der Orte waren – zumindest in deren Blütezeiten. Doch die scheinen vorüber zu sein. Bad Fallingbostel, einst das Ziel von 10.000 Kurgästen pro Jahr ist kein Kurort mehr.

Und Großburgwedel? Der 10.000-Einwohner-Ort ist als Zentralstandort des Drogerieriesen Rossmann und vielleicht wegen seiner Ikea-Filiale bekannt. Dann wurde Christian Wulff Bundespräsident und brachte Ruhm über seinen Wahlwohnort. Aber das ist Vergangenheit. Inzwischen ist das Einfamilienhaus verkauft worden. Dass Wulff dabei einigen Gewinn gemacht haben sollte, waren die letzten Schlagzeilen, die mit Großburgwedel in Zusammenhang standen.

Teils ist der Bahnhof vermietet. „Unten ist das Gebäude schon eine ganze Weile leer“, erläutert eine Sprecherin der Stadt. Auch sie weiß nicht, was aus dem Gebäude wird. „Für bau- und nutzungsrechtliche Fragen ist die Region Hannover als Genehmigungsbehörde zuständig“, sagt sie. „Das Gebäude liegt ja am Ortsrand, wo es nur noch Wald und Feld gibt.“ Die Großburgwedeler dürfen gespannt sein.

Zu den Bahnhöfen, die in den vergangenen Jahren verkauft oder versteigert wurden, zählen unter anderem Bad Bentheim und Soltau, Norddeich und Nordenham, Ronnenberg und Brake. In Brake hatte der Bürgermeister den Plan geschmiedet, die Stadtverwaltung in dem denkmalgeschützten Gebäude unterzubringen. Die Bahn wäre mit 30.000 Euro zufrieden gewesen, dem Stadtrat war das zu viel. 2013 wurde das Gebäude für 52.000 Euro versteigert.

Auch die Empfangsgebäude in Achim und Diepholz wechselten die Besitzer. Wie der Bahnhof Syke, dessen neue Besitzer, die Awo Trialog, dort eine sozialpsychiatrische Einrichtung schufen. Das „Gleis 1“ ist nicht nur eine offene Begegnungsstätte mit Café, sondern auch beliebte Adresse für Comedy- und Konzertabende.

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