Auslieferung Ende April geplant Neue Helgolandfähre mit Kreuzfahrtambiente

Die Zukunft des Schiffsverkehrs zwischen Cuxhaven und Helgoland liegt derzeit in Stettin auf dem Gelände der polnischen Werft Hullkon Shipyard. Die Kiellegung der neuen Helgolandfähre war am 16. Juli.
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Von Thomas Joerdens

Die Zukunft des Schiffsverkehrs zwischen Cuxhaven und Helgoland liegt derzeit in Stettin auf dem Gelände der polnischen Werft Hullkon Shipyard. Die Kiellegung der neuen Helgolandfähre war am 16. Juli. Sobald der Rohbau abgeschlossen ist, soll der Rumpf von Stettin zum Hauptsitz der federführenden Fassmer-Werft nach Berne gebracht werden. Nach den jetzigen Planungen voraussichtlich Mitte November. An der Weser wollen die Traditionsschiffbauer die Fähre fertigstellen und Ende April ausliefern.

Die Cuxhavener Reederei Cassen Eils GmbH plant die Indienstnahme des neuen Schiffs für Mai und möchte von da an einen ganzjährigen, täglichen und zugleich umweltschonenden Liniendienst mit Kreuzfahrt-Atmosphäre zwischen Cuxhaven und „Deutschlands einziger Hochseeinsel“ anbieten.

Mit dem ersten Fährneubau seit über 40 Jahren – die vier Helgoland-Schiffe der Cassen-Eils-Flotte liefen zwischen 1970 und 1973 vom Stapel – modernisiert die Reederei den Inselverkehr in mehrfacher Hinsicht. Die Fähre wird der erste Schiffsneubau unter deutscher Flagge sein, der mit der sogenannten LNG-Technik ausgestattet ist. Die Buchstaben stehen für „Liquefied Natural Gas“, zu deutsch Flüssigerdgas. Im Vergleich zum konventionellen Schiffsdiesel sind die Emissionen bei LNG deutlich geringer: Stick- und Schwefeloxide werden um 90 Prozent reduziert und Kohlendioxide um ein Fünftel. Feinstaub entsteht bei Flüssiggasantrieb gar nicht. Zudem rechnen die Betreiber mit geringeren Bunkerkosten. Das Schiff erfüllt damit die Abgasnormen, die ab 2015 in der Nordsee gelten.

Die Auto- und Passagierfähre MS „Ostfriesland“, die zwischen Emden und Borkum fährt, soll ebenfalls mit einer Dual-Fuel-Maschine nach- und damit bis Ende des Jahres auf LNG-Antrieb umgerüstet werden. Das Schiff wird von der Aktien-Gesellschaft EMS bereedert. Zu der Emdener Unternehmensgruppe gehört seit vier Jahren auch Cassen Eils. Die AG EMS wirbt damit, als erste deutsche Reederei auf LNG-Technik zu setzen. In Nordfriesland plant auch die Hamburger Firma „Watten Fährlinien GmbH“ einen Dienst mit zwei Hybrid-Fähren, die mit Flüssiggas und Strom fahren sollen. Der Start auf der Linie Dagebüll-Föhr-Amrum ist noch unklar.

Die neue Helgolandfähre wurde von der AG EMS in Auftrag gegeben, nachdem die Reederei Cassen Eils eine Ausschreibung der Insel Helgoland gewonnen hatte. „Mit dem neuen Schiff setzen wir im Helgolandverkehr neue Maßstäbe“, freut sich Peter Eesmann, Geschäftsführer von Cassen Eils. Denn der Neubau ist nicht nur im Maschinenraum hochmodern. Das fast 80 Meter lange Schiff soll den Passagieren während der zweieinhalbstündigen Fahrt von Cuxhaven nach Helgoland und zurück ein komfortables Mini-Kreuzfahrtgefühl vermitteln. Dafür sorgen neben Salons und Restaurants ein Atrium über drei Etagen sowie Sonnendecks und eine Lichtkuppel. Mit einem gläsernen Lift erreichen auch Rollstuhlfahrer die Außendecks. Alle Innendecks sind barrierefrei. Ebenfalls passagierfreundlich: Das Schiff darf im Hafen festmachen. Damit entfällt das Boarding per Tenderboote, die zu den Anlegern tuckern. So ist es auf den übrigen Cassen-Eils-Schiffen üblich.

Die Fähre bietet den maximal 1000 Passagieren auch einen größeren Reisekomfort. Sie erreicht bis zu 20 Knoten und ist damit etwas schneller als die anderen Schiffe. Da der charakteristisch brummende Schiffsdieselsound künftig größtenteils wegfällt, wird es an Bord auch leiser werden. Wenig seefeste Passagiere werden die „dynamischen Stabilisatoren“ schätzen, die das Rollen des Schiffs bei einem höheren Wellengang spürbar reduzieren sollen. Neu ist außerdem ein Frachtraum für Stückgut, Waren, Gepäck sowie Stellplätze für Zehn-Fuß-Container, die die Besatzung mit einem bordeigenen Kran lädt und löscht. Da das Schiff bei jedem Seegang fahren kann, wird es künftig keine Unterbrechungen mehr geben bei der Helgoland-Versorgung.

Die schwimmende Innovation kostet rund 30 Millionen Euro. „Dafür soll das Schiff dann für wenigstens 30 bis 40 Jahre halten“, erwartet AG EMS-Vorstand Bernhard Brons von dem Investment. Zur Finanzierung sagt AG EMS-Sprecherin Corina Habben: „Eine Beteiligung von Bund oder Land ist nicht vorgesehen, jedoch haben wir uns um Fördergeld aus Brüssel bemüht. Eine abschließende Beurteilung steht noch aus.“

Was bislang fehlt, ist ein Name für die neue Helgolandfähre. Über Vorschläge per E-Mail an die Adresse info@cassen-eils.de freut man sich bei der Reederei Cassen Eils bis zum 31. Oktober.

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