Land bildet im Bundesvergleich Schlusslicht Niedersachsen fehlen Schulpsychologen

Niedersachsen ist im Bundesvergleich Schlusslicht bei der Versorgung mit Schulpsychologen. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor. Bremen dagegen rangiert auf Platz zwei des Rankings.
15.11.2014, 00:00
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Niedersachsen fehlen Schulpsychologen
Von Silke Looden

Niedersachsen ist im Bundesvergleich Schlusslicht bei der Versorgung mit Schulpsychologen. Das geht aus einer aktuellen Studie des Bundesverbandes Deutscher Psychologen hervor. Dieser fordert deutlich mehr Psychologen an Schulen, vor allem für den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Handicap.

Katastrophal sei die Versorgung der Schulen mit Schulpsychologen, klagt der Bundesverband Deutscher Psychologen (BDP). Im Bundesdurchschnitt komme auf 8617 Schüler ein Psychologe. Niedersachsen sei im Bundesvergleich Schlusslicht. Dort kommen demnach 16 118 Schüler auf einen Psychologen. Bremen dagegen rangiert auf Platz zwei des Rankings mit 5146 Schülern pro Psychologen. Spitzenreiter im BDP-Vergleich ist Berlin mit 5082 Schülern.

Nach Angaben des Kultusministeriums in Hannover verfügt das Land derzeit über 69 Schulpsychologen sowie 13 Arbeitspsychologen und zwei weitere im Rahmen des Projekts „CARE“ für klinische Psychologie. 2015 kämen sieben weitere Schulpsychologen hinzu. In Relation zur Schülerzahl kämen demnach 12 756 Schüler auf einen Schulpsychologen. Im Ranking der Bundesländer würde das Land damit um zwei Plätze vorrücken. Dazu Ministeriumssprecher Thomas Schumacher: „Die Landesregierung hat den Handlungsbedarf erkannt und nach Regierungsübernahme frühzeitig neue Stellen geschaffen.“ Zudem würden Schulpsychologen anderswo auch im Bereich der Schulentwicklung arbeiten. Hierfür gebe in Niedersachsen gesonderte Spezialisten.

Mehr als 300 Schulpsychologen aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland haben in dieser Woche im bayerischen Landshut getagt. Der 21. Bundeskongress für Schulpsychologie thematisiert den gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne Handicap. „Die Inklusion bedeutet eine erhebliche Belastung und Umwälzung“, sagt der Vorsitzende der Sektion Schulpsychologie Stefan Drewes.

Bereits 1973 habe die Kultusministerkonferenz einen Psychologen pro 5000 Schüler als Mindestversorgung empfohlen, sagt BDP-Präsident Michael Krämer und betont: „Für die Schulen sind mehr psychologische Kompetenzen notwendig, sonst können die aktuellen Herausforderungen nicht bewältigt werden.“ Neben der Inklusion gehe es zunehmend auch um die Unterstützung von Kindern aus Kriegsgebieten, so Krämer.

Zum Bundeskongress hat der Verband ein erweitertes Berufsprofil für Schulpsychologen veröffentlicht. So sieht er die Aufgabe der Psychologen darin, Eltern, Lehrer und Schüler zu beraten, um Konflikte zu vermeiden. Dabei gehe es um Akzeptanz und individuelle Förderung sowie um die Einbindung der Eltern. Diese befürchteten häufig, dass Kinder mit Förderbedarf das Lernniveau senken.

„Wir bieten fundierte psychologische Methoden an. Jede Schule und auch Eltern müssen darauf zurückgreifen können“, fordert Drewes. Ohne die fachliche Beratung seien Probleme wie die Überlastung von Lehrern, Mobbing unter Schülern oder Prostest von Eltern programmiert. Schule müsse sich auf dem Weg zur Inklusion nicht nur neu organisieren, sondern auch ein neues Verständnis von Lehren und Lernen entwickeln.

Die Einführung der inklusiven Schule geht auf die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen zurück, der sich Deutschland verpflichtet hat. Prinzipien der Inklusion sind die individuelle Entfaltung und Teilhabe und damit das Recht auf eine Beschulung an der Regelschule.

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