Aufsichtsratsvorsitzender nach Geflügelfleisch-Skandal abgewählt Neuland zieht Konsequenzen

Bad Bevensen. Im Skandal um falsch deklariertes Geflügelfleisch fordert der Neuland-Verein die Beurlaubung des Geschäftsführers der Neuland-Vermarktungsgesellschaft Nord. Die Gesellschafter der GmbH haben den Aufsichtsratsvorsitzenden abgewählt.
26.04.2014, 00:00
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Neuland zieht Konsequenzen
Von Hans Ettemeyer

Im Skandal um falsch deklariertes Geflügelfleisch fordert der Neuland-Verein die Beurlaubung des Geschäftsführers der Neuland-Vermarktungsgesellschaft Nord in Bad Bevensen. Die Gesellschafter der GmbH haben unterdessen den bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden abgewählt.

Der mutmaßliche Betrug mit falsch deklariertem Geflügelfleisch beim Gütesiegel Neuland hat erste personelle Konsequenzen: Die Gesellschafter der Neuland-Vermarktungsgesellschaft Nord in Bad Bevensen haben den bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden Andreas Engel abgewählt. Der neue Aufsichtsrat wurde vom Neuland-Trägerverein aufgefordert, umgehend den Geschäftsführer der Vermarktungsgesellschaft, Thomas Strauß, von seinen Aufgaben freizustellen.

Vor zehn Tagen war öffentlich geworden, dass der Landwirt Werner L. aus Wietzen (Kreis Nienburg) der Neuland-Vermarktungsgesellschaft Nord offenbar jahrelang Hähnchen aus der Massentierhaltung als teures Neuland-Fleisch verkauft hat. Der Landwirt war viele Jahre größter Hähnchenfleisch-Lieferant für Neuland in Norddeutschland. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt inzwischen gegen den Mann wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges.

Landwirte verärgert

Seit der mutmaßliche Etikettenschwindel für Schlagzeilen sorgt, kämpft der NeulandVerein, der bei der Fleischproduktion einen Mittelweg zwischen Massentierhaltung und Bio-Aufzucht geht, gegen den immensen Imageverlust. Viele Kunden sind verunsichert – die Neuland-Landwirte befürchten Umsatzeinbußen, ihre Verärgerung ist groß.

Das bekam am Donnerstag Andreas Engel zu spüren. Er war bis dahin Aufsichtsratsvorsitzender der Neuland-Vermarktungsgesellschaft Nord. Sie vertreibt von Bad Bevensen aus die Produkte der rund 130 Neuland-Landwirte in Norddeutschland. Als Gesellschafter wählten die Landwirte Engel vom Amt des Vorsitzenden ab. Dem dreiköpfigen Gremium steht jetzt der Landwirt Gerhard Bohm aus Dannenberg vor. „Es gab in der Versammlung zwar keine konkreten Vorwürfe gegen Herrn Engel“, berichtete gestern der zweite Aufsichtsrat Martin Schulz, „doch das Wahlergebnis war eindeutig.“

Den Geschäftsführer Thomas Strauß sähen die Gesellschafter zwar ebenfalls in der Verantwortung, am Donnerstag sei ihm jedoch mehrheitlich Entlastung erteilt worden, sagt Aufsichtsrat Schulz.

Der Neuland-Vereinsvorstand hat dagegen nach einer Krisensitzung in einem Brief an den neuen Aufsichtsrat appelliert, den Geschäftsführer „umgehend – mindestens bis zum Ende der lückenlosen Aufklärung – von seinen Aufgaben freizustellen“. Außerdem fordert er das Aufsichtsgremium auf, „möglichst umgehend eine unabhängige, externe Überprüfung der Abläufe in der GmbH“ zu veranlassen. Dabei sei entscheidend, „dass die externen Prüfer lückenlosen Zugang zu allen notwendigen Unterlagen erhalten“, heißt es in dem Brief des Vereinsvorsitzenden Wolfgang Apel, der unserer Redaktion vorliegt. Als weitere Konsequenzen kündigt der Vorstand für die Zukunft „lückenlose Warenflusskontrollen“ zwischen den einzelnen Stufen der Erzeugung bis zur Ladentheke an.

Nach Angaben von Neuland hatte es bei dem Landwirt in Wietzen Ende 2013 erstmals Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gegeben. Man habe sich damals nicht erklären können, wie der Landwirt plötzlich so große Mengen Fleisch liefern konnte. Eine geplante Überprüfung durch eine Zertifizierungsgesellschaft habe der Landwirt verhindert, indem er nur Stunden zuvor per Mail die Mitgliedschaft bei Neuland gekündigt habe.

Der Neuland-Verein wurde vor 25 Jahren vom Deutschen Tierschutzbund, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft gegründet.

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